Olympische Winterspiele

Eine Bremerin im Team Togo

Eine WhatsApp-Nachricht später und Cornelia Freitag fährt mit Togos Olympiateam nach Südkorea. Sie assistiert den in Hessen lebenden Togolesen Hyacinthe Edorh, dem Chef de Mission Togo.
07.02.2018, 21:05
Lesedauer: 4 Min
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Eine Bremerin im Team Togo
Von Frank Büter
Eine Bremerin im Team Togo

Treffen auf dem Pariser Flughafen: die Bremerin Cornelia Freitag mit Hyacinthe Edorh, dem Chef de Mission Togo.

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Togo, ein kleiner westafrikanischer Staat zwischen Ghana und Benin am Golf von Guinea gelegen, ist von palmengesäumten Stränden, Bergdörfern und Landwirtschaft geprägt. Die Temperaturen dort betragen das ganze Jahr über im Durchschnitt zwischen 27 und 30 Grad. Nationalsport ist Ringen, gleich dahinter folgt Fußball. Eher exotisch mutet es dagegen an, dass Togo jetzt mit einer kleinen Delegation im südkoreanischen Pyeongchang vertreten ist. Zwei Aktive und fünf Offizielle bilden das Togolese Olympic Team – und mittendrin ist auch eine Bremerin: Cornelia Freitag.

Die gebürtige Brandenburgerin ist als Assistentin von Hyacinthe Edorh, dem Chef de Mission Togo, offiziell für diese Winterspiele akkreditiert und unterstützt das Team vor Ort in allen organisatorischen Bereichen. Für die 50-Jährige sind es nach Sotschi 2014 bereits die zweiten Olympischen Winterspiele, bei denen sie vor Ort ist. Damals hatte sich die Hobby-Volleyballerin von Bremen 1860 als freiwillige Helferin beworben und nach einem sehr langen Auswahlverfahren mit zwei Englischprüfungen und diversen Skype-Interviews mit einer Organisation aus Moskau letztlich den Zuschlag bekommen. Seinerzeit kamen Cornelia Freitag auch ihre exzellenten Russischkenntnisse zugute, die sie sich als Kind während eines vierjährigen Aufenthalts in Leningrad (heute St. Petersburg) angeeignet hatte.

Als Volunteer arbeitete die zu dem Zeitpunkt noch in Delmenhorst heimische Freitag in Sotschi dann im Servicebereich der Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Sie sortierte Briefe für die Olympia-Mannschaften, bestückte Rucksäcke mit Geschenken für die Olympioniken, stellte die Urkunden für die jeweils acht Erstplatzierten bereit und verteilte die Schatullen mit den Medaillen an die zuständigen Betreuer. Sie fand neben ihrer Arbeit im Schichtdienst aber auch die Zeit, einige Wettkämpfe live zu erleben. Freitag war unter anderem beim Skispringen, beim Bobfahren und beim Eishockey. Sie traf die deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, mimte während der Generalprobe für die Eröffnungsfeier eine armenische Sportlerin und saß dann drei Tage später bei der offiziellen Eröffnung auch im Publikum. „Das war atemberaubend“, sagt Cornelia Freitag.

Einmarsch bei der Eröffnungsfeier

Einen gewissen Hyacinthe Edorh lernte Cornelia Freitag seinerzeit im NOK-Bereich auch kennen. Sie tauschte ihre Handynummer mit dem in Hessen lebenden und auch deutsch sprechenden Togolesen aus – und hatte beim Chef de Mission Togos offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn nach fast dreijähriger Funkstille erhielt Cornelia Freitag zum Jahreswechsel 2016/17 unverhofft eine WhatsApp-Nachricht. „Ich konnte damit zunächst gar nichts anfangen und habe erstmal gefragt: Wer sind Sie?, schildert Freitag. Was folgte, war ein Telefonat und das Angebot, das Team Togo in offizieller Mission in Südkorea zu unterstützen. Freitag, die in Bremen bei der Firma Dettmer als Assistentin der Geschäftsführung arbeitet, musste nicht lange überlegen. Spontan sagte sie zu. Und befindet sich nun seit Wochenbeginn gemeinsam mit Edorh in Pyeongchang, wo sie an diesem Donnerstag die Ankunft der togoischen Sportler und Betreuer erwartet.

Die togoische Abordnung ist überschaubar. Mit Alessia Afi Dipol (Ski alpin) und Mathilde Amivi Petitjean (Skilanglauf) haben lediglich zwei Sportlerinnen den Sprung zu Olympia geschafft. Petitjean war auch schon vor vier Jahren in Sotschi dabei, bei Togos Premiere bei den Winterspielen fungierte sie auch als Fahnenträgerin. Komplettiert wird das siebenköpfige Team noch durch einen Trainer, einen Physiotherapeuten und einen Techniker. Persönlichen Kontakt zu den Olympionikinnen hatte Cornelia Freitag im Vorfeld nicht, sie wird die beiden Wintersportlerinnen vor Ort erstmals treffen und ihnen unter anderem ihre Unterkunft im 15. und damit obersten Stockwert des neu errichteten Hochhauses im Olympischen Dorf zuweisen.

Exoten des Wintersports

„Wir haben hier alles, was wir brauchen“, sagt Cornelia Freitag, die am vergangenen Sonntag über Paris nach Seoul geflogen und selbst bereits ins Olympische Dorf eingezogen ist. „Die Menschen hier sind sehr freundlich, offen und natürlich stolz, Gastgeber sein zu dürfen.“ Bei ihrer Ankunft erwarteten sie eisige Minusgrade, aber auch strahlender Sonnenschein. Und eine große Schar an Medienvertretern. Denn das Team Togo ist als Exot des Wintersports ein beliebtes Thema. „Unser Chef de Mission wird fortwährend angesprochen, fotografiert und interviewt“, sagt Freitag. Was indes nicht verwundert, denn aus Afrika sind ansonsten nur noch Sportler aus Nigeria, Ghana, Madagaskar und Südafrika dabei.

Waren Freitags erste Tage in Pyeongchang bereits aufregend und bunt, so wird es für sie am Freitag noch einmal ganz besonders prickelnd: Cornelia Freitag wird nämlich bei der Eröffnungsfeier mit dem Togolese Olympic Team ins Stadion einlaufen – „damit wird für mich ein heimlicher Traum wahr“, sagt sie. Ein teurer Traum übrigens, denn die Wahl-Bremerin verrichtet ihre Tätigkeit ehrenamtlich. Sie opfert einen Teil ihres Jahresurlaubs und zahlt zudem die komplette Reise selbst.

Bis zum 26. Februar wird Cornelia Freitag nun in Südkorea weilen und ihr Team Togo unterstützen. Sie wird nebenbei versuchen, Wettbewerbe im Eisschnelllaufen zu besuchen und will sich auch ein, zwei Eishockeyspiele ansehen. Zudem freut sie sich auf ein ganz besonderes Wiedersehen: In Sotschi hatte sie sich mit der schwedischstämmigen Kanadierin Jenny Hippel angefreundet, die damals und auch jetzt für das Team Schweden arbeitet. „Wir haben in den ganzen Jahren stets Kontakt gehalten, uns bisher aber noch nicht wieder treffen können“, sagt Freitag. „Jetzt sehen wir uns in Pyeongchang, darauf freue ich mich sehr.“

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