Bogenschießen

„Einer muss ja Berlin Paroli bieten“

Florian Kahllund vom SV Dauelsen spricht im Interview über die Deutsche Meisterschaft und warum er nicht mit seiner Lebensgefährtin Lisa Unruh in einem Team schießt.
25.02.2019, 17:53
Lesedauer: 3 Min
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„Einer muss ja Berlin Paroli bieten“
Von Patrick Hilmes
„Einer muss ja Berlin Paroli bieten“

Machte seinen Teamkollegen Andreas Gerhardt (links) keinen Vorwurf: Dauelsen Nationalkaderschütze Florian Kahllund.

Björn Hake
Herr Kahllund, Sie und der SV Dauelsen haben bei der Deutschen Meisterschaft in Wiesbaden von acht Mannschaften den siebten Platz belegt. Sind Sie damit zufrieden, oder haben Sie sich mehr erhofft?

Florian Kahllund : Nein, zufrieden bin ich nicht. Es war schon sehr bitter, dass wir zwar gegen Tacherting und gegen Jena jeweils vorgelegt haben, die Gegner aber immer wieder aufholen konnten, da zwei von uns nicht so gut geschossen haben.

Da schwingt eine Spur Enttäuschung mit. Sie wurden im Vorfeld als bester Schütze der Saison (9,81 Ringe pro Pfeil) ausgezeichnet und konnten ihren Schnitt im Finale sogar nochmals auf 9,89 Ringe steigern. Ist es daher besonders bitter, dass Sie als bester Schütze nur Siebter wurden?

Nein. Das ist ein Teamwettbewerb, das gehört nun mal dazu. Man braucht nun mal auf diesem Niveau drei Schützen, die in guter Form sind. Das waren wir nur leider nicht.

Coach Andreas Hehenberger nahm die Schuld für das Abschneiden im Anschluss auf sich. Er habe den Fehler gemacht und nicht nach der ersten Niederlage gewechselt. Andreas Gerhardt schoss weiter, obwohl er keinen guten Tag erwischt hatte (im Schnitt 8,88 Ringe pro Pfeil). Dauelsens Eigengewächs Christian Dauel stand bereit, durfte aber erst in der dritten Partie schießen, die dann auch gegen Villingen-Schwenningen gewonnen wurde. Doch das Erreichen des Halbfinales war bereits nach dem zweiten Duell gegen Jena nicht mehr möglich gewesen. War dies auch ein Fehler aus Ihrer Sicht?

Das ist immer schwer zu sagen. Wir sind davon ausgegangen, dass Andreas nur ein paar schlechte Schüsse zu Anfang hatte und dass es sich gegen Jena bessern würde. Leider war das nicht so und dann war es auch schon zu spät. Das ist schwierig einzuschätzen und dann zu wechseln in einem Finale, denn Andreas hat ja ansonsten eine sehr gute Saison geschossen.

Somit bleibt für Sie zum Abschluss dieser Saison der Titel als bester Schütze und der siebte Rang bei der Deutschen Meisterschaft. Wie lautet ihr Gesamtfazit?

Im Gesamten bin ich zufrieden. Wir haben uns für die DM qualifiziert, was wir im letzten Jahr nicht geschafft haben. Und wir haben eine gute Saison geschossen. Ich selbst kann aber noch besser schießen.

Sie sind doch schon bester Schütze beider Bundesliga-Staffeln...

Ja, aber das geht noch besser. Andere Einzelschützen anderer Vereine können auch noch besser werden. Zumindest ist das Ziel für nächste Saison, der beste Schütze zu bleiben.

Werden Sie dieses Ziel als Schütze des SV Dauelsen verfolgen?

Ja, ich bleibe in Dauelsen, was anderes ist nicht geplant.

Sie kommen jedoch gebürtig aus Schleswig-Holstein und wohnen mittlerweile in Berlin. Warum eigentlich Dauelsen und wie kam es zu ihrem Engagement beim SVD?

Ich mag die Leute dort sehr gerne und fühle mich wohl. Damals (2014, Anm. d. Red.) kam ich von der SG Norderstedt. Ich war mit dem Verein aus der 1. Bundesliga abgestiegen und nach einem Jahr in der 2. Bundesliga wollte ich wieder in der ersten Liga schießen. Dann hatte ich mich mal mit Sebastian Rohrberg unterhalten, den ich schon lange kannte und mit dem ich mich auch immer schon gut verstanden hatte. Er sagte, Dauelsen könnte mich gut gebrauchen – so ist es dann auch gekommen.

Doch in Berlin leben sie zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Lisa Unruh (holte Oympia-Silber 2016 in Rio), die für den BSC BB-Berlin in der Bundesliga schießt. Warum schießen sie nicht auch für Berlin, ist es der Konkurrenzgedanke?

Ich mag ehrlich gesagt die anderen Teammitglieder in Berlin nicht ganz so gerne wie meine Kollegen in Dauelsen (lacht). Und ja, zum anderen ist es auch der Konkurrenzgedanke. Einer muss ja den Berlinern Paroli bieten (lacht).

Die Bundesliga-Saison ist nun beendet. Was sind noch Ihre persönlichen Ziele für dieses Jahr?

Ich will bei der Weltmeisterschaft unter die besten acht Mannschaften mit der deutschen Nationalmannschaft kommen. Das würde bedeuten, dass wir drei Startplätze für Olympia 2020 in Tokio hätten. Dann bin ich mir sicher, dass ich einer von diesen drei Schützen werden kann.

Das Interview führte Patrick Hilmes.

Info

Zur Person

Florian Kahllund (25)

ist Bogenschütze beim SV Dauelsen und hat mit seinem Verein am Wochenende bei er Deutschen Meisterschaft den siebten Rang erreicht. Der Sportsoldat ist der einzige Nationalkaderschütze in den Reihen des SV Dauelsen.

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