Schach Ein Weyher Trio für die Schach-Zukunft

Drei der acht Bremer Landesmeister kommen aus Weyhe. Für Emilia Marrufo, Patricia Gesell und Max Weidenhöfer steht nun im Juni die Herausforderung bei den Deutschen Meisterschaften bevor.
22.05.2019, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Die Pfingstwoche wird für Emilia Marrufo aus Sudweyhe sowie die beiden Leester Patricia Gesell und Max Weidenhöfer eine ganz besondere, denn vom 8. bis 16. Juni werden sie im hessischen Willingen an den Deutschen Jugendmeisterschaften im Schach teilnehmen. Für die Titelkämpfe qualifizierte sich das Trio, das von Dennis Webner betreut wird, bei den Bremer Jugend-Einzelmeisterschaften. Es holte drei der insgesamt acht Titel nach Weyhe. Webner sprach von dem bislang erfolgreichsten Jahr. Nach Willingen reisen die drei Schachtalente dennoch mit ganz unterschiedlich Erwartungen.

Max Weidenhöfer ist den Schachinteressierten der Region schon lange ein Begriff. Er darf sich Bremer U14-Meister nennen. Der Gymnasiast, der in Syke die sechste Klasse besucht, hat bereits Erfahrungen auf Deutschen Meisterschaften gesammelt. Für ihn wird Willingen also nicht ausschließlich Neues bereit halten, zumal er einige Gegner kennt. „Trotzdem ist man immer gespannt“, wird er ein gewisses Maß an Nervosität kaum verhindern können. Damit umzugehen – das ist die Aufgabe, der er sich stellen muss. Sein Bremer Meistertitel wird Max sicher nicht dazu verleiten, es etwas ruhiger angehen zu lassen. „Ich war mit dem Turnier überhaupt nicht zufrieden“, sagt er. Denn seiner klaren Favoritenrolle wurde er nur bedingt gerecht. Nicht die erwarteten 6,5 bis 7 Punkte holte er in den sieben Runden, sondern 5,5. Er profitierte davon, dass sich Enno Rockmann und Mario Michelitsch sich durch ein Remis gegenseitig Punkte abnahmen. „Ich habe mich geärgert. Ich habe nicht so gut gespielt, wie ich es eigentlich kann. Der erste Platz war ein halbes Wunder“, blickt er zurück. Doch es ging noch einmal gut für den Leester aus.

Deshalb bekommt Max die Chance, es bei den Deutschen Meisterschaften besser zu machen. Dafür trainiert er Tag für Tag. „Max ist auf einem Niveau, auf dem er nur noch besser werden kann, wenn er selbst etwas tut. Als Trainer ist es unsere wichtigste Aufgabe, dass Talente wie Max das auch verstehen“, verdeutlicht Webner, der wie der junge Leester für den TuS Varrel spielt und nicht sein einziger Coach ist, den Weg, der noch vor Max liegt. Doch der hat längst verstanden, worum es geht. Selbst wenn er im Bus nach Hause fährt, feilt er an ein paar Aufgabenstellungen. Schach ist zu einem täglichen Begleiter geworden. Dabei ist Max ein Multitalent, unter anderem spielt er auch Gitarre, darüber hinaus steht er beim Fußball auf dem Platz.

Seine Ziele sind ehrgeizig, nicht nur bei den Deutschen Meisterschaften, wo er allzu gern ins obere Drittel kommen will. Max verfolgt das Projekt 2027. „In diesem Jahr will ich Großmeister sein“, verrät er. Stück für Stück muss er sich dafür weiterentwickeln. Momentan beträgt seine Wertungszahl, die die Spielstärke angibt, 1800. „Ein Großmeister hat ungefähr 2500 oder mehr“, verrät er sein ehrgeiziges Ziel. Auf dem Weg, dieses zu erreichen, würde eine gute Deutsche Meisterschaft ihm auf jeden Fall helfen.

