Nachgefragt: Frank Bergs über den beim TV Bierden geplanten behindertengerechten Platz für Rollstuhl-Tennis

„Ein Projekt mit Leuchtturmwirkung"

Auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des TV Bierden ging es unter anderem um ein ganz besonderes Thema: den Bau eines behindertengerechten Platzes für Rollstuhl-Tennis. Sie gehören zu den Initiatoren und haben das Projekt den übrigen Mitgliedern vorgestellt.
04.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ein Projekt mit Leuchtturmwirkung
Von Malte Bürger
„Ein Projekt mit Leuchtturmwirkung"

Frank Bergs spielt schon seit mehreren Jahren Tennis im Rollstuhl – aber bislang konnte er das nicht in Achim. Das soll sich künftig ändern, spätestens im September soll ein neuer Platz, der alle nötigen Kriterien erfüllt, in Bierden eingeweiht werden.

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Auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des TV Bierden ging es unter anderem um ein ganz besonderes Thema: den Bau eines behindertengerechten Platzes für Rollstuhl-Tennis. Sie gehören zu den Initiatoren und haben das Projekt den übrigen Mitgliedern vorgestellt. Aber wieso benötigt der Verein überhaupt einen derartigen Platz?

Frank Bergs: Das hat vor allem zwei Gründe. Auf der einen Seite benötigt der TV Bierden ohnehin einen weiteren Platz, um der Vielzahl an Mitgliedern auch in Zukunft gerecht zu werden. Darüber hinaus ist es innerhalb des Vereins so geregelt, dass Inklusion ein ganz wichtiges Thema ist. Es wird ständig überlegt, wie man Menschen mit Behinderung für Tennis begeistern kann. Das ist eine dieser Ideen. Viele wissen ja gar nicht, dass man im Rollstuhl überhaupt Tennis spielen kann. Ich selbst spiele auch, gemeinsam mit anderen Spielern aus Ottersberg oder Fischerhude müssen wir aber immer bis nach Stelle bei Hamburg fahren, um überhaupt spielen zu können.

Woran liegt das? Können Sie nicht einen der ganz normalen Sandplätze in Bierden benutzen?

Genau das funktioniert eben nicht. Es wird ein ganz spezieller Boden benötigt, weil der Ascheplatz für die Rollstühle viel zu weich ist. Ich habe mal auf Mallorca gespielt, wo die Plätze dank der Hitze sehr trocken waren und es deshalb auch so ging. Bei uns in Deutschland ist das aber nicht möglich. Deshalb wird dafür ein besonderer Ziegelmehlbelag verwendet, der Untergrund ist zudem insgesamt stärker verdichtet. Ein Vorteil für den gesamten Verein ist, dass der Platz dadurch das ganze Jahr über genutzt werden kann – also auch im Herbst und Winter.

Sie haben Ihre weiten Reisen nach Stelle angesprochen. Gibt es denn im näheren Umland tatsächlich keine Alternativen für Rollstuhl-Tennisspieler?

Leider nein. In Bremen gab es vor über zehn Jahren mal ein paar Anfänge, mehr aber nicht. Deshalb ist das ein Projekt mit Leuchtturmwirkung. So etwas gibt es in der gesamten Region nicht und wird für viele Rollstuhlsportler interessant sein. Nicht zuletzt gibt unser Gelände einen derartigen Bau auch her.

Dann drängt sich im Gegenzug aber natürlich die Frage auf, ob der zusätzliche Platz dann am Ende tatsächlich vom gesamten Verein genutzt werden kann oder letztlich dann doch nur für die Sportler mit Behinderung aus Bierden und umzu Verwendung findet. Wie behandeln Sie diese mögliche Terminproblematik?

Es ist ganz klar so geregelt, dass die Rollstuhl-Tennisspieler ein Vorrecht besitzen. Alle anderen werden den Platz aber auch nutzen können, da bin ich mir sicher. Zusätzlich erhoffen wir uns aber natürlich auch neue Mitglieder durch dieses Angebot. In Achim gibt es ja auch schon Behindertensport, etwa Rollstuhl-Basketball, da ist bestimmt Interesse vorhanden. Ich selbst würde beispielsweise gern Kindern im Rollstuhl auf diese Art das Tennisspielen näher bringen. In Windhagen (Rheinland-Pfalz, Anm. d. Red.) ist durch ein ähnliches Projekt inzwischen eine eigene große Gruppe entstanden. In Stelle habe ich es schon erlebt, dass 70-jährige Spieler nach einer Knieoperation nun im Rollstuhl trotzdem weiterspielen, weil es anders nicht mehr geht. Das ist schön zu sehen. Natürlich ist das ein sehr langer Prozess, aber wir erwarten uns selbstverständlich eine Entwicklung bei den Mitgliederzahlen. Ich würde mich freuen, wenn wir 20, 30 neue Mitglieder auf diesem Weg gewinnen können, aber das braucht eben auch eine gewisse Zeit.

Zeit ist im Tennis aber ein schwieriger Begriff. Die Hochphase ist trotz der jüngsten Erfolge von Angelique Kerber längst vorbei. Da klingt es erst einmal ungewöhnlich, dass sich ein Verein aus perspektivischen Gründen vergrößern will.

Natürlich kann nicht jeder Verein mal eben einen behindertengerechten Platz samt zugehörigem Anbau am Vereinsheim bauen. Der TV Bierden ist in der Region allerdings der Tennisverein, der in den vergangenen Jahren prozentual am stärksten gewachsen ist. Das liegt vor allem am familienbezogenen Konzept. Wir haben in der jüngeren Vergangenheit 50 bis 60 Kinder gewinnen können, einige bringen dann gleich ihre Eltern mit. Die Grenze des Machbaren ist im Verein jetzt erreicht, deshalb muss ohnehin ein neuer Platz her, damit alle spielen können.

Wie konkret sind Ihre Planungen, wann geht der Bau los?

Wir gehen momentan davon aus, dass wir den Platz im September einweihen können, Baubeginn ist Juli/August. Zur Eröffnung wollen wir natürlich auch ein schönes Programm anbieten. Ein Showmatch gegen meine Freunde aus Stelle ist vorgesehen, außerdem habe ich gute Kontakte zum Bundestrainer in Sachen Rollstuhl-Tennis. Auch eine Weltranglistenspielerin werde ich noch versuchen zu bekommen. So können alle Interessierten direkt sehen, wie gut Tennis im Rollstuhl zu spielen ist.

Das Interview führte Malte Bürger.

Zur Person

Frank Bergs (51) stammt ursprünglich aus dem Rheinland, lebt inzwischen aber seit 14 Jahren in Achim. Beim TV Bierden spielte er einst noch auf zwei Beinen Tennis, ehe er seit einem Unfall motorisch eingeschränkt ist und sich nun im Rollstuhl seine Ballwechsel liefert. Bislang kann er dies nur in Stelle bei Hamburg tun – künftig soll das aber auch bei seinem Heimatverein möglich sein.
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