Fußball Oberliga

Eine abenteuerliche Reise

Rafail Asbuchanow schloss sich im vergangenen Sommer dem TB Uphusen an und hat in seiner sportlichen Laufbahn bereits einiges erlebt.
25.01.2019, 17:09
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Eine abenteuerliche Reise
Von Patrick Hilmes
Eine abenteuerliche Reise

Ehrgeizig, professionell und erfahren – doch noch steht Rafail Asbuchanow beim TB Uphusen in der zweiten Reihe.

Björn Hake

Achim. Von Soltau mit dem Zug nach Bremen-Mahndorf, dann wird das Klapprad ausgeklappt und zum Arenkamp in Achim geradelt. Diese ungewöhnliche Anfahrt zum Training des Fußball-Oberligisten TB Uphusen nimmt immer wieder aufs Neue Rafail Asbuchanow auf sich. Doch das ist bei Weitem nicht seine weiteste und ungewöhnlichste Reise in seiner sportlichen Laufbahn. Der 30-Jährige, der in Kasachstan geboren wurde und sich im vergangenen Sommer den Arenkampkickern anschloss, ist zwar nicht als Wandervogel zu betiteln, kann aber auf eine interessante Vita verweisen.

Von klein auf war Rafail Asbuchanow sportbegeistert. Neben dem Fußball probierte er sich auch im Handball und Taekwondo. In der Kampfsportart machte er laut eigener Aussage eine solch gute Figur, dass er kurz vor dem Sprung in die kasachische Nationalmannschaft stand. Im Laufe der Zeit überschnitten sich jedoch die Fußballspiele mit den Taekwondo-Turnieren. Die fällige Entscheidung fiel pro der Ballsportart. Da Asbuchanow ein ehrgeiziger Mensch ist, wollte er seine Grenzen austesten. Wissen, wie weit er kommen kann. Und lange Zeit hatte es den Anschein, als könne er ziemlich weit kommen.

Von Soltau aus, wo er aufwuchs, zog es Asbuchanow in das Sportinternat von Carl Zeiss Jena. Zwei Jahre wurde er dort ausgebildet und spielte ein weiteres in der zweiten Mannschaft des heutigen Drittligisten. Soweit noch ein relativ normaler Werdegang. Doch dabei blieb es nicht. Nach der Zeit in Jena wollte das Nachwuchstalent sein Glück im russischsprachigen Raum suchen und Profi werden. Doch schnell musste Asbuchanow erkennen, dass das schwieriger als gedacht ist. „In der Zeit habe ich erstmals erfahren, dass Talent nicht ausreicht. Ohne Connection funktioniert gar nichts“, betont er. Statt Profi-Dasein in Osteuropa hieß es für ihn Amateurfußball beim SV Ramlingen-Ehlershausen und TuS Heeslingen.

2011 sah es dann so aus, als könne er Studium und Fußball in Frankfurt vereinen. So hatte er bereits einen Studienplatz in der Metropole sicher und auch die Option, in der Zweiten des FSV Frankfurt mitzuspielen. Doch erneut kam alles anders als gedacht. Bei einem Probetraining Viktoria Kölns lernte er den Spielerberater Ingo Klein kennen. Dieser lotste ihn zum damaligen belgischen Zweitligisten KAS Eupen, wo Klein später als Sportdirektor und Investor fungierte. Der Traum war perfekt, Asbuchanow war im Profifußball angekommen und wurde von Wolfgang Frank trainiert. Frank spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Braunschweig und Borussia Dortmund in der Bundesliga, gilt als der Trainer, der die Viererkette nach Deutschland brachte sowie als Lehrmeister bei Mainz 05 von Jürgen Klopp. Doch weder der 2013 verstorbene Frank noch Asbuchanow fanden ihr Glück in Belgien. Der Coach sagte nach einer Saison Tschüss, Asbuchanow nach zwei. „Ich habe den Fehler gemacht und gedacht: Ich habe es geschafft. Es fing gut an, doch irgendwann kam der Knick“, erinnert er sich.

Asbuchanow wollte aber nicht bereits nach einer Spielzeit wieder die Tasche packen. „Ich wollte mich durchsetzen und habe wie ein Besessener von morgens 8 bis abends 22 Uhr trainiert.“ Die Kurve bekam er aber nicht mehr. Zudem herrschte reichlich Unruhe im Verein, da sich Ingo Klein wegen Betrugs vor Gericht verantworten musste und später auch verurteilt wurde. Es folgte Asbuchanows zweiter Versuch, in Osteuropa Fuß zu fassen. Insbesondere galt sein Blick dabei der kasachischen Nationalmannschaft, in deren Radar er als belgischer Zweitligaspieler geraten war. Doch erneut fand er sein Glück nicht und erhaschte dabei einen Blick auf die Schattenseiten des Geschäfts. „Es hat wegen der Legionärsanzahl in Kasachstan nicht für mich geklappt. Zudem war es echt schlimm mit den Beratern, mit Schmiergeldern et cetera. Es gab viele kuriose Geschichten und es wurden viele leere Versprechen gemacht“, erzählt Asbuchanow.

Somit stand er 2013 mit leeren Händen und ohne Verein da. Mittlerweile war sein Anspruch auch ein größerer. „Es gab Angebote von Regionalligisten, doch das war mir zu wenig.“ Er spekulierte auf ein Angebot aus dem Ausland, doch das blieb aus. Somit klafft eine Lücke von knapp fünf Jahren in seiner Laufbahn – kurzes Engagement 2016 beim SV Ramlingen-Ehlershausen. „In der Zeit habe ich meine Frau in Kasachstan kennengelernt, bin oft dort hingeflogen und habe auch mein Studium angefangen. Da blieb dann kaum noch Zeit für Fußball.“

Nun steht er kurz vor dem Ende seines Studiums und der Fußball rückt wieder mehr in den Fokus. Die Vorbereitung im Sommer absolvierte er beim Heeslinger SC, ein Angebot seitens des Vereins blieb aber aus. Somit suchte Asbuchanow den Kontakt zu Philipp-Bruno Rockahr, den er bei Ramlingen-Ehlershausen kennengelernt hatte. Mehrere Trainingseinheiten später hatte er Coach Fabrizio Muzzicato überzeugt: „Er ist sehr professionell und ein guter und introvertierter Typ.“ Asbuchanow ist Muslim, trinkt kein Alkohol, achtet sehr auf seine Ernährung und geht immer um 22 Uhr schlafen. Im Kopf sei er noch immer Profi.

Beim TBU muss er sich derzeit aber noch mit der zweiten Reihe hinter Defensiv-Routinier Viktor Pekrul begnügen. Zunächst ist das für ihn auch okay. „Ich bin keiner, der kommt und sofort den großen Max macht. Wenn ich nicht spiele, dann suche ich den Fehler erst mal bei mir.“ Dennoch ist in seiner Stimme der Ehrgeiz zu vernehmen. Asbuchanow will es mit 30 – „körperlich bin ich 23“ – nochmals wissen. Er sagt selbst von sich, dass er es mag, sich zu quälen.

Dazu zählt aber die Fahrt mit dem Klapprad zum Arenkamp nicht. Da hat Rafail Asbuchanow schon ganz andere Reisen hinter sich.

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