Der ehemalige Profiboxer Torsten May trainiert 19 Gewinner eines Firmensport-Wettbewerbs in Hude

Ein Olympiasieger als Coach

Hude. Aufwärtshaken, Seitwärtshaken, Sidestep, Gerade. Und das Ganze noch mal von vorn.
09.02.2017, 00:00
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Ein Olympiasieger als Coach
Von Patrick Hilmes

Hude. Aufwärtshaken, Seitwärtshaken, Sidestep, Gerade. Und das Ganze noch mal von vorn. Im Hintergrund ertönt ein Handy und die Filmmusik von Rocky ist zu hören. Typisch Boxen. Und so ein Boxtraining kann ziemlich anstrengend sein. Das erkannten am Dienstagabend auch 19 Teilnehmer in Hude. Im Spiegelraum der Jahnhalle wurden ihnen anderthalb Stunden lang die Grundlagen des Boxens beigebracht. Und ihr Trainer war nicht irgendein Trainer, sondern Torsten May, seines Zeichens Olympiasieger 1992 und Weltmeister 1991 im Halbschwergewicht.

Warum eben diese 19 dieses Privileg hatten? Sie arbeiten im Tui-Reisebüro in Delmenhorst oder im Steuerberatungsbüro Heiko Mönning in Falkenburg. Eben diese beiden Unternehmen sind zwei von fünf Gewinnerfirmen des Barmer-Firmensport-Wettbewerbs 2016 im Oldenburger Land. Was sie dafür tun mussten? Sie mussten fleißig Sport treiben. Die Firmen, die die meisten Sportabzeichen in 2016 sammelten – im Verhältnis zur Größe der Belegschaft (zehn, bis zu 20, bis zu 50, bis zu 100 und über 100 Mitarbeiter) – kamen in den Genuss eines solch besonderen Trainings.

Und warum in Hude? Felix Lingenau, Tischtennisspieler des TV Hude, hat eh einen kurzen Draht zu der Krankenkasse. Zudem erwirkte Lingenau, dass zwei Ehrenamtliche des Vereins ebenfalls die Chance auf ein Training bei Torsten May bekamen. Wer das war, wurde ausgelost. Die Glücklichen waren Saskia Petersen und Sebastian Zwiener, die eine Spielerin der HSG Hude/Falkenburg und der andere ihr Trainer. Dass es ausgerechnet zwei Handballer waren – beide engagieren sich auch ehrenamtlich im Verein – war Zufall. „Wir haben die Losung extra auf Video aufgenommen“, betonte Lingenau schmunzelnd. Und die beiden Handballer freuten sich über ein mal anderes Training, ohne Ball. „Wenn man mal so eine längere Schlagfolge gemacht hat, kam man ganz gut ins Schwitzen“, schilderte Zwiener. Begeistert war er von dem Auftreten des Olympiasiegers. „Er war total locker, super sympathisch und hat alles sehr gut erklärt.“ So erging es auch den anderen Teilnehmern.

Nach gemächlichen Aufwärmübungen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen, zeigte Torsten May seinen „Schülern“ die Grundlagen des Boxens. Nach und nach kam ein neuer Schlag, ein neuer Punkt hinzu. Aufwärtshaken, Seitwärtshaken, Gerade. Und nach und nach beherrschten die Teilnehmer die Schlagarten. Anschließend wurde kombiniert, Sidestep inklusive. Da haute es die ein oder andere bei der ganzen Koordination schon mal aus den Socken. Doch genau auf diese Koordination zielt ein solches Training ab. „Es ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch geistig. Daher ist Boxtraining wunderbar zum Stressabbau geeignet, denn man kommt gar nicht dazu, an etwas anderes zu denken“, betonte Torsten May.

Sein Training zu aktiven Zeiten sah noch ein wenig anders aus. „Zwei bis drei Mal pro Tag vor dem Wettkampf. Sprinten, Zehn-Kilometer-Lauf, Kraftübungen, Boxen – da war alles mit dabei“, schilderte der 47-Jährige. Er misst die Zeit im Profibereich aber nicht, auch nicht die als Trainer im Wettkampfsport. „Ich hab das jahrelang selber gemacht. Irgendwann brauchte ich neue Reize, es hat mir nicht mehr das gegeben, was ich brauchte.“ Gar nichts mehr mit Boxen am Hut haben möchte Torsten May aber auch nicht. „Seit Kindesbeinen hab ich mit Boxen zu tun, ganz sein lassen könnte ich es nicht.“ Und Erfahrung mit absoluten Neulingen hat er mittlerweile auch, die diesjährige Runde durch das Oldenburger Land ist nicht seine erste, zudem ist er auch Trainer in einem Kölner Boxklub. „Es ist einfach schön zu sehen, mit wie viel Lust und Spaß die Leute dabei sind, voll mitmachen und Gas geben“, sagte May.

Und die Teilnehmer gaben Gas. Das ein oder andere Mal musste der ehemalige Profiboxer aufpassen wie in früheren Jahren. Denn das Problem bei kompletten Neulingen im Boxsport ist manchmal die Zielgenauigkeit. „Ab und an kassiere ich schon mal einen Treffer auf die Brust oder so. K.o. hat mich aber zum Glück noch keiner geschlagen“, erzählte May schmunzelnd.

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