Die Eisbären Bremerhaven sind in Quarantäne

Kettenreaktion unter den Körben

Die Eisbären werden nicht spielen an diesem Freitag, sie sind in Quarantäne, zwei von ihnen haben sich angesteckt – wahrscheinlich beim Basketball. Eine Geschichte mit Vorgeschichte. .
12.11.2020, 13:01
Lesedauer: 3 Min
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Kettenreaktion unter den Körben
Von Olaf Dorow
Kettenreaktion unter den Körben

Das Spiel der Eisbären Bremerhaven am Freitag wurde wegen zwei Corona-Fällen abgesagt.

Sven Peter (Hansepixx)

Sie sind Tabellenführer. Die Bilanz ist makellos. Fünf Spiele, fünf Siege. Auf Spiel Nummer sechs hatten sie sich gefreut, der ehemalige Kapitän der Eisbären Bremerhaven, Adrian Breitlauch, hätte mit seinen Artland Dragons zum Duell in der Pro A, der zweiten Basketball-Bundesliga, kommen sollen. Hätte. Aus der Partie, angesetzt für diesen Freitag 19.30 Uhr, wird nichts. Für die Eisbären wird es wohl frühestens Ende des Monats wieder etwas. Alle Spieler, dazu etliche Betreuer, befinden sich seit Donnerstag in Quarantäne. Zwei Spieler wurden positiv auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet, einer von ihnen zeigt grippeähnliche Symptome.

Die Geschichte hinter dieser bedauerlichen Corona-Nachricht klingt, auch leider, nach mehr als nur einem weiteren Fall. Sie führt vor, wie schmal der Grat ist, auf dem viele seit Monaten wandeln. Was das für eine Herausforderung ist, ähnlich einer Quadratur des Kreises: der Versuch, die Gesundheit zu schützen, ohne Strukturen oder gar Existenzen zu vernichten.

Bisher nur Einzelfälle in der Pro A

Die Chronologie der Ereignisse stellt sich in diesem Fall ungefähr so dar: Am vergangenen Freitag erhielt Chris Harris, einst Eisbären-Coach beziehungsweise Co-Trainer und seit zwei Jahren Cheftrainer der Phoenix Hagen, sein Testergebnis. Positiv. Quarantäne. Ein weiterer positiver Befund in der Pro A. Immer wieder war das vorgekommen und hatte auch zu Spielverlegungen geführt. Es war bei Einzelfällen geblieben. Diesmal muss wohl eher von einer Kettenreaktion gesprochen werden.

Die Mannschaft von Chris Harris trat dann am Freitagabend in Nürnberg an, bei den Nürnberg Falcons. Schnelltests vor dem Spiel seien bei den Hagenern negativ ausgefallen, berichtet das Online-Portal nordbayern.de. Dennoch hätten die Beteiligten um eine Verlegung gebeten. Dies sei von der Pro A unter Berufung auf das Hagener Gesundheitsamt jedoch abgelehnt worden. Es wurde gespielt, Nürnberg siegte. Zwei Tage später verlor Nürnberg. Zum Doppelspieltag waren die Bremerhavener gekommen.

Auch Busfahrer und Betreuer betroffen

In den Tagen nach dem Doppelspieltag geriet die sportliche Auswertung desselben schnell in den Hintergrund. Hagen testete: sieben positive Fälle. Nürnberg testete: zehn positive Fälle. Bremerhaven testete: zwei Fälle. Quarantäne allüberall. In Bremerhaven hat das Gesundheitsamt zunächst 14 Tage Isolierung angeordnet. Betroffen ist nicht nur die Mannschaft und der Trainerstab. Auch der Busfahrer und weitere Betreuer, die in Nürnberg waren, müssen sich selbst aus dem Verkehr ziehen. Am Dienstag werde, so teilt es Geschäftsführer Nils Ruttmann mit, erneut getestet, das Ergebnis liegt wahrscheinlich einen Tag später vor. Aber selbst im besten Fall, wenn alle Tests negativ ausfallen würden und abzüglich der beiden jetzt erkrankten Profis alle wieder trainieren dürften, würde die Zeit bis zum darauf folgenden Spieltag nicht ausreichen. Für den Sonnabend, 21. November, ist das Spiel in Trier angesetzt. Die Liga schreibe vor, dass vier volle Tage vor der Ansetzung trainiert werden dürfte. Das ist nicht zu schaffen. Auch das Spiel in Trier wird nach Lage der Dinge verschoben werden müssen.

Die Inkubation der Eisbären habe allem Anschein nach in Nürnberg stattgefunden, sagt Ruttmann. Hagen steckt Nürnberg an, Nürnberg steckt Bremerhaven an, diese fatale Verkettung liegt nahe – und lässt den Blick ganz automatisch auf die Ansetzung von Doppelspieltagen wandern. Wie es ausschaut, liegt eine erhöhte Gefahr in ihnen. Die Pause zwischen den Spielen ist bei ihnen kürzer als die Inkubationszeit, die beim Corona-Virus angenommen wird. Drei bis fünf Tage. „Eine Idee wäre, die Doppelspieltage wegzulassen“, sagt Ruttmann. Zumal die Tests nicht jene Garantie geben können, die einer Impfung gleichkäme. Erst recht nicht, wenn in der zweiten Basketball-Liga, anders als in der ersten, nach der Testung vor Saisonstart und außerhalb der An- und Abreise-Tests keine regelmäßigen Kontrollen vorgeschrieben sind. Sie liegen in der Eigenverantwortung der Klubs.

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Wer auf die Homepages der Klubs aus Nürnberg und Hagen schaut oder mit Nils Ruttmann telefoniert, findet eine sehr hohe Eigenverantwortung. In Hagen sind die Spieler angeblich auch am Montag vergangener Woche ohne Auffälligkeiten getestet worden, ehe am Mittwoch Trainer Harris Symptome zeigte.

In Bremerhaven, sagt Nils Ruttmann, sei man unabhängig von den Liga-Vorgaben vorgegangen. Amtsarzt Ronny Möckel sei in der Eisbären-Homebase am Amerikaring gewesen und habe beraten. Fünf zusätzliche Testbatterien habe es bereits gegeben, einige Spieler seien nach Verdachtsfällen in ihrem privaten Umfeld noch häufiger getestet worden. Nie ein Vorfall. Jetzt ein Vorfall, der nach Domino-Effekt aussieht. Mit der großen Hoffnung, dass niemand gesundheitlichen Schaden nimmt. Es ist ein Vorfall, der in den Hintergrund drängt, wie das Wiedersehen der Eisbären mit ihrem einstigen Publikumsliebling und Sympathieträger ausgefallen wäre. Kein Fan hätte vor Ort sein dürfen.

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