Fußball-Bezirksliga

Einmal Meister, viermal Mittelfeld

Der VfL Wildeshausen war in fast allen Belangen das beste Team der Liga, die beiden Delmenhorster Vertreter SV Baris und SV Tur Abdin sowie der VfL Stenum und der FC Hude waren frei von Abstiegssorgen.
26.06.2019, 16:29
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Einmal Meister, viermal Mittelfeld
Von Michael Kerzel

Fünf hiesige Teams haben in dieser Saison in der Fußball-Bezirksliga gespielt und nur eines ist nicht mehr dabei in der bevorstehenden Spielzeit: Der VfL Wildeshausen stieg hochverdient als Meister in die Landesliga auf. Der hoch gehandelte SV Tur Abdin Delmenhorst sicherte sich den zweiten Platz in der Delmenhorst-Wertung hinter dem Oberligisten SV Atlas. Wie der VfL Stenum, der FC Hude und der SV Baris Delmenhorst landeten die Aramäer im Mittelfeld. Und das war bei allen vier Teams schon früh klar. Mit dem Abstiegskampf hatten sie allesamt genauso wenig wie mit dem Aufstiegsrennen zu tun. Für den Aufsteiger FC Hude und auch für den SV Baris in seinem zweiten Jahr kann das durchaus als Erfolg verbucht werden. Bei den Stenumern ging es wild zu: 43 verschiedene Spieler setzte Trainer Thomas Baake ein.

Die Landkreis/Stadt-Meisterschaft entschieden die Krandelkicker klar für sich: Sieben der acht Derbys und Nachbarschaftsduelle gewann das Team von Trainer Marcel Bragula. Nur zu Hause gegen den VfL Stenum musste sich die Elf mit einem Punkt begnügen. Zweiter dieser Wertung wurde die Baake-Elf. Zwölf Zähler verbuchte sie in diesen Duellen. Hude ergatterte acht, die beiden Delmenhorster Vereine brachten es auf je sieben.

VfL Wildeshausen

(Platz 1, 71 Punkte, 83:32 Tore)

Die Krandelkicker dominierten in fast jeder Disziplin die Liga: Sie holten die meisten Siege (22), kassierten die wenigsten Niederlagen (3) sowie die wenigsten Gegentore (32) und wiesen das beste Torverhältnis auf (+51). Bei den torgefährlichsten Teams reichte es hinter Vizemeister GVO Oldenburg (92) und Tur Abdin (88) mit 83 Treffern „nur“ zu Platz drei. Daheim holte die Bragula-Elf 36, auf fremden Spielfeldern 35 Punkte. Auch das überbot jeweils keine andere Mannschaft. Zudem stellte der VfL die beste Hinrundenmannschaft (38 Zähler), in der Rückrunde ergatterte GVO zwei Punkte mehr (35). Bemerkenswert ist zudem, dass die Krandelkicker ohne Platzverweis durch die Saison kamen und in 30 Partien nur 38 Gelbe Karten sahen. Der VfL ist damit die fairste Mannschaft der Liga. Neben der starken Defensive erwies sich der VfL als Maschine bei Standardsituationen. Nach Ecken und Freistößen waren die Krandelkicker stets gefährlich. Elfmeter verschossen sie allerdings gleich mehrere.

SV Tur Abdin Delmenhorst

(Platz 7, 46 Punkte, 88:63 Tore)

Das Team erzielte mit 88 die zweitmeisten Tore und zeigte immer wieder traumhafte Kombinationen. Simon Matta sicherte sich mit 27 Treffern die Torjägerkanone. Die Defensive war nicht katastrophal (63 Gegentore), aber eben auch nicht gut. Das große Problem der Delmenhorster war einmal mehr die Konstanz. So verloren die Abdiner unter anderem die Heimpartie gegen Absteiger ESV Wilhelmshaven und spielten auch gegen einen weiteren Absteiger, TuS Eversten, nur 6:6. Dafür zeigten sich die Delmenhorster gegen Wildeshausen zweimal auf Augenhöhe – verloren aber dennoch jeweils mit 3:4. Es fehlte einfach das letzte Quäntchen in den entscheidenden Phasen. Zudem brachten die Delmestädter das immense Potenzial zu selten auf den Rasen. Das könnte grundsätzlich auch an den sehr oft wechselnden Trainern in den vergangenen Jahren liegen. In dieser Saison stand zuerst Christian Kaya an der Seitenlinie, der von Edgar Kary abgelöst wurde. Zum Schluss betreute die Sportliche Leitung mit Isa Tezel und Mathias Demir die Elf. Zur kommenden Saison soll mit Andree Höttges Ruhe einkehren. Auch er war schon mal Trainer bei den Abdinern. Die Zusammenarbeit endete damals vorzeitig mitten in der Saison.

VfL Stenum

(Platz 8, 45 Punkte, 66:61 Tore)

Eine durchaus chaotische Saison liegt hinter den Kickern vom Kirchweg. Trainer Thomas Baake musste vor fast jedem Spiel eine neue Elf zusammenbasteln. Insgesamt setzte er rekordverdächtige 43 Spieler ein. Die großen Stärken der Stenumer, der interne Zusammenhalt und die Eingespieltheit, kamen so nicht voll zur Geltung. Für das Team spricht, dass es tabellarisch trotz der personellen Engpässe eine ruhige Saison hinlegte. In allen Bereichen war Stenum durchschnittlich: in Heimspielen und auch auswärts, bei den erzielten ebenso wie bei den kassierten Treffern und auch in Bezug auf den Fairness-Quotienten. Herauszuheben ist die Leistung von Kapitän Maximilian Klatte: Er spielte auf so gut wie jeder Position außerhalb des Tors, verpasste nur 13 Minuten und erzielte 20 Tore.

FC Hude

(Platz 9, 43 Punkte, 58:54 Tore)

Trainer Lars Möhlenbrock hatte vor der Saison angekündigt, dass sein Team einen einstelligen Tabellenplatz anvisiere. Das war eine durchaus forsche Ansage für einen Aufsteiger, der vor zwei Jahren – wenn auch denkbar knapp mit 39 Punkten – aus der Bezirksliga abgestiegen war. Doch der FC Hude erfüllte die Vorgabe. Zwar baute die Elf nach 25 Zählern und Rang fünf nach der Hinserie etwas ab und holte nur noch 17 weitere Punkte. Alles in allem ist eine sorgenfreie Saison für einen Aufsteiger jedoch ein Erfolg. Die Huder Stärken lagen in der Kompaktheit und der gut sortierten Defensive. Nur vier Teams kassierten weniger Gegentore als der FCH (54). Bisweilen mangelte es an Kreativität und Durchschlagskraft in der Offensive, gerade wenn Mohamed Alawie fehlte. Dieser musste zwei Rot-Sperren absitzen.

SV Baris Delmenhorst

(Platz 11, 39 Punkte, 72:89 Tore)

Bei Spielen des SV Baris war meistens Spektakel angesagt: 161 Tore fielen in den 30 Partien der Rot-Gelben. Nur der abgeschlagene Tabellenletzte Eintracht Wiefelstede kassierte mit 90 einen Gegentreffer mehr als Baris. Die Mannen von Trainer Önder Caki trafen ihrerseits jedoch auch 72-mal. Zum Saisonende, als der Klassenerhalt lange feststand, setzte es noch einige Klatschen in Nachbarschaftsduellen, die das Torverhältnis ramponierten (1:8 gegen Abdin, 3:7 gegen Stenum, 0:6 gegen Wildeshausen). Gerade zu Hause in der stärkeren Hinrunde setzte sich das Team jedoch gegen Abdin (2:1) und Stenum (3:1) durch und teilte mit Hude (2:2) die Punkte. Das Team von der Delme wird auch in der kommenden Saison versuchen, der Mannschaft eine gewisse defensive Denkweise einzuimpfen, ohne allzu viel von der Offensivpower einzubüßen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+