BFV-Schiedsrichter-Chef Torsten Rischbode über den Referee-Ausstand im Bezirk Weser-Ems und mögliche Folgen für Bremen

„Ein Streik ist die letzte Lösung“

Herr Rischbode, die Schiedsrichter des Bezirks Weser-Ems haben insgesamt 39 Spiele in der Landesliga und in fünf Bezirksligen bestreikt. Wie haben Sie die Nachricht von diesem Ausstand aufgenommen?Torsten Rischbode: Für mich ist ein Streik das allerletzte Mittel, was man einsetzen kann. Es ging um ein Urteil des Verbandssportgerichts.
22.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Herr Rischbode, die Schiedsrichter des Bezirks Weser-Ems haben insgesamt 39 Spiele in der Landesliga und in fünf Bezirksligen bestreikt. Wie haben Sie die Nachricht von diesem Ausstand aufgenommen?

Torsten Rischbode : Für mich ist ein Streik das allerletzte Mittel, was man einsetzen kann. Es ging um ein Urteil des Verbandssportgerichts. Wenn sich diese Instanz schon nicht auf die Seite der Schiedsrichter stellt, muss man schon fragen, ob die sich nicht alleingelassen fühlen. Ich kann beide Seiten verstehen.

Es ging um die Entgleisung eines Zuschauers, der nach einer Partie zu den Schiedsrichtern gesagt hatte: „So was wie euch sollte man vergasen.“ Das Bezirkssportgericht verurteilte den Gastgeber Grün-Weiß Firrel zu 400 Euro, das Verbandssportgericht hob diese Entscheidung auf. Ein falsches Urteil?

Wenn man das Urteil so liest, dann kann der Verein nichts dafür, was seine Zuschauer sagen. Aber man muss die Vereine schon mit in die Haftung nehmen. Das ist also ein Urteil gegen die Schiedsrichterei, und deshalb kann ich es nicht akzeptieren.

Was sonst als einen Streik sollten die Schiedsrichter gegen diese Entscheidung unternehmen?

Das hätte anders geregelt werden müssen, auf der Gesprächsebene. Dann hätte sich eine Lösung ergeben. Man kann den Verein ja verstehen, dass er die Strafe nicht akzeptiert. Aber man hätte versuchen können, mit seinen Verantwortlichen zu sprechen.

Sie halten die Differenzierung zwischen Borussia Dortmund, das seine Südtribüne nach beleidigenden Bannern räumen musste, und Grün-Weiß Firrel also für falsch?

Das sehe ich ebenso, richtig. Der Spruch war eine böse Diskriminierung und hätte zu einer Sanktion auch des Klubs führen sollen.

Aber Borussia Dortmund ist wie die anderen Profivereine zu einer Kontrolle der Zuschauer verpflichtet und kann verbale Entgleisungen auch nicht verhindern. Wie soll dann ein kleiner Verein aus Firrel damit fertig werden?

Das sind schon zwei verschiedene Dinge. Aber es kann nicht sein, dass in einem Fall sanktioniert wird und in einem anderen der Verein freigesprochen. Solche Strafen sollen ja auch abschrecken.

Während des Streiks im Bezirk Weser-Ems mussten sich die Mannschaften auf einen neutralen Spielleiter einigen. Es gibt Menschen, die meinen, es täte den Vereinen mal ganz gut, ohne Schiedsrichter dazustehen.

Ich glaube, da waren viele Vereine aufseiten der Schiedsrichter, und doch hätten sie sich gewünscht, dass der angesetzte Unparteiische erscheint. Insofern gönne ich es keinem Verein. Es ist eben eine sehr schwierige Sache, mit so vielen Aspekten.

Ein Aspekt sind die Beschimpfungen von Zuschauern und Spielern, selbst körperliche Attacken kommen immer wieder vor. Sie beklagen seit Jahren den stetig abnehmenden Respekt vor den Schiedsrichtern. Kann ein Streik da nicht ein wirkungsvolles Mittel sein?

Ein Streik ist in jedem Fall die letzte Lösung. Ich setze sehr auf Gespräche, so machen wir das in Bremen. Wenn etwas passiert, reden wir mit den Verantwortlichen, den Trainern, den Vorständen und auch den Spielern. Das bringt uns meistens schon einer Lösung nahe, denn dann reißen sich viele Beteiligte schon sehr zusammen. Im Bezirk Weser-Ems hatte man eben sich sehr geärgert, dass das Urteil aufgehoben wurde. Das ist dann blöd gelaufen.

Reicht es wirklich aus, mit den Beteiligten zu reden?

Wenn keine Einsicht da ist, müssen Sanktionen getroffen werden. Dann werden die Verantwortlichen gesperrt. Im Augenblick helfen uns diese Gespräche aber weiter. Früher war das nun mal anders. Da gab es mehr Respekt vor Schiedsrichtern und anderen Gruppen wie Polizisten oder Richtern. Aber damit müssen wir als Gesellschaft leben.

Fühlen Sie sich in Bremen gut geschützt vor der Sportgerichtsbarkeit?

Ich respektiere auf jeden Fall die Urteile unserer Gerichte. Dort wird eine Strafe vielleicht mal verkürzt, aber das kann ich im Einzelfall gar nicht beurteilen. Ich möchte den Job auch gar nicht machen. Man muss aber auch sagen: Urteile gibt es selten, die meisten Fälle werden auf unterer Ebene in den Ausschüssen abgeurteilt. Das ist gut gelaufen in den vergangenen Jahren.

Dann können Sie einen Streik für Bremen ausschließen?

Ausschließen kann ich das nie. Wenn die Schiedsrichter streiken, dann streiken sie, und keiner kann das verhindern.

Könnte der Streik in Weser-Ems Nachahmer finden?

Auf alle Fälle wird wieder über das Schiedsrichterwesen nachgedacht und darüber, wie man mit Unparteiischen umgeht. Da wurden einige wach gerüttelt.

Dann hat der Streik auch etwas Gutes?

Wenn man so will, ja.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

Zur Person

Torsten Rischbode ist seit 2004 Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses im Bremer Fußball-Verband. Der Stammverein des 49-Jährigen ist der ATSV Sebaldsbrück.
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