Rebecca Christen holt sich im Leichtathletik-Fünfkampf den Landestitel Ein Traum geht in Erfüllung

Lemwerder. Rebecca Christen von der SG akquinet Lemwerder (SGaL) hat etwas überraschend in Hannover den Landesmeistertitel für Niedersachsen und Bremen im Leichtathletik-Fünfkampf aus 100-Meter-Sprint, Hochsprung, Kugelstoßen, Weitsprung und einem 800-Meter-Lauf in der Frauen-Hauptklasse gewonnen. „Ich habe bis zuletzt nicht wirklich daran geglaubt, weil aus meiner Sicht andere höher einzuschätzen gewesen waren“, erklärte Rebecca Christen, die 2916 Punkte sammelte.
08.09.2016, 00:00
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Von Karsten Hollmann

Lemwerder. Rebecca Christen von der SG akquinet Lemwerder (SGaL) hat etwas überraschend in Hannover den Landesmeistertitel für Niedersachsen und Bremen im Leichtathletik-Fünfkampf aus 100-Meter-Sprint, Hochsprung, Kugelstoßen, Weitsprung und einem 800-Meter-Lauf in der Frauen-Hauptklasse gewonnen. „Ich habe bis zuletzt nicht wirklich daran geglaubt, weil aus meiner Sicht andere höher einzuschätzen gewesen waren“, erklärte Rebecca Christen, die 2916 Punkte sammelte. Bei den Vorbereitungs-Wettkämpfen hatte die 22-Jährige aber bewiesen, dass mit ihr zu rechnen ist.

„Das ist ein riesiger und sicherlich der größte Erfolg für Rebecca, der SGaL, den Trainer und die Trainingsgruppe. Als Vergleich müsste man sich vorstellen, dass ein Nordbremer Fußballklub sich für die 2. Bundesliga qualifiziert hätte“, schwärmte ihr Vater und Coach Gerold Christen. Zum Auftakt wurden 13,73 Sekunden im 100-Meter-Sprint gemessen. „Über die Zeit war ich am Anfang ein wenig enttäuscht. Als ich dann aber vom starken Gegenwind hörte, hat sich das Ganze wieder etwas relativiert“, so Rebecca Christen. Mit 1,47 Metern im Hochsprung stellte sie dann ihre persönliche Bestleistung ein. Auch die 8,43 Meter im Kugelstoßen lagen in dem Bereich, in dem sich die Psychologie-Studentin in den vergangenen Wochen bewegt hatte. Riesig die Freude dann über die 5,04 Meter im Weitsprung. „Ich war in diesem Jahr so oft an den fünf Metern gescheitert. Immer wieder bin ich bei meinen weitesten Versuchen ein bisschen übergetreten. In Hannover hat aber im letzten Versuch endlich einmal alles geklappt“, teilte die 22-Jährige mit. Nur vor einigen Jahren war sie mit 5,20 Metern mal weiter gesprungen.

Somit ging Rebecca Christen als Drittplatzierte in den abschließenden 800-Meter-Lauf. „Da habe ich das erste Mal realisiert, dass für mich etwas möglich ist“, sagte Christen. Sie hatte sich auch gute Chancen ausgerechnet, die bis dahin führende Kira Harms vom VfL Oldenburg noch abzufangen. „Ich wusste, dass Kira keine gute 800-Meter-Läuferin ist“, informierte Rebecca Christen. In nur 3:09,29 Minuten fiel Harms auch noch auf Position sieben zurück.

Fünf-Meter-Marke geknackt

Die bis zur letzten Disziplin auf Rang zwei befindliche Isabell Garling von der LG Weserbergland wies vorher einen Vorsprung von knapp 50 Punkten auf Christen auf. Das sind etwa vier Sekunden im 800-Meter-Lauf. Davon habe Rebecca Christen aber nichts gewusst: „Mein Vater hat mich gefragt, ob ich eine Orientierung bezüglich meiner Konkurrenz haben möchte. Das wollte ich aber nicht, um den Kopf frei zu haben.“

Rebecca Christen wusste nur, dass sie schneller als Garling sein muss, um noch Gold zu holen. „Ich hatte meine Gegnerin deshalb die ganze Zeit im Blick“, verriet Rebecca Christen. Erst einmal reihte sie sich hinter ihrer Konkurrentin ein, um die Kontrolle zu übernehmen. „Ich habe mir erst einmal in Ruhe angeschaut, was da vorne passiert. Als ich dann merkte, dass bei mir noch etwas geht, habe ich Isabell Garling hinter mir gelassen. Die Aussicht auf Gold hat mich zusätzlich motiviert“, berichtete die junge Mehrkämpferin. So hatte die sechs Jahre ältere Garling auch in der Endabrechnung mit 2885 Punkten um 31 Zähler das Nachsehen gegen Christen. Die SG-Athletin überquerte die Ziellinie im 800-Meter-Lauf in starken 2:30,72 Minuten und musste hier nur Saskia Müller von der SG Misburg um knapp fünf Sekunden den Vortritt lassen. Isabell Garling kam in 2:38,43 Minuten als Siebte ins Ziel, rettete aber zumindest noch die Silbermedaille.

Für Rebecca Christen ging mit dem Landesmeistertitel ein großer Traum in Erfüllung. „Ich habe mein größtes Ziel erreicht und befinde mich noch so in einem Rausch, dass ich noch gar nicht weiß, was als Nächstes kommt“, ließ Christen wissen. Bereits seit ihrem dritten Lebensjahr betreibt die vielseitige Athletin nun ihren Sport. Ihr Trainer war dabei stets ihr Vater Gerold. „Die Ansprüche eines Vaters an die eigene Tochter sind sicherlich anders. Wir sind aber inzwischen ein sehr eingespieltes Team. Er weiß ganz genau, wann ich Unterstützung benötige und wann er mich besser in Ruhe lässt“, teilte Rebecca Christen mit. Ihre Trainingspläne erarbeite sie sich bereits selbst. „Mein Vater schaut dann aber noch mal drüber. Zusammen bekommen wir alles sehr gut hin“, versicherte die 22-Jährige. „Ich war wirklich optimal auf den Tag genau vorbereitet“, frohlockte die Kinder- und Jugendtherapeutin in spe.

Masterarbeit jetzt im Mittelpunkt

An der Universität in Bielefeld leitet Christen auch noch einen Leichtathletik-Sportkurs. Im Oktober beginnt sie mit ihrer ­Master-Arbeit. „Dann muss ich natürlich erst einmal schauen, wie viel Zeit mir noch für das Training bleibt“, sagte Rebecca Christen. Eine Sache wisse sie aber ganz genau: „Mit der Leichtathletik aufhören werde ich nicht. Dafür macht mir mein Sport einfach zu viel Spaß.“

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