Vorschau Fußball-Kreiskliga Eine Handvoll Teams jagt den FC Hude

Eine spannende Saison wartet auf die hiesigen Kreisligisten: Aufstiegsfavorit ist der Bezirksligaabsteiger FC Hude, doch mehrere Teams machen sich Hoffnungen. Klare Abstiegskandidaten gibt es nicht.
04.08.2017, 17:12
Lesedauer: 6 Min
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Von Ralf Kilian

Das Feld der Fußball-Kreisliga Oldenburg-Land/Delmenhorst präsentiert sich im Ausblick auf die Saison ausgeglichen. Mit einer herausragenden Mannschaft – dem FC Hude. Wer mit 39 Punkten unglücklich aus der Bezirksliga absteigt und seinen Kader beisammenhält, ist eine Etage tiefer der Topfavorit. Damit kann und will man im Klosterort leben, Trainer Lars Möhlenbrock gibt daher auch das Ziel Wiederaufstieg aus, auch wenn mit Kapitän Cüneyt Yildiz ein absoluter Leistungsträger mit einem Kreuzbandriss lange ausfällt. Aber es gibt zumindest fünf ambitionierte Verfolger und vor allem insgesamt eine ausgeglichene Liga. Die Abstiegskandidaten der Vorsaison haben sich verstärkt, und die Aufsteiger DTB und besonders der SV Atlas Delmenhorst II sind alles andere als Kanonenfutter.

Bei der traditionellen Umfrage nach den Favoriten hat der FC Hude ganz knapp die Nase vorn. 13 der 16 Trainer sehen den Meister des Jahres 2016 ganz oben, immerhin noch zwölf (Mehrfachnennungen waren möglich) den VfR Wardenburg und weitere zehn die Atlas-Reserve. Auf den TSV Ganderkesee setzen sechs Übungsleiter, vereinzelt wurden auch die Geheimfavoriten TV Jahn Delmenhorst, TSV Ippener und sogar TSV Großenkneten genannt. Dabei hat Letzterer offiziell nur den Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben, ebenso wie SVG Berne, SV Achternmeer und der Vorjahresfünfte FC Huntlosen. Diese Prognose von Trainer Andree Höttges ist nicht etwa pures Understatement, sondern Realismus in Anbetracht der personellen Bewegungen in der Sommerpause. Ab Platz sieben scheint alles offen, da lohnt sich ein gelegentlicher Blick nach unten.

FC Hude sieht vier Mitfavoriten

Den muss der FC Hude nicht wagen, aber der Respekt vor den Verfolgern ist groß. So nennt Möhlenbrock gleich vier Mitfavoriten. Allerdings kann er als einziger Coach auf eine eingespielte Mannschaft setzen, die in der Bezirksliga nach verpatztem Start immer konkurrenzfähig war und zudem beste Rahmenbedingungen vorfindet. Das Waldstadion ist meist gut besucht, zudem gibt es demnächst den ersehnten Kunstrasenplatz. Das Auftaktprogramm ist trotz des immer brisanten Derbys zum Ligastart gegen den TV Munderloh wie geschaffen für einen sofortigen Spitzenplatz.

Vor zwei Jahren verdrängte der FCH erst im Endspurt Munderloh und Wardenburg vom Spitzenplatz. Nach zwei dritten Plätzen in den zurückliegenden Spielzeiten – immerhin versüßt mit dem jeweiligen Pokalsieg – wäre der VfR eigentlich mal dran. Und hat dafür die Voraussetzungen geschaffen, indem der Verein den Kader deutlich verbreiterte. Zwar muss sich der neue Trainer Sören Heeren erst im Herrenbereich zurechtfinden. Aber mit erfahrenen Zugängen wie Sven Hörnlein, Carsten Winter und Keeper Thorben Engelbart hat er gleich mehrere verlängerte Arme auf dem Platz. Dazu kommen weitere gestandene Akteure, die an die Tür zur Bezirksliga anklopfen wollen.

Dieses Ziel äußert auch Vizemeister TSV Ganderkesee. Aber dafür muss von Anfang an vieles passen, und Neu-Coach Stephan Schüttel (zuletzt Assistent bei der Reserve) muss im Verbund mit Kapitän Patrick Meyer die individuelle Entwicklung vieler Spieler vorantreiben. Ansonsten sind die Abgänge besonders von Michael Eberle, aber auch von Christoph Stolle, Felix Dittrich (alle nach Wildeshausen) und auch Ninos Yousef (zum SV Tur Abdin Delmenhorst) nur schwer zu kompensieren.

Einen noch größeren Aderlass hat der TV Munderloh zu verkraften. Nach dem nur minimal verpassten Aufstieg 2016 und dem Leistungsabfall im Vorjahr musste Trainer Ralf Eilenberger 13 Abgänge akzeptieren, im Prinzip geht der erfahrene Ex-Profi die neue Saison ohne die Stammelf der abgelaufenen Spielzeit an. Das riecht sogar nach Abstiegskampf, so gibt der TVM auch nur Platz 8 bis 14 als Ziel aus.

Als der TSV Ganderkesee im Jahre 2014 zuletzt Kreisligameister wurde, marschierte im Windschatten der SV Atlas durch die Liga und folgte dem TSV nach bestandener Relegation in die Bezirksliga. Ein ähnlicher Weg ist jetzt der Reserve des SVA zuzutrauen. Angeführt von den Ex-Kapitänen der ersten Mannschaft – Daniel von Seggern und Florian Knipping sind in die „U23“ gewechselt – haben alle externen Neuzugänge das Potenzial zum Stammspieler: Duc Nguyen und Keano Timme haben im Jugendbereich in Oldenburg schon Bundesligaluft geschnuppert, zudem dürften regelmäßig Verstärkungen aus dem Oberligakader abgestellt werden. Das Reservoir an Spielern für das Trainerteam Steven Herrmann/Sven Schlundt ist riesig, es muss allerdings schnell eine Grundformation finden. Denn der Saisonstart ist reizvoll (Auftakt beim DTB) und fordernd (danach Großenkneten, Wardenburg, Huntlosen und Hude).

Zu den Jägern gehören zwei Geheimfavoriten: Der TSV Ippener hat nach starker Rückrunde (Platz fünf) unter Trainer Chawkat El Hourani weiter aufgerüstet. Unter anderem wird die Zusammenführung der Sevimli-Brüder viele Gegner mit Fragezeichen auf der Stirn hinterlassen. Allerdings muss El Hourani die Abwehr dicht bekommen und noch mehr Disziplin in die Truppe bringen. Das Talent, sich selbst zu schwächen, war in den Vorjahren zu stark ausgeprägt. Beim TV Jahn hofft man, so langsam wieder an glorreiche Bezirksligazeiten anknüpfen zu können. Besonders die Rückholaktion von sechs Spielern des Lokalrivalen Tur Abdin verspricht Erfolg, zudem ist Paul Leis im Verbund mit Marcel Maus und Artjom Prieb eine sofortige Führungsrolle zuzutrauen. Wenn sich schnell eine gute Hierarchie bildet, kann Trainer Andreas Busch nach Jahren des Abstiegskampfes die Favoriten zumindest unter Druck setzen. Dazu trägt auch die wieder erwachte gute Jugendarbeit am Brendelweg mit der starken U19 in der Landesliga bei.

Ebenfalls auf den Nachwuchs setzt der Harpstedter TB, hier bekommt Trainer Jörg Peuker eine vielversprechende Auffrischung aus der starken A-Jugend der Vorsaison. Der Kader wurde nicht nur verjüngt, sondern nach einigen Engpässen im Vorjahr auch deutlich vergrößert. Sicher speist sich daraus Peukers Zuversicht, der Coach gibt Rang eins bis sechs als Ziel aus. Fast ebenso ambitioniert ist der Ahlhorner SV, der mittelfristig wieder oben mitspielen will und das auch kann, wenn Torjäger Stefan Rupprecht liefert und von den Specht-Brüdern Nils und Ole (beide aus Wardenburg) die nötige Unterstützung erhält.

Ähnlich gestrickt sind die beiden Ortsrivalen aus Großenkneten und Huntlosen. Beide setzen auf eingespielte und eingeschworene Mannschaften, haben mit dem Kunstrasenplatz ganzjährig gute Trainingsbedingungen. Von diesen träumt Heidkrug-Trainer Selim Karaca. Zwar liest sich die eigentliche Liste der Abgänge abgesehen vom langjährigen Kapitän Patrick Klenke (zu Atlas II) nicht furchterregend. Aber der Verlust des Torjägertrios Ole Braun, Dierk Fischer (beide nach Stenum) und Shqipron Stubbla (Dötlingen) aus der A-Jugend tut richtig weh, die drei Jungstars trugen mit 17 Treffern in der Endphase der Vorsaison nachhaltig zum Klassenerhalt bei. Immerhin wurden mit Irfan Gök (SV Baris Delmenhorst) und Sven Holthausen (TuS Hasbergen) torgefährliche Nachfolger verpflichtet.

Kein Kanonenfutter

Torgefahr im Überfluss bot im Aufstiegsjahr Daniel Fastenau, der 39 Treffer zum Titel des Delmenhorster TB in der Kreisklasse beisteuerte. Eine Etage höher muss der Torschützenkönig aber auch wieder zuverlässig liefern, sonst geht der Blick zunächst nach unten. Zumal mit Christian Stark (zu Abdin) ein wichtiger Zulieferer fehlt. Insgesamt hat Trainer André Tiedemann eine sehr kompakte Einheit beisammen, die sich einfach nur schnell akklimatisieren muss, um dem Abstiegsstrudel zu entkommen. Allerdings ist momentan nicht absehbar, wer überhaupt als potenzielles Kellerkind zu betrachten ist. Vielleicht Berne nach dem Abgang von Torjäger Gonschorek? Dagegen sprechen einige Faktoren wie der Heimvorteil auf Kunstrasen, ein mit allen Wassern gewaschener Trainer Michael Müller und eine Mannschaft mit ausgeprägtem Teamgeist. Vielleicht Achternmeer, das mit Deniz Akman ebenfalls seinen besten Torschützen vermisst? Dafür bietet der 30er-Kader reichlich Konkurrenzkampf, und Dennis Tinter (von GVO Oldenburg) kann Akman ersetzen. Auf dem Stürmermarkt hat sich auch der TV Dötlingen mit Rückkehrer Roman Seibel (von Abdin) und Shqipron Stubbla verstärkt und kann selbstbewusst einen einstelligen Tabellenplatz anpeilen.

Fazit: Den typischen Absteiger gibt es nicht, das wird von Anfang an für Spannung sorgen. Alle Trainer haben sich mit quantitativ breiten Kadern versorgt, im Normalfall sind kaum Engpässe zu befürchten. Während in der unteren Tabellenhälfte niemand abfällt, hebt sich oben der FC Hude etwas ab, aber die Verfolger von Wardenburg und Atlas II sowie mit Abstrichen Ganderkesee, Ippener und Jahn sind hungrig.

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