Die Leester Abiturientin Patricia Gesell startet als Bremer Landesmeisterin in der Altersklasse U18 in Willingen. Über ihren Vater kam die 18-Jährige, die beim TSV Weyhe-Lahausen außerdem als Fußballerin aktiv ist, vor einigen Jahren zum Schach. „Mich reizt es, dass man im Schach so viele Möglichkeiten hat“, gefällt ihr die Vielfalt des Sports und der taktischen Kniffe. Im Bremer Raum ist sie mit ihrer Begeisterung für das Schachspiel allerdings eine Einzelkämpferin. Auf den Bremer Meisterschaften war sie die einzige Starterin im U18-Bereich. „Das ist schade, aber mit dem Nachwuchs ist es schwierig“, weiß Webner aus den vergangenen Jahren. In Delmenhorst, wo die Meisterschaften ausgetragen wurden, war das Spielerinnenfeld sehr klein: In der U14 gab es eine Spielerin, in der U16 und der U12 keine einzige.

Das erleichterte Patricia Gesell, wie Max übrigens beim TuS Varrel aktiv und eine Anhängerin der kontrollierten Offensive, letztlich den Weg zum Landestitel – spielen musste sie in der Delmestadt aber trotzdem, schließlich waren in ihrer Altersklasse noch vier junge Männer am Start. Dem ehemaligen Deutschen Meister Jan-Okke Rockmann bot sie dabei mehrere Stunden lang Paroli. Ein Zeichen dafür, dass sich ihr Training auszahlt. Aufgrund ihrer Abiturprüfungen konnte sie freilich nicht so viel Zeit investieren wie Max. Dennoch zeigte sie durch ihren Sieg in der zweiten Partie, dass sie eine ernstzunehmende Kontrahentin ist. Am Ende stand sie bei einer 50-Prozent-Quote. Sie selbst merke, dass sie sich durch ihr regelmäßiges Training verbessert habe. „Ich sehe jetzt viel mehr“, erkennt sie Spielsituationen schneller und hat mehr Lösungen parat, um eine Partie für sich zu entscheiden. Für ihre Premiere bei den Deutschen Meisterschaften stuft sie sich dennoch als Außenseiterin ein. „Wahrscheinlich werden meine Gegner alle stärker sein“, ahnt sie. Dennoch gibt sie sich kämpferisch und verspricht: „Ich werde in jedem Spiel mein Bestes geben.“

Emilia Marrufo, die für Werder Bremen antritt, trainiert ebenfalls bei Dennis Webner und gewann die Landesmeisterschaften in der Altersklasse U10. Die Sudweyher Drittklässlerin sammelte in Delmenhorst in neun Runden fünf Punkte und setzte sich damit an die Spitze aller Spielerinnen. „Schach hat mir mein Opa beigebracht“, verrät sie stolz. Der Sport sei mittlerweile eines ihrer liebsten Hobbys. Und davon gibt es viele, zum Beispiel auch Korbball, Schwimmen oder Klavier. Emilia trainiert „immer dann, wenn ich Zeit habe. Ich mache auch mal nach der Schule eine Aufgabe. Es ist spannend zu beobachten und herauszufinden, was der Gegner denkt, und dann selbst einen Plan zu entwickeln.“ Jetzt freue sie sich vor allem auf die Deutschen Meisterschaften. „Mein Ziel ist es, mich weiter zu verbessern“, kündigt sie an. Eine genaue Platzierung gibt sie deshalb nicht als Ziel vor. Das könne man auch nicht, weiß Dennis Webner. „Für viele ist es das längste Turnier, das sie spielen werden“, sagt er mit Blick auf die insgesamt acht Tage fernab der Heimat. „Damit muss man erst einmal zurechtkommen.“

Bei Emilia sieht der Trainer großes Potenzial. „Sie spielt erst so richtig seit einem Jahr Schach. Dafür macht sie es schon richtig gut. Daraus kann man eine ganze Menge machen. Sie hat das Talent dafür, um über Jahre hinweg das Bremer Mädchenschach zu dominieren.“ Allerdings sei Talent nicht allein entscheidend für den Erfolg. Die Grundlage sei vor allem harte Arbeit. Das wüssten auch alle Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften. „Schon deshalb wird das Turnier eine ganz besondere Erfahrung“, weiß Webner, der ebenfalls nach Willingen reisen wird, um die Bedeutung der Großveranstaltungen für die Entwicklung seiner Schützlinge.

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