Platz zwei in der ProA-Hinrunde

Eisbären Bremerhaven kämpfen um die Bundesliga-Rückkehr

Die Eisbären Bremerhaven kämpfen um die Bundesliga Rückkehr – und machen ziemlich viel richtig dabei. Ein Doppel-Heimspieltag steht am kommenden Wochenende an.
06.01.2020, 19:46
Lesedauer: 4 Min
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Eisbären Bremerhaven kämpfen um die Bundesliga-Rückkehr
Von Mathias Sonnenberg

Seit 2014 ist Nils Ruttmann jetzt schon ein Eisbär. Der wird als furchtlos beschrieben, als Tier mit viel Herzenswärme und Selbstheilungskräften, um den harten Bedingungen da draußen in der Welt zu trotzen. Drei Eigenschaften, die man auch Ruttmann nicht absprechen kann. Denn wer bei den Eisbären Bremerhaven im September vergangenen Jahres als Geschäftsführer anheuerte, der musste schon ein Stück weit furchtlos sein und auf Selbstheilung hoffen, um diesen doch ziemlich runtergekommenen Bundesliga-Absteiger wieder zum Leben erwecken zu wollen.

„Eine Riesenherausforderung“ nannte Ruttmann den Neuaufbau in der Pro A, der zweithöchsten deutschen Basketball-Liga. Die ist es vier Monate später immer noch. Aber Ruttmann fügt an, dass es jetzt Tage im Büro gebe, an denen ziemlich viele Menschen ziemlich gute Laune hätten. Die Hinrunde ist für die Eisbären gelaufen, und sie ist gut gelaufen. „13:3“, sagt Ruttmann und meint damit: 13 Siege, drei Niederlagen, macht zur Halbzeit der Pro A Platz zwei für die Eisbären. „Das hatten wir eine Ewigkeit nicht mehr“, sagt er.

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Okay, es sei zwar nur die zweite Liga, aber weil Erfolg eben einfach sexy ist, scheinen viele Bremerhavener ihre Eisbären wieder lieb zu haben. Zumindest weist das die Zuschauer-Statistik aus. Beim Heimsieg über Kirchheim kurz vor Jahresende saßen mehr als 1600 Zuschauer in der Stadthalle, fast doppelt so viele wie zu Beginn der Saison. Ruttmann ist kein dramatischer Mensch, seine Analyse über Fall und Wiederauferstehung der Eisbären trägt er ohne Pathos vor.

Nur wenn es um den Saisonstart geht, greift er schon mal ins drastischere Vokabular. „Wir lagen am Boden“, sagt er und meint damit die Beziehung zu den Fans. Eine Zuschauer-­Basis für Basketball habe es immer in Bremerhaven gegeben, auch nach dem Abstieg aus der Bundesliga. Aber wie groß die sein würde, tja, da habe es keine verlässlichen Zahlen gegeben.

Also kalkulierte Ruttmann mit einer Zahl im „kleinsten vierstelligen Bereich“. Es habe ja schon diverse Beispiele gegeben, wie Basketball-Vereine mit viel zu hohen Zuschauer-Zahlen hantierten, um dann in der laufenden Saison ins finanzielle Aus zu rutschen. „Wir wollten vorsichtig kalkulieren.“ Jetzt, zum Ende der Hinrunde, haben durchschnittlich 1196 Zuschauer die Heimspiele gesehen – Tendenz steigend.

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Es sind Zwischenschritte wie diese, die Ruttmann zeigen, dass es funktioniert. Also, dass Basketball und Bremerhaven funktionieren. Auch nach einer Saison, die die Nerven aller Beteiligten strapazierte bis zum Gehtnichtmehr. Nach der viele Experten sicher waren: Der Klub wird über kurz oder lang nur noch abgewickelt. Danach sieht es jetzt nicht mehr aus. Und Ruttmann macht dafür drei Faktoren verantwortlich. Erstens seien die Charaktere der Mannschaft, also die Spieler, sehr nahbar und sehr fröhlich. „Die gehen nach dem Spiel hoch in den Fanblock, suchen das Gespräch und sind fern von irgendwelchen Starallüren.“

