Rugby-Wettbewerb in München

Ein Verdener hat die Rugby-Weltspitze fest im Blick

Der Verdener Phil Szczesny wird mit dem deutschen 7er-Nationalteam bei den Oktoberfest 7s in München Vierter.
25.09.2019, 20:27
Lesedauer: 4 Min
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Ein Verdener hat die Rugby-Weltspitze fest im Blick
Von Florian Cordes

Abermillionen Fans blicken derzeit nach Japan. Dort wird aktuell eines der bedeutendsten und größten Sportturniere der Welt ausgetragen – die Weltmeisterschaft im 15er-Rugby. In Deutschland genießt die WM nicht allzu viel Beachtung. Die Bundesrepublik ist nun einmal kein Rugby-Land. Dabei wird dieser Sport auch hierzulande erfolgreich ausgeübt – und zwar von der deutschen 7er-Rugby-Nationalmannschaft. Dieses Team hat sich jetzt in München bei dem zweitägigen Turnier Oktoberfest 7s mit der Weltspitze gemessen. Deutschland wurde Vierter. Großen Anteil an dem erfolgreichen Abschneiden hatte der in Verden lebende Phil Szczesny.

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Internationale Turniere – unter anderem in Hongkong – hat Szczesny im Trikot mit dem Bundesadler schon viele hinter sich. Der Wettbewerb in der bayrischen Landeshauptstadt sei aber doch etwas Besonderes für ihn gewesen. „Im eigenen Land solch ein Turnier zu spielen, ist natürlich sehr schön“, sagt der 26-Jährige. Hinzu kommt dann noch, dass das Oktoberfest 7s in einem Stadion ausgetragen wurde, in dem mehrfach Sportgeschichte geschrieben worden ist: Es fand im Münchener Olympiastadion statt. Insgesamt wollten sich 27.000 Zuschauer die Begegnungen in dem weiten Rund nicht entgehen lassen. Szczesny meinte im Gespräch mit unserer Zeitung zwar, dass er sich über ein noch größeres Publikum gefreut hätte, „aber auch so war die Atmosphäre eine tolle“, sagt der Verdener: „Zu den Hochzeiten waren mehr als 16.000 Menschen im Olympiastadion. Da kam dann schon richtig Stimmung auf und es war manchmal schwierig, dass wir uns auf dem Feld hörbar verständigen konnten.“

Turnier-Aus gegen Südafrika

Wie der Name des Wettbewerbs vermuten lässt, trafen in München mehrere 7er-Rugby-Nationalteams aufeinander. Die schnellere Variante dieses körperbetonten Sports ist seit 2016 olympisch. Und der Goldmedaillengewinner aus Rio de Janeiro war bei dem Einladungsturnier ebenfalls zugegen. Vor drei Jahren gewann der kleine Inselstaat Fidschi in Brasilien das olympische Turnier und war nun in München auch Gegner Deutschlands. In der Gruppenphase bekamen es Phil Szczesny und Co. mit dem Team aus dem Südpazifik zu tun. Fidschi war Favorit und setzte sich mit 31:15 durch. Einmal legte der Verdener den Ball im Malfeld – das Pendant im American Football heißt Endzone – des Gegners ab und punktete somit für das deutsche Team. „Wenn man gegen den Olympiasieger einen Versuch legt, darf man schon ein wenig stolz sein“, sagt Szczesny schmunzelnd.

Obwohl Deutschland Fidschi, wo Rugby absoluter Nationalsport ist, unterlag, durften die Gastgeber jubeln. Denn bereits vor dem Duell stand fest, dass das „Wolfpack“ das Halbfinale erreicht hatte. Den Weg in die Vorschlussrunde wurde aufgrund der Siege gegen die USA (22:7) und Frankreich (24:19) frei. Phil Szczesny legte in beiden Partien jeweils einen Versuch. Szczesny: „Dass wir das Halbfinale erreicht haben, ist ein sehr respektables Ergebnis und macht uns alle froh. Es war aber auch unser Ziel, die Vorrunde zu überstehen.“

In der anderen Gruppe trafen vier Teams aus der absoluten Weltspitze aufeinander. Um die zwei Halbfinaltickets kämpften Australien, England, Neuseeland und Südafrika. Welch großen Stellenwert der Rugbysport in diesen Ländern genießt, zeigen allein die Erfolge im 15er-Rugby. Denn alle vier Nationalteams sind mindestens einmal in ihrer Historie Weltmeister geworden. Den Sprung ins Semifinale schafften schlussendlich die Neuseeländer und die Südafrikaner.

Szczesny ärgert sich über knappe Niederlage

Letztere standen im Halbfinale Deutschland gegenüber. Es entwickelte sich eine spannende Begegnung, die laut Phil Szczesny bis zum Schluss offen war. „Dann haben wir uns aber einen Ballverlust kurz vor dem Malfeld geleistet und konnten nicht mehr punkten“, ärgerte sich der Verdener über die knappe 12:17-Niederlage. „Wir haben uns gegen Südafrika ein bisschen ungeschickt angestellt.“ Kleiner Trost für ihn: Südafrika schnappte sich später den Turniersieg durch einen 12:10-Sieg gegen Fidschi. Deutschland unterlag zuvor im Spiel um Platz drei Neuseeland (12:22).

Die Oktoberfest 7s wertete Szczesny als vollen Erfolg: „Wir haben bewiesen, dass wir mit der Weltspitze mithalten können. Es waren auf jeden Fall schöne Vergleiche mit diesen Topteams und wir haben uns als Team auch weiterentwickelt.“ In diesem Jahr lief für die 7er-Nationalmannschaft aber längst nicht alles rund: Im Juli verpasste das „Wolfpack“ die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. „Dass wir Olympia nicht erreicht haben, hat uns natürlich traurig gemacht“, erinnert Szczesny an den sportlichen Rückschlag. Doch der Verdener und seine Teamkollegen verkrafteten diesen recht schnell. Kurz nach dem Olympia-Aus wurde Deutschland erstmals Europameister im 7er-Rugby. „Dieser Titel hat uns als Mannschaft enger zusammengeschweißt“, erzählt Szczesny.

Der nächste Hinweis, dass die Weltspitze gar nicht so weit entfernt ist, folgte nun in München. Geht es nach Phil Szczesny, soll es im April 2020 gleich den nächsten geben. Dann wollen die Deutschen den langersehnten Sprung in die World Rugby Sevens Series – ein zehn Turniere umfassender Wettbewerb – vollführen. Dafür müssen sie in Hongkong ein Qualifikationsturnier für sich entscheiden. „Wir beginnen schon bald mit der Vorbereitung“, sagt der Nationalspieler aus der Reiterstadt. Gelingt ihnen der Sprung in die Weltserie, gehören die Duelle mit den Teams aus der Weltspitze für Phil Szczesny quasi zum Alltag.

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