Delmenhorst Ein Spiel, zwei Verlierer

Delmenhorst. Mit dem Schlusspfiff kam die Stille. Urplötzlich.
18.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus

Mit dem Schlusspfiff kam die Stille. Urplötzlich. So als hätte jemand auf der Sportanlage am Brendelweg den Stecker gezogen. Spieler sanken erschöpft zu Boden, Zuschauer machten sich auf den Heimweg – alles nahezu lautlos. In den 90 Minuten zuvor hatten sich der TV Jahn Delmenhorst und die SF Wüsting-Altmoorhausen ein packendes Duell geliefert. Spielerisch nicht gerade ansehnlich, das nicht. Dafür aber mit jeder Menge Einsatz und Herz. Beide Mannschaften wollten verzweifelt ihre allerletzte Chance im Kampf gegen den Abstieg nutzen. Nach dem 1:1 (0:0) gab es dann aber nicht nur keinen Sieger, sondern zwei Verlierer. Da der KSV Hicretspor sein Spiel mit 2:0 gegen den TV Dötlingen gewann, reichte der eine Punkt weder dem TV Jahn noch den SF Wüsting – beide Teams stehen seit Sonntag, 18.51 Uhr, als Absteiger in die 1. Kreisklasse fest.

Jahn-Trainer Timur Cakmak hatte die letzten Minuten der Partie an der Seite von Fußball-Obmann Marco Castiglione verfolgt. Zurückgezogen, einige Meter hinter der Ersatzbank, mit versteinerter Miene. Da standen die beiden Männer, wechselten einige Worte – und jeder von ihnen dürfte in diesem Moment gewusst haben: Das war’s. Die Hausherren hätten die Partie unbedingt gewinnen müssen, um am letzten Spieltag ein echtes Finale um den Klassenerhalt gegen den TV Falkenburg zu bekommen. Wüstings Andy Brinkmann ließ diesen Traum aber platzen, und was für den TV Jahn besonders bitter war: Er ließ ihn spät platzen. In der 87. Minute gab es noch einmal Freistoß für die Gäste, nach einer Szene, die der Schiedsrichter auch gut und gerne hätte weiterlaufen lassen können. Aber Michael Möser (TuS Elsfleth) entschied anders. Brinkmanns Schuss wurde zu allem Überfluss aus Delmenhorster Sicht unhaltbar abgefälscht, und das ausgerechnet von dem Mann, der seinen TV Jahn seit der 48. Minute hatte hoffen lassen: Jakob Regner.

Regner sorgt kurzzeitig für Hoffnung

Nach einem Eckstoß von Mariusz Miklasz hatte er den Ball am langen Pfosten in hohem Bogen über Wüstings Schlussmann Michael Prehn ins Tor geköpft. Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte schienen die Gastgeber plötzlich auf Kurs in Richtung Endspiel gegen Falkenburg zu liegen. Was vor dem Wechsel passiert war, oder in Hälfte zwei außer den beiden Toren noch passierte, war hingegen kaum der Rede wert. Wie nicht anders zu erwarten, gab es mehr Kampf als Kunst, mehr Grätschen als Geniestreiche. Jahn-Kapitän Alexander Sinn holte sich in der 88. Minute noch die Rote Karte ab, weil er den Gang zu Möser verweigerte. Die Gelbe Karte, die er ursprünglich hatte sehen sollen, könne er auch „von hier aus ganz gut sehen“, sagte Sinn. Und flog dafür vom Platz.

Wenig später war dann auch für die restlichen 21 Fußballer Schluss, und es wurde still. Timur Cakmak blieb noch lange auf seiner Trainerbank sitzen. Zum Spiel sagte er knapp: „Was für ein unnötiges Gegentor.“ Und zu seiner Zukunft: „Ich bleibe und werde den Neuaufbau einleiten.“ Ein paar Meter weiter, mitten auf dem zerfurchten Rasen, hockte Mark Gerken, Jahns Abwehrspieler, der sich in jeden Schuss geschmissen, das 1:1 aber auch nicht hatte verhindern können. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen“, sagte er, „das ist alles ziemlich bitter“. Gerken ist einer der wenigen Akteure, die schon zum Kader zählten, als der TV Jahn zur Bezirksliga-Spitzengruppe gehörte, technisch anspruchsvollen Fußball bot und das Aushängeschild der Stadt war. Gerade einmal vier Jahre ist das her.

Auf Wüstinger Seite war die Stimmung ebenfalls nicht gut, aber deutlich besser als bei den Hausherren. Für den Aufsteiger ist der sofortige Wiederabstieg kein Drama. „Es hat eben nicht gereicht“, sagte Trainer Volker Gode, der sich nach der Saison zurückzieht. „Der Zeitpunkt ist gekommen. Ich werde jetzt etwas anderes machen, das Leben genießen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+