Die Spieler seien mit den Fans immer in Kontakt, auch über die Social-Media-Kanäle, „und im Supermarkt sind sie auch ansprechbar“. Das sei wichtig in einer überschaubar großen Stadt wie Bremerhaven. Zweitens seien die Spieler Persönlichkeiten, bei denen die Fans das Gefühl hätten, dass sich jeder reinhänge für den Erfolg. „Der Einsatz stimmt, die Emotionen stimmen, die Identifikation stimmt. Da ist keiner dabei, der nur für ein Jahr auf Durchreise zu uns gekommen ist“, sagt Ruttmann.

Und dritter Faktor sei der Trainer. Michael Mai konnte im Frühjahr zwar nicht den Abstieg verhindern, fand aber auf Anhieb einen Draht zu Spielern und Fans. „Es war schnell eine Handschrift erkennbar, wie Michael Basketball spielen lassen will“, sagt Ruttmann über den amerikanischen Coach. Und die habe eben Mannschaft und Umfeld begeistert. „Michael hat einfach sehr viel Erfahrung, die hilft uns in dieser Situation.“ Alle drei Faktoren hätten dazu geführt, dass in Bremerhaven und auch auf der Geschäftsstelle am Amerikaring „eine gefühlte Aufbruchstimmung“ herrsche.

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Wie lang die anhält und wo sie womöglich endet, das mag Ruttmann nicht zu sagen. Denn in der Pro A gibt es keine Direktaufsteiger in die Bundesliga, Mitte April entscheiden die Play-offs, wer den Sprung in die Erstklassigkeit schafft. Dann wollen die Eisbären dabei sein. Und wenn die Bundesliga-Rückkehr nicht klappt? Über Eventualitäten spricht Ruttmann nicht so gern, aber er schließt aus, dass der Klub in dieser Saison finanziell ins Risiko gegangen sei, um die Bundesliga-Rückkehr quasi zu erzwingen. „Wir könnten in dieser finanziellen Konstellation und mit allen Spielern auch ein zweites Jahr in der Pro A spielen, das wäre finanziell kein Wagnis.“ Genau deshalb habe man den Kader von 14 auf neun Profis reduziert und mit Nachwuchsspielern ergänzt. „Das symbolisiert unsere Idee“, sagt Ruttmann.

Denn der Eisbären-Geschäftsführer ist auch als Sanierer gefragt. 650 000 Euro Schulden hatten die Eisbären zu Saisonbeginn. Und Ruttmann gibt zu, dass die „nicht signifikant zurückgegangen sind“. Aber immerhin sei der Finanzierungsplan zur Entschuldung jetzt quasi abgeschlossen. „Wir müssen weiter sanieren, daran führt kein Weg vorbei, das ist alternativlos“, sagt Ruttmann. In der ersten Liga wird schon jetzt ein positives Eigenkapital von 250 000 Euro verlangt, auch die Pro A strebt ein ähnliches Konstrukt in drei Jahren an. Und so sehr sich Ruttmann jetzt auch über die Hinrunde freut, über die Fans, die Punkte, die Emotionen – er weiß: Ein Eisbär muss in erster Linie furchtlos sein, um sein Überleben in der Zukunft zu sichern.

Info

Zur Sache

Zwei Heimspiele in drei Tagen

Der Spielplan der Pro A führt in dieser Saison mitunter zu merkwürdigen Konstellationen. „Es gibt ideale und weniger ideale Spieltage“, sagt Eisbären-Geschäftsführer Nils Ruttmann, und das ist noch nett ausgedrückt. Zwischen Oktober und Dezember hatten die Bremerhavener über sechs Wochen lang kein Heimspiel. Am kommenden Wochenende aber spielen die Eisbären innerhalb von 46 Stunden gleich zweimal in der eigenen Halle. Erst geht es am Freitag gegen die Rostock Seawolves (19.30 Uhr), gegen die es in der Hinrunde eine 74:84-Niederlage gab. Am Sonntag kommen die Nürnberg Falcons nach Bremerhaven (17.30 Uhr).

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