Basketball-Bundesliga Eisbären Bremerhaven steigen aus Bundesliga ab

Nach der 87:90-Pleite beim Mitteldeutschen BC war es vorbei für die Eisbären Bremerhaven. Da Abstiegs-Konkurrent Merlins Crailsheim überraschend siegte, steigen die Eisbären nach 14 Jahren aus der Bundesliga ab.
12.05.2019, 20:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Büter

Das schlimmste Szenario ist eingetreten: Konkurrent Crailsheim Merlins bezwingt den Tabellenzweiten Oldenburg, die Eisbären Bremerhaven verlieren parallel das letzte Saisonspiel der Basketball-Bundesliga beim Mitteldeutschen BC mit 87:90 (38:42) – und steigen nach der nicht erteilten Lizenz nun auch sportlich in die Pro A ab. In der Schlusssekunde hatte Spielmacher Chris Warren noch einen Dreier versucht, um die Verlängerung zu erzwingen, doch der Wurf verfehlte das Ziel. Danach war Party pur. Allerdings nur beim gastgebenden MBC, der sich von seinen 3000 Zuschauern frenetisch für diesen zehnten Saisonsieg und den Verbleib in Liga eins feiern ließ. Liveband vor der Stadthalle, dazu zehn Fässer Freibier – es sollte eine feuchtfröhliche Abschlussfeier werden.

Auf die Eisbären wartete derweil noch eine rund sechsstündige Heimfahrt. Diese letzte Auswärtsreise nach nunmehr 14 Erstligajahren hatte es in sich gehabt. Erst gab’s am Freitag in Berlin nach Verlängerung eine knappe 104:107-Niederlage, und nun diese Pleite in Weißenfels. Nach der bitteren Heimniederlage am Vorwochenende gegen Frankfurt war es der dritte Matchball, den Bremerhaven nicht zum Klassenerhalt hatte nutzen können. Mit hängenden Köpfen schlichen die Eisbärenprofis aus der Halle. „Im Moment ist da einfach nur eine große Leere im Kopf“, sagte Kapitän Fabian Bleck. „Es ist sehr enttäuschend für den Verein. Und für die Fans, die alles gegeben haben. Die ganze Saison schon und jetzt auch an diesem Wochenende.“

Teamkamerad Adrian Breitlauch, der vor dem Gang in die Kabine noch