Erste Frau mit achten Dan in Karate Einzigartige Karatemeisterin aus Osterholz-Scharmbeck

Mit dem ersten Dan, der ersten Stufe, fängt der lange Weg zur Karatemeisterin an. Bei Elke von Oehsen aus Osterholz-Scharmbeck war das vor 41 Jahren der Fall.
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Einzigartige Karatemeisterin aus Osterholz-Scharmbeck
Von Marlo Mintel

Mit dem ersten Dan, der ersten Stufe, fängt der lange Weg zur Karatemeisterin an. Bei Elke von Oehsen aus Osterholz-Scharmbeck war das vor 41 Jahren der Fall.

Mittlerweile ist die 60-Jährige vom TV Eiche Horn auf der achten Stufe angelangt. Sie ist somit Deutschlands ranghöchste Karatemeisterin – mit Abstand. „Meines Wissens besitzen in Deutschland nur drei weitere Frauen den sechsten Dan. Den siebten hat keine. Ich bin die einzige mit dem achten.” Weitere Stufen, insgesamt gibt es zehn, kann von Oehsen nicht aus eigener Kraft, sprich mit Prüfungen, erreichen. Beim neunten Dan liegt die Entscheidung, wer weiter auf der Karatemeisterin-Leiter aufsteigen darf, bei den höchsten Gremien des Deutschen Karate-Verbands. „Den bekommt man frühestens mit Anfang 70”, sagt sie.

1970 kam von Oehsen, die dem Vorstand des TV Eiche Horn angehört, zum ersten Mal mit der asiatischen Kampfsportart in Kontakt. Sie habe zufällig gelesen, dass ein Karatelehrgang in Bremen stattfinden würde. „Karate war damals etwas Besonderes, hatte das Image, dass man da fast übernatürliche Fähigkeiten erwerben kann”, sagt sie und lacht auf. Sie habe beim Lehrgang sofort mittrainiert, wollte anschließend den Sport unbedingt weiter betreiben.

1975 den ersten Dan in der Tasche

„Leider gab es in Osterholz-Scharmbeck, wo ich gewohnt habe, keinen Verein. Der Weg nach Bremen war mir einfach zu weit.” Zwei Jahre später änderte sich die Situation bei der damals 16-Jährigen. In Osterholz-Scharmbeck wurde ein Verein gegründet, man traf sich zum Training im Freizeitheim am Fußballstadion. „Beim ersten Termin war ich gleich dabei, ich habe anschließend nie ein Training ausgelassen, da war ich konsequent.” 1975 hatte Elke von Oehsen ihren ersten Dan in der Tasche. „Das war ein ganz besonderer für mich”, sagt sie. Laut Prüfungsordnung war es Frauen damals untersagt, offiziell Kämpfe vorzuführen. Von Oehsen sprach mit der Prüfungskommission, um eine Lösung zu finden. Sie durfte ihre Prüfung schließlich ablegen. „Das war eine große Genugtuung für mich.”

Weitere Dans sollten folgen. „Ich habe mir immer Ranghöhere angeschaut und mich dann gefragt: Kann ich das auch?”, sagt von Oehsen. „Was haben die für eine Ausstrahlung, beeindruckt mich das? Wenn ich dann gesagt habe, dass ich das auch kann, habe ich mich für die Prüfung angemeldet.” Jetzt hat sie acht. „Wenn man so lange dabei ist, dann ist das nicht so spektakulär. Aber man freut sich trotzdem darüber”, sagt von Oehsen nüchtern.

Sie ist eine Frau, die mit anpackt. Im Jahr 1975 begann von Oehsen, an der Universität Bremen Sportwissenschaften und Germanistik fürs Lehramt zu studieren. Ende der 70er-Jahre habe sie die Hochschulsport Karate an der Uni mit aus der Taufe gehoben. Mehr noch: Beim TV Eiche Horn hat sie 1984 die Karateabteilung wieder mitaufgebaut, die zuvor nach ein paar Jahren zusammengebrochen war, berichtet von Oehsen. Seitdem ist sie in Horn als Karatetrainerin tätig, unterrichtet jeden Sonntagmorgen eine Gruppe von Trainern mit höheren Gürteln. Zehn bis 15 ihrer „Schüler”, wie von Oehsen sie nennt, kämen regelmäßig zu der Einheiten.

Karate ist eine Männer-Domäne

Karate ist im Allgemeinen eine Männer-Domäne. „Um die 30 Prozent Frauen, 70 Prozent Männer üben diesen Sport aus”, sagt von Oehsen. Diese Domäne spiegele sich auch bei diesen sonntäglichen Trainingssitzungen wider. „Wenn sich da mal eine Frau verirrt, hat sie aber auch einen braunen Gürtel. Der höchste ist der schwarze.” Ihr Training ist sehr detailliert, viele Feinheiten würden schließlich „erst die Trainer ab dem schwarzen Gürtel” verstehen. Vor allem ihre männlichen Kollegen aus ganz Deutschland sind von ihrer erfolgreichen Prüfung beeindruckt. „Der achte Dan ist auch für die Herren eine große Nummer“, sagt sie. „Er wird schon anders zur Kenntnis genommen als der siebte. Nur wenige haben den.” Sie fügt hinzu: „Bereits ab dem sechsten Dan sticht man aus der Masse hervor. Je höher man kommt, desto besonderer wird es. Man hebt sich etwas ab.”

Abheben möchte sie sich aber nicht von ihren Karate-Kolleginnen. „Die Frauen müssen unbedingt nachziehen. Es wäre toll, wenn mehr Frauen das könnten”, erhofft sich die 60-Jährige, die im Alter von 32 Jahren ihren letzten Karate-Wettkampf bestritt und unter der Woche bis zu dreimal trainiert.

Ans Aufhören denkt Elke von Oehsen nicht. Wie lange sie diesen Sport noch betreiben möchte? „Solange ich den Leuten noch etwas zu sagen habe und sie auch zu meinem Training kommen”, sagt sie und lacht wieder.

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