Bezirksliga: Ganderkesee verspielt Zwei-Tore-Führung beim 2:2 gegen Abdin / Letztes Spiel von Trainer Derakhshan Ein Unentschieden zum Abschied

Delmenhorst. „Ihr müsst mal langsam Schwung aufnehmen. Hier ist kein Pep drin.
11.05.2015, 00:00
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Ein Unentschieden zum Abschied
Von Patrick Hilmes

„Ihr müsst mal langsam Schwung aufnehmen. Hier ist kein Pep drin.“ Dieses Zitat von Trainer Andree Höttges aus der 30. Minute beschrieb perfekt den Verlauf der ersten Halbzeit im Fußball-Bezirksliga-Derby zwischen seinem SV Tur Abdin und dem TSV Ganderkesee. Erst in der zweiten Hälfte nahm die Partie Fahrt auf, und beide Teams trennten sich leistungsgerecht mit 2:2 (0:1). Damit verpassten es die Ganderkeseer, ihrem Trainer Hamid Derakhshan den erhofften Sieg in seinem letzten Spiel zu schenken. Bei den verbleibenden zwei Partien kann der scheidende Coach aus beruflichen Gründen nicht dabei sein (wir berichteten).

Dabei waren die Gäste lange Zeit auf der Siegerstraße. In der letzten Minute vor dem Pausenpfiff brachte Selim Kaya die Ganderkeseer nach deren erstem sehenswerten Angriff in Front – und Andree Höttges auf die Palme. „Das kann doch nicht sein, dass der da so durchspaziert“, schimpfte der Abdin-Coach. Gemeint war Ganderkesees Apostolos Papakostas, der im Mittelfeld den Turbo gezündet und vier Gegenspieler ausgetanzt hatte. Danach bediente er Manuel Carrilho, der wiederum im Sechzehner quer auf Kaya legte – 1:0. Das war dann auch das Highlight einer ersten Halbzeit, die kaum Bezirksliga-Niveau hatte. Die Gäste waren zuvor lediglich vereinzelnd zu Halbchancen gekommen, und Tur Abdin zeigte sich auch nur zwei Mal gefährlich vor dem Ganderkeseer Gehäuse: Die Versuche von Kevin Gradtke (11.) und Daniel Eckert (36.) verfehlten das Tor.

Die zweiten 45 Minuten entschädigten dann aber für die magere Fußball-Kost im ersten Durchgang. Direkt nach Wiederanpfiff ging es Schlag auf Schlag. Zunächst verzog Kaya aus aussichtsreicher Position (46.). Nur 180 Sekunden später rettete auf der Gegenseite der Querbalken für die Ganderkeseer nach einem Kopfball von Simon Matta. Danach jubelten wieder die Gäste. Robin Ramke setzte sich im Strafraum durch, umspielte Abdin-Keeper Marc Ibrahim und legte zurück auf Carrilho. Dessen Schuss versuchte Patrick Schumacher auf der Linie zu klären, bugsierte den Ball dabei aber ins eigene Netz (54.).

Bereits fünf Minuten nach dem 0:2 schlug Abdin allerdings zurück. Dabei bekamen die Hausherren Hilfe von Ganderkesees Schlussmann Christian Klattenhoff, der nach einem langen Pass nicht konsequent genug aus seinem Kasten kam. Dadurch konnte Eckert die Kugel noch an ihm vorbeispitzeln und schob sie ins leere Tor zum 1:2-Anschlusstreffer. „Bis dahin waren wir das bessere Team“, betonte Derakhshan, „doch dann haben wir den Faden verloren“.

Tur Abdin bestimmte nun das Geschehen, ohne sich dabei aber größere Gelegenheiten zu erarbeiten – immer wieder war ein Ganderkeseer Bein dazwischen oder die Zuspiele gingen ins Leere. Da bei den Gastgebern aus dem Spiel heraus nicht viel funktionierte, musste ein Standard den Erfolg bringen. In Minute 80 stieg Habib Kilic nach einer Ecke am höchsten und traf per Kopf zum 2:2. Die Gastgeber hatten Blut geleckt und wollte aus dem einen noch drei Punkte machen: Zunächst scheiterte Eckert bei dem Versuch, den in der Mitte mutterseelenallein stehenden Matta zu bedienen (86.). Drei Minuten später pfiff Schiedsrichter Toni Winkler (SV Brake) Eckert, der allein auf weiter Flur war, aufgrund einer vermeintlichen Abseitsstellung zurück. Zum Unmut der Abdin-Anhänger, denn Linienrichterin Susan Witte, ebenfalls SV Brake, hob ihre Fahne nicht.

Fünf Spieler verlassen Ganderkesee

„Wenn wir die erste Halbzeit so angehen wie die zweite, dann wäre mehr möglich gewesen. So war es ein gerechtes Ergebnis“, haderte Höttges, hielt aber auch fest: „Ich muss meinem Team ein Kompliment dafür machen, dass es überhaupt so zurückgekommen ist.“ Ähnlich sah es der scheidende Derakhshan, für den in den letzten beiden Partien Co-Trainer Ronald Feist einspringt: „Schade, wir hätten die drei Punkte gerne mit nach Hause genommen. Aber da wir in der zweiten Hälfte nicht mehr so den Druck ausgeübt haben und Abdin dadurch zu mehr Chancen gekommen ist, ist das Unentschieden gerecht.“ Beim TSV Ganderkesee verabschiedet sich übrigens nicht nur der Coach am Saisonende, auch fünf wichtige Spieler wandern ab. Torjäger Manuel Carrilho und sein Bruder Denis wollen sich wieder in Bremen einen Klub suchen. Dariusch Azadzoy und Niels-Hendrik Walch gehen für ein Jahr ins Ausland. Papakostas kehrt in seine Heimat Griechenland zurück.

Besser sieht es da bei Abdin aus. Bis auf zwei Akteure hat der gesamte Kader für die neue Spielzeit zugesagt. Nur Matta und Can Blümel verlassen den Verein eventuell. Ganz klar ist das aber noch nicht, gerade der an einem Kreuzbandriss laborierende Blümel könnte noch zusagen. Als Zugang steht bereits Roman Seibel vom TV Dötlingen fest (wir berichteten).

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