Die Unentbehrlichen (XXXVII): TV Bremen-Walle 1875 kann sich auf die Sellkes verlassen

Eine total sportliche Familie

Geht es noch sportlicher im Familienkreis? Wohl kaum: Allmut Sellke hat jahrzehntelang im Bremer Turnverband und im Landessportbund wichtige Weichen gestellt, Tochter Gerlind Waldmann war mehrfache Bremer Landesmeisterin im Vierkampf, und Enkelin Julia holte auch schon Titel in der Weser-Liga. Und alle drei kümmern sich bis heute erfolgreich um das Turnen im TV Bremen-Walle 1875. Doch diese Sportler-Familie hat noch mehr Hauptdarsteller.
10.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinz Fricke

Geht es noch sportlicher im Familienkreis? Wohl kaum: Allmut Sellke hat jahrzehntelang im Bremer Turnverband und im Landessportbund wichtige Weichen gestellt, Tochter Gerlind Waldmann war mehrfache Bremer Landesmeisterin im Vierkampf, und Enkelin Julia holte auch schon Titel in der Weser-Liga. Und alle drei kümmern sich bis heute erfolgreich um das Turnen im TV Bremen-Walle 1875. Doch diese Sportler-Familie hat noch mehr Hauptdarsteller.

„Ganz früher“, sagt Allmut Sellke, „hatte ich mit Sport nichts im Sinn, mein Thema war die Musik.“ Doch dann lernte sie einen jungen Waller Turner namens Rolf Sellke kennen und lieben, fortan wurde mehr geturnt als gesungen. Und der Sport gab ihrem Leben eine neue Wendung. Heute ist Allmut Sellke 76 Jahre alt, und die Liste ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten in einem langen Sportler-Leben ist vor allem aus einem Grund hier nicht komplett aufzuführen – sie ist zu lang.

„Ich war immer engagiert und wollte etwas für die Jugend tun. Die Jobs kamen einfach auf mich zu“, sagt sie heute. Zuerst machte sie als Kampfrichterin bis hin zur DTB-Ebene Karriere, dann folgte die Landeskunstturnwartin, bald darauf stellte sie auch im Bremer Turnverband und im Referat Leistungssport des LSB wichtige Weichen. Die für sie Wichtigsten: Allmut Sellke hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Sportbetonte Schule Ronzelenstraße installiert wurde und der Bundesstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik nach Bremen kam, dessen Leitung sie dann gleich für sechs Jahre ehrenamtlich übernahm.

„Bei uns zu Hause ging es immer um Sport im Allgemeinen und den TuS Walle insbesondere“, erinnert sich Gerlind Waldmann. Das verwundert nicht weiter. Denn Familien-Oberhaupt Rolf Sellke war nicht nur ein guter Turner, sondern viele Jahre auch Vizepräsident des TuS Walle. Und als Tochter Gerlind, heute 51 Jahre alt, ins heiratsfähige Alter kam, lief ihr auch ein Sportler über den Weg: Torsten Waldmann, ein jahrelang gefürchteter Torjäger im Bremer Fußballverband, hatte seine beste Zeit beim TV Mahndorf und kickt heute in der Ü50-Mannschaft von Tura.

Doch Fußball war eher Nebensache im Hause Sellke/Waldmann. Turnen stand im Vordergrund, und das beeinflusste auch das Familienleben. Denn schließlich standen neben Gerlind auch die Geschwister Ulf und Gertraut dreimal in der Woche in der Halle, neben Allmut und Rolf. Gerlind Waldmann erinnert sich: „Sonntags wurde ganz selten warm zu Mittag gegessen, denn sonntags war von 9 bis 12 Uhr gemeinsames Kunstturntraining von Jungen und Mädchen, da kam man schon mal später nach Hause.“

Der Hohweg war früher die Heimat des TuS Walle, ehe der Verein das Experiment mit einer Damen-Handballmannschaft von internationalem Rang teuer bezahlen musste – ein Unterfangen, das dem vor einigen Jahren verstorbenen Turner Rolf Sellke nie so recht schmeckte. Schließlich ging der Verein in die Insolvenz, die Bremer Politik und der TV Bremen 1875 boten Hilfe an. 2008 kam es zum Zusammenschluss, seither heißt der Verein TV Bremen-Walle 1875, hat seine Heimat am Panzenberg und in etlichen weiteren Hallen, in denen die über 2000 Mitglieder diversen Sportarten nachgehen. Mit dem Zusammenschluss übernahm Gerlind Waldmann das Amt der Jugendwartin, muss seither rund dreimal pro Woche vom Wohnort Stuhr in den Bremer Westen fahren, denn sie betreut auch noch mehrere Kindergruppen. Tochter Julia, 17 Jahre alt, assistiert schon beim Kindertraining, doch noch steht das eigene Leistungstraining im Vordergrund. Als Kind begann sie wegen der kurzen Entfernungen in Brinkum und Grolland, ehe die Mutter sie mit nach Walle nahm. Dort wurde sie mit der Leistungsriege gerade Meister in der Weser-Liga, der höchsten Bremer Klasse.

Derzeit allerdings ist Trainingspause: Ein Kreuzbandriss beim letzten deutschen Turnfest setzte Julia außer Gefecht. Schlecht für sie, aber auch für Mama und Oma. Denn für Allmut Sellke und Gerlind Waldmann sind Wettkämpfe von Julia immer feste Termine, auch wenn das der 17-Jährigen gar nicht so recht gefällt. „Oma und Mama sehen jeden Fehler“, hat sie festgestellt. Woraus wir lernen: Lauter Experten in der Familie, das ist auch nicht immer nur ein Vorteil.

Die Unentbehrlichen: Ohne sie geht meist nichts. Sie sind nahezu unersetzlich in ihren Klubs, ohne selbst an der Spitze zu stehen. Die Rede ist von den unzähligen Männern und Frauen in Bremer Sportvereinen, die in speziellen Funktionen tätig sind, mit denen ihr Name ganz eng verbunden ist. Übungsleiter, Trainer, Ideengeber, Idealisten, kurzum: Menschen, die etwas nachhaltig bewegen. Von ihnen erzählt diese Serie.

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