Schießen

Ein Ring macht den Unterschied

Der SV Haendorf hat den letzten Wettkampf in der 2. Luftpistole-Bundesliga denkbar knapp gewonnen. Zur Vizemeisterschaft reichte es dennoch nicht ganz.
08.01.2018, 19:01
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Von Niklas Golitschek
Ein Ring macht den Unterschied

Marc Bonne sicherte dem SV Haendorf an Position vier den Sieg über Zweitligameister GTV Bremerhaven-Seestadtteufel.

Uwe Habighorst

Haendorf. Marc Bonne war der letzte verbliebene Schütze am Stand. Im letzten Wettkampf der 2. Luftpistole-Bundesliga zwischen dem SV Haendorf, der auf die heimische Anlage lud, und dem zuvor verlustpunktfreien Tabellenführer GTV Bremerhaven-Seestadtteufel entschied sein Vergleich mit Holger Nesemann an Position vier über Sieg oder Niederlage.

Dabei hatte Bonne gegen Nesemann mit den schlechtesten Start erwischt. Bereits nach der ersten Serie betrug der Rückstand vier Ringe (87:91), dieser Unterschied verdoppelte sich zur Halbzeit. „Vor der 94er-Serie habe ich noch gehofft, dass Holger einbricht“, sagte Bernd Cordes, Sportleiter des SV Haendorf, nach der zweiten Serie. Parallel setzte sich Christoph Varnhorn dank eines 94:89 allmählich von Bremerhavens Nummer eins Thomas Lüken ab. Bernd Cordes‘ Sohn Timon an Position zwei verbaute sich gegen Frans Sörensen eine bessere Ausgangslage durch ein 89:93 zum Auftakt, das anschließende 95:94 half da nur wenig. „Er ist zu stark und konstant, Timon müsste schon ein richtiges Paket auspacken. 89 Ringe werden bei ihm bestraft, die kriegst du nicht wieder“, erzählte der Sportleiter.

Auch bei Jens Frieling zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt ab, dass er gegen Jan Luca Karstedt keinen Punkt einfahren würde. Der Rückstand betrug fünf Ringe. Stefan Pabstmann fuhr gegen Achim Braje dagegen ein souveränes 95:91 ein und schoss sich einen Vorsprung von vier Ringen heraus.

In der Hochrechnung zeichnete sich damit das Bild ab, das viele zuvor erwartet hatten: Die Nordseestädter lagen mit 3:2 in Führung. Eine Überraschung war nirgends erkennbar. Auch nach der dritten Serie wollte Bernd Cordes nicht an eine glauben. Während Pabstmann Brake mit 97:77 faktisch aus dem Rennen nahm und Christoph Varnhorn seine Führung gegen Lüken mit 94:93 ebenfalls ausbaute, bestätigten beim Tabellenführer Sörensen gegen Cordes und Kar-stedt gegen Frieling ihre gute Tagesform.

Nur Marc Bonne machte etwas Boden gut. Seinen Acht-Ringe-Rückstand verkürzte er gegen Holger Nesemann durch ein 91:87 auf vier Ringe. Bernd Cordes schien die Begegnung jedoch schon abgeschrieben zu haben. „Holger ist erfahren, er bricht nicht ein. Ich habe schon vor 40 Jahren mit ihm im Landeskader geschossen“, schilderte er. Und irrte sich! Als auf der Leinwand für Nesemann abermals 87 Ringe angezeigt wurden, stand Bonne noch am Schießstand und gab seine letzten Schüsse ab. Alle weiteren Duelle hatten den erwarteten Ausgang genommen: Faktisch stand es 2:2, laut Hochrechnung jedoch 3:2 für die Gäste. Mit 92 Ringen erzielte Bonne dann nicht nur seine beste Serie des Wettkampfs, sondern entschied das Duell mit einem hauchzarten Vorsprung von einem Ring für sich.

Als schließlich bei der Mannschaftswertung die Drei aufseiten des SV Haendorf stand, hallten die ersten Jubelschreie und ein Applaus durch das Haendorfer Vereinsheim. „Das war nicht spannend, für mich war das erledigt“, witzelte Bernd Cordes. Timon Cordes wandte sich verdutzt an seine Teamkollegen: „Wir haben gerade den Tabellenführer geschlagen.“ Als erstes Team der Saison, wohlgemerkt. Marc Bonne, der Mann des Tages, staunte ebenfalls. „Damit habe ich absolut nicht gerechnet“, sagte er. Die erste Serie sei überhaupt nicht gelaufen, und auch danach sei er nicht wirklich reingekommen. 360 Ringe bedeuteten für ihn immerhin das zweitschlechteste Saisonergebnis. „Mein Gegner ist zu meinem Glück eingebrochen. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit dem Weg dorthin nicht“, schilderte er seine gemischten Gefühle.

Mit diesem Überraschungssieg hatte sich der SV Haendorf sogar auf Platz zwei vorgearbeitet, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigt hätte. Doch eine überraschende 2:3-Niederlage gegen den SV Kutenholz reichte dem SV Groß und Kleinkaliber noch, um sich punktgleich vorzuschieben – den direkten Vergleich mit Haendorf hatte er gewonnen. „Wie am Morgen wurde das mit den letzten vier Schüssen entschieden“, sagte Bernd Cordes, der der Vizemeisterschaft jedoch kaum nachtrauerte. „Es nimmt Probleme, die ich sonst gehabt hätte. Die Mannschaft ist noch jung dafür, fast zu jung.“

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