Basketball-Bundesliga

Eisbären als Wundertüte

Neue Strukturen und acht neue Spieler: Bei den Eisbären Bremerhaven hat sich einiges verändert. Cheftrainer Arne Woltmann blickt dem Saisonstart am Freitag positiv entgegen. Doch wie stark ist die Mannschaft?
26.09.2018, 18:29
Lesedauer: 4 Min
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Eisbären als Wundertüte
Von Frank Büter
Eisbären als Wundertüte

Er weiß, was er tut: Cheftrainer Arne Woltmann freut sich auf die neue Saison mit den Eisbären.

Christina Kuhaupt

So etwas, hatte Wolfgang Grube betont, so etwas „will hier keiner noch mal erleben“. Diese Zittersaison der Eisbären Bremerhaven in der Basketball-Bundesliga hatte dem Geschäftsführer reichlich Nerven gekostet. Ihm und allen Verantwortlichen auf Klubseite und nicht zuletzt auch den Fans. Eine Zittersaison mit einem Trainerrauswurf kurz vor Weihnachten, einem Personalwechsel auf Geschäftsführerebene im Januar.

Und mit einem Happy End am 1. Mai, am Tag der Arbeit passenderweise, als die Eisbären mit ganz viel Glück doch noch den Klassenerhalt feiern durften. Spieler, Anhänger, Offizielle – sie alle jubelten gemeinsam, als der über Monate drohende Abstieg in die Pro A in buchstäblich letzter Sekunde abgewendet wurde. Dieser letzte Spieltag der Saison 2017/18 war ein emotional starker Schlussakkord, der zugleich den Auftakt in eine Ära der Erneuerung markiert.

Denn seither hat sich bei den Eisbären Bremerhaven viel verändert, sehr viel sogar. Strukturell, aber auch personell. Wolfgang Grube, seit Januar nicht nur Gesellschafter, sondern auch Geschäftsführer des Klubs, hat seiner Ankündigung, jeden Stein umdrehen und die anhaltende sportliche Stagnation beenden zu wollen, in den zurückliegenden Wochen Taten folgen lassen.

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„Ich möchte auch wieder besser schlafen“, sagte Grube, als er das neue Eisbären-Konzept vorgestellt hat. Ein Konzept, das neue Partner wie die DME Sports Academy mit Sitz in Daytona Beach/Florida und neue Strukturen wie die erstmalige Inthronisierung eines Sportdirektors beinhaltet. Dieser neue Sportdirektor heißt Dan Panaggio.

Er ist Inhaber der besagten Akademie, die nicht nur Partner, sondern auch Mitgesellschafter ist und entsprechend Mitspracherecht hat. Der NBA-erfahrene Sportdirektor berät die Eisbären. Panaggio ist das Bindeglied zwischen Management und Trainer – und er hat auch maßgeblich an der Zusammenstellung des Kaders mitgewirkt.

Zehn Spieler haben die Eisbären im Aufgebot, darunter mit Adrian Breitlauch und Fabian Bleck nur noch zwei aus der Vorsaison. Seit dem Trainingsauftakt am 13. August musste Headcoach Arne Woltmann also acht Neuzugänge integrieren, von denen fünf auch dank der Vermittlung von Dan Panaggio den Weg nach Bremerhaven fanden.

Kaderplanung ist beendet

Die jüngste Neuverpflichtung ist Darnell Jackson: Der 32-jährige Amerikaner, der mit der Empfehlung von 138 Einsätzen in der NBA aufwarten kann, stieg erst am Montag vergangener Woche ins Training ein. Da die sechs Kontingentplätze im Kader zu dem Zeitpunkt bereits belegt waren, die Eisbären aber nicht mit sieben ausländischen Spielern in die Saison gehen wollten, musste kurzfristig also noch ein Akteur aussortiert werden.

Getroffen hat es den vom italienischen Zweitligisten Bertram Tortona verpflichteten Litauer Paulius Sorokas, der im Verlauf der Vorbereitung die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. Die Kaderplanung der Eisbären ist damit beendet. Doch was ist das für ein Team, das an diesem Freitag mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger Crailsheim Merlins (20.30 Uhr/Stadthalle Bremerhaven) in die neue Saison startet?

Cheftrainer Arne Woltmann lächelt bei dieser Frage verschmitzt. Der 43-Jährige war im vergangenen Sommer eigentlich als Rathjen-Nachfolger für den Geschäftsführerposten in seine Heimatstadt Bremerhaven geholt worden, hatte dann aber im Dezember den glücklosen Sebastian Machowski auf der Trainerbank abgelöst.

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Und eben dort zeichnet Woltmann nun auch weiterhin verantwortlich. Er sei dankbar für die Erfahrung, die er in der Rolle des Geschäftsführers sammeln durfte, betont Woltmann, sagt aber auch: „Ich fühle mich als Trainer deutlich wohler, das ist das, was ich seit Jahren gemacht habe, da weiß ich genau, was ich tue.“ Arne Woltmann weiß natürlich auch ganz genau, was er in den vergangenen Wochen getan hat, um den personellen Umbruch zu bewerkstelligen und eine schlagkräftige Mannschaft zu formen.

Dieser Prozess, sagt der Trainer, sei nicht mit der Vorbereitung abgeschlossen. Er vergleicht diese Trainingsarbeit gern mit einem Puzzle. Den Rahmen habe man zusammen – und jetzt gelte es, das Bild mit den einzelnen Puzzleteilen auszufüllen. Einige Automatismen greifen bereits, schildert Woltmann, „das ist schon mal ganz okay“.

Ein großes Überraschungsei

Ganz okay also. Vor allem offensiv, das haben die Testspiele gezeigt. 90 Punkte und mehr waren dort keine Seltenheit. Defensiv aber – auch das wurde deutlich – müssen die Eisbären noch zulegen. Ein ganz wichtiger Baustein ist dabei eben jener Darnell Jackson. Weil Jackson reichlich Erfahrung mitbringt. Weil er verbal präsent ist. Weil er die Nebenleute dirigiert und in die richtigen Positionen bringt. „Das macht er super – und das haben wir gebraucht“, sagt Woltmann. „Darnell Jackson ist das Puzzleteil, das uns am Anfang der Vorbereitung noch gefehlt hat.“

Dieses Eisbärenpuzzle, es ist mit Blick auf den Ligastart wie eine Wundertüte. Ein großes Überraschungsei quasi. Worauf sich die Fans freuen dürfen? Wie groß die Qualität im Kader ist? Arne Woltmann lächelt erneut – und beginnt beinahe schwärmerisch, einzelne Akteure zu beschreiben. Chris Warren etwa, den neuen Point Guard, der der Motor des Teams sein soll. Oder Jordan Brangers, dem er eine beachtliche Karriere prognostiziert, wenn die Lernkurve weiter so steil nach oben zeigt. Oder Elston Turner, Keith Benson, Kris Jenkins... „Wir sind breiter und besser aufgestellt als in der Vorsaison“, urteilt Woltmann. „Diese Mannschaft hat das Potenzial und die Qualität, um auch überraschen zu können.“

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