Leipzig

Ein Transfer mit Strahlkraft für Red Bull

Leipzig. Die Fans von RB Leipzig versuchten sich am Mittwochmorgen an Aprilscherzen: Eine Fan-Webseite meldete, dass der Gästeblock in der Leipziger Red-Bull-Arena wegen der ständigen Boykotte gegnerischer Anhänger abgeschafft werde. Anderswo heißt es: „Transferbombe bei den Roten Bullen geplatzt!” Niemand geringeres „als Gott selbst” werde im Sommer „auf ausdrücklichen Wunsch von Dietrich Mateschitz” für 25 Millionen Euro zu RB Leipzig wechseln: Zlatan Ibrahimovic.
02.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von ULLRICH KROEMER

Die Fans von RB Leipzig versuchten sich am Mittwochmorgen an Aprilscherzen: Eine Fan-Webseite meldete, dass der Gästeblock in der Leipziger Red-Bull-Arena wegen der ständigen Boykotte gegnerischer Anhänger abgeschafft werde. Anderswo heißt es: „Transferbombe bei den Roten Bullen geplatzt!” Niemand geringeres „als Gott selbst” werde im Sommer „auf ausdrücklichen Wunsch von Dietrich Mateschitz” für 25 Millionen Euro zu RB Leipzig wechseln: Zlatan Ibrahimovic.

Nun war das Timing für Scherze nicht gerade glücklich, da zur gleichen Zeit tatsächlich eine „Transferbombe platzte”. Nach Lage der Dinge wird der Bremer Davie Selke in der kommenden Spielzeit – kein Witz – zum teuersten Zweitligaspieler der Geschichte. Das Millionen-Paket für seinen Fünf-Jahres-Vertrag ist auch für die Verhältnisse von RB Leipzig eine stattliche Investition. Bis zum Winter hatte Rasenballsport-Manager Ralf Rangnick noch eher defensiv in das Marketing-Projekt investiert. Als RB nach der Hinrunde ins Mittelmaß abrutschte, rüstete Rangnick auf und verpflichtete für zehn Millionen Euro die Stürmer Emil Forsberg und Omer Damari. Ein Paradigmenwechsel in Leipzig, der nun durch Selkes Wechsel forciert wird. Rangnick musste einsehen, dass der aktuelle Kader nach zwei Aufstiegen in Serie in der zweiten Liga nicht kontinuierlich höchsten Ansprüchen genügt. Erfahrene Spieler wie Daniel Frahn oder Sebastian Heidinger müssen sich einen neuen Verein suchen.

Einer wie Selke dagegen verkörpert idealtypisch Leipzigs Spieler der Zukunft. Rangnick sieht in ihm den zentralen Stürmer der Zukunft hierzulande – auch im A-Nationalteam. „Davie Selke ist einer der wenigen Spieler, der noch den klassischen Mittelstürmertypus verkörpert – groß, schnell, dynamisch, torgefährlich”, schwärmte Rangnick per Pressemitteilung. RB-Mittelfeldtalent Joshua Kimmich, in der kommenden Saison für den FC Bayern am Ball, kennt Selke aus dem DFB-Nachwuchs. Im Sommer sind beide gemeinsam U19-Europameister geworden. „Er hat etwas, was RB hilft, er schießt Tore”, sagt Kimmich über seinen Teamkollegen.

Doch Selke besitzt mehr als rein sportlichen Wert für RB Leipzig. Er nutzt der sächsischen Red-Bull-Fußballfiliale bereits jetzt, da er noch im Werder-Dress unterwegs ist. Mit dem Transfer des 20-Jährigen sendet Rangnick starke Signale an gleich mehrere Adressaten: den händeringend gesuchten Cheftrainer für die neue Saison, potenzielle neue Spieler, die Konkurrenz sowie den eigenen Kader. Spieler wie Selke passen perfekt in das Anforderungsprofil des begehrten Thomas Tuchel. Der will laut „Leipziger Volkszeitung” noch in dieser Woche über seine Zukunft entscheiden, RB Leipzig soll weiter im Rennen sein.

Über die Trainerfrage hinaus besitzt Selke genügend Strahlkraft, um weitere Toptalente nach Leipzig zu lotsen. Oder welche im Klubkonglomerat zu halten. Dass Red Bull bei Kevin Kampl und Joshua Kimmich den Kürzeren gezogen hat, war nicht im Sinne von Ralf Rangnick. Durch den Coup mit Selke ist sein Anspruch, RB zu einer der ersten Adressen für die besten Talente des Landes zu entwickeln, wiederhergestellt. Auf den 1. April konnte Rangnick dabei keine Rücksicht nehmen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+