Kommentar zum Fußball-Bezirkspokal

Eine riesige Farce

Tobias Dohr über die Probleme des Bezirkspokals
11.07.2018, 21:30
Lesedauer: 2 Min
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Eine riesige Farce
Von Tobias Dohr

Natürlich, man muss die Argumente von Jürgen Stebani zur Kenntnis nehmen. Nachvollziehbar und logisch sind sie aber keinesfalls. Da macht es auch keinen Unterschied, ob man in einer Region lebt, in der viele Sportwochen gespielt werden oder nicht. Denn die alles entscheidende Frage ist ja: Was verliert der Bezirk Lüneburg, wenn er mit dem Pokal erst kurz vor der Saison beginnt und die folgenden drei Runden auf die Monate September und Oktober aufteilt? Die Antwort: Nichts.

Noch klarer lässt sich die Gegenfrage beantworten: Was gewinnt der Bezirk eigentlich durch diese geballte Häufung im Juli? Rein gar nichts! Das hat das vergangene Spieljahr deutlich aufgezeigt. Die Terminnot war genauso groß wie in den anderen Bezirken auch. Und letztlich geht es ja auch nur darum, die ersten Runden zu entzerren. Warum nicht so: Die Quali-Runde am Wochenende vor dem Punktspielstart, direkt danach am Mittwoch die 1. Hauptrunde. Dann alle drei Wochen eine weitere Runde. So könnte man ebenfalls am Tag der Deutschen Einheit locker mit dem Viertelfinale durch sein. Und da spielen dann ja eh nur noch acht von fast 90 Teams.

Das heißt, dieser Termin wäre sogar schon wieder für eventuelle Liga-Nachholspiele frei. Bis Anfang Oktober fallen in der Regel aber gar keine Spiele witterungsbedingt aus. Das Argument, dass man durch eine Entzerrung des Pokalspielplans am Ende zu viele Spiele ins Frühjahr trägt, ist schlichtweg falsch. Diese Begründung wäre nur dann stichhaltig, wenn der Verband endlich mal ein paar reguläre englische Wochen im September und Oktober angesetzt hätte, um den Punktspielbetrieb im darauf folgenden Frühjahr zu entzerren. Doch diese – mit Blick auf den vergangenen April und Mai – überfällige Neuerung hat der Verband nicht hinbekommen. Und man fragt sich erneut: Wieso eigentlich nicht?

Auch wenn Stebani die (von außen nur schwer prüfbare) Aussage tätigt, die meisten Klubs seien zufrieden – selbst für Vereine ohne Sportwochen-Ballung gilt doch ohne Wenn und Aber: Die Attraktivität eines Pokalwettbewerbs sinkt rapide, wenn vier Spielrunden in nur zweieinhalb Wochen durchgeprügelt werden. Ein Pokalkribbeln kann da gar nicht mehr aufkommen. Sportwochen hin oder her. Der Pokalwettbewerb mutiert im Bezirk Lüneburg zu einem sinnlosen Testspielmarathon.

Aus diesem Grund muss sich die Staffelleitung auch folgende Frage gefallen lassen: Wären Vereine aus anderen Kreisen wirklich unglücklich über eine Entzerrung der Termine? Man kann es sich kaum vorstellen. Immerhin würde es anderen Klubs doch mit Sicherheit auch ziemlich gut in die (Testspiel-)Planung passen. Vielleicht haben sich diese Klubs aber mittlerweile nur stillschweigend an den Status quo gewöhnt. Vereint in stiller Resignation und dem Gefühl, dass man ja eh nichts ändern kann. Egal, wie man argumentiert. Drei Bezirke handhaben die Pokal-Ansetzung komplett anders. Es geht nicht darum, andere zu kopieren. Es geht darum, endlich eine sinnvolle Regelung zu finden. Die aktuelle im Bezirk Lüneburg ist es definitiv nicht.

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