Fußball - Problematik des Festspielens Ein Paragraf sorgt für Verwirrung

Landkreis Diepholz. 'Wir wollen, dass der Ball rollt', lautet seit Jahren das Motto des Fußball-Kreisverbandes Diepholz. Doch derzeit herrscht unter den ehrenamtlichen Funktionären des Verbandes und der Vereine große Aufregung, bei der es nicht um Tore und Abseitsentscheidungen geht.
18.05.2010, 22:24
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Von Karsten Bödeker

Landkreis Diepholz. 'Wir wollen, dass der Ball rollt', lautet seit Jahren das Motto des Fußball-Kreisverbandes Diepholz. Doch derzeit herrscht unter den ehrenamtlichen Funktionären des Verbandes und der Vereine große Aufregung, bei der es nicht um Tore und Abseitsentscheidungen geht. Wieder mal geht es nicht auf dem grünen Rasen sondern am grünen Tisch zur Sache. Der Grund ist Paragraf 10 im Anhang 4 zur landesweit geltenden Spielordnung.

Denn dort heißt es, dass Amateure oder Vertragsspieler, die in einem der letzten vier Punktspiele . . . in einer höheren Mannschaft eingesetzt wurden, ab diesem Zeitpunkt an den Pflichtspielen einer unteren Mannschaft bis zum Ende des Spieljahres nicht mehr teilnehmen dürfen.

Michael Steen, Vorsitzender des Kreisspielausschusses hatte die Vereine jüngst in einer Nachricht auf Paragraf 10 hingewiesen. Und damit hat der Asendorfer eine Lawine losgetreten. Denn diese seit einem Jahr gültige Regelung war kaum jemandem bekannt. Selbst Kreisfußballchef Dieter Plaggemeyer hatte diese Änderung im Laufe der Saison vergessen. Allerdings müssen die Vereine sich selbst um die Regelungen und ihre Beachtung kümmern, der Kreisverband hat keine Pflicht, sie darauf hinzuweisen. 'Wenn es Verstöße gibt, bleibt uns keine andere Wahl, als die Spiele umzuwerten', erklärt Plaggemeyer, der aber auch betont: 'Für sinnvoll halte ich die Regelung in dieser Form nicht.'

Nur grundsätzlich richtig

Aus den Protokollen der damaligen Verbandssitzungen ergibt sich auch nichts Näheres, doch habe der Verband vermutlich Wettbewerbsverzerrungen vorbeugen wollen. Grundsätzlich sei es richtig, findet Plaggemeyer, wenn beispielsweise Vereine wie der BSV Rehden mit ihrer Ersten in der Oberliga und der Zweiten in der Bezirksliga spielen und dort gerade in der Schlussphase einer Saison nicht die höherklassigen Akteure abwechselnd auflaufen und der unteren Mannschaft helfen.

Doch das Verbot gilt auch für Klubs, deren Teams nur in den Kreisklassen angesiedelt sind. Und dort herrscht häufig Personalnot, so dass gerade Ergänzungskräfte regelmäßig in verschiedenen Teams aushelfen. Aber die eigentliche Regelung, erst nach zwei Begegnungen in einer höheren Mannschaft 'festgespielt' zu sein, wird durch Paragraf 10 verschärft. Und das führte zuletzt sogar zu Spielabsagen, weil die untere Mannschaft (beispielsweise beim TuS Syke III) nicht genügend freie Spieler mehr zur Verfügung hatte.

Oder aber die von Verletzungen geplagte und im Niemandsland ihrer Liga stehende Erste wird geopfert, weil sie nur mit Akteuren der Zweiten aufgefüllt werden könnte, die sich in diesem einen Match dann jedoch festspielen würden. So sagte der TSV Neubruchhausen zuletzt sein Kreisligaspiel ab, weil sonst die im Abstiegskampf der 2. Kreisklasse stehende Zweite zur finalen Partie nicht mehr genügend spielberechtigte Akteure gehabt hätte.

'Man muss sich ernsthaft fragen, ob durch solche Regeln Fußball verhindert wird', meint Plaggemeyer. Er könnte sich deshalb vorstellen, den Paragraphen 10 zukünftig nur ab Bezirksebene aufwärts anzuwenden. Die Spielobleute der Kreise treffen sich in diesen Tagen und werden gemeinsam eine Änderung anstreben. 'Verwaltungstechnisch ist das kaum abzuarbeiten', sieht Plaggemeyer viel Arbeit auf die ehrenamtlichen Spielleiter zukommen.

Da die möglichen Folgen gar nicht absehbar sind - so ließ sich Steen zitieren - werde der Spielausschuss keine Detektivarbeit leisten und ohne Anlass keine Spielberichte abgleichen. Nur scheint es in dem von ihm geleiteten Spielausschuss unterschiedliche Sichtweisen zu geben. Denn einer der für die Kreisklassen Nord zuständigen Staffelleiter hat einem Verein gegenüber bereits angekündigt: 'Das Spiel der zweiten Mannschaft werde ich noch umwerten, wenn mir vom Staffelleiter der Bezirksliga (dort spielt die Erste des Vereins, die Red.) die Daten vorliegen.'

Allerdings wird die Ermittlung dadurch erschwert, dass gerade im Bezirk noch einige Nachholpartien unter der Wochen anstehen, die unter Umständen den nominell viertletzten Spieltag erst zum fünft- oder gar sechstletzten werden lassen. Und wie müsste wohl erst im Fall des SC Twistringen gezählt werden, der ja noch im Bezirkspokal vertreten ist und am morgigen Donnerstag (19 Uhr) sein Halbfinale beim ASC Nienburg bestreitet . . .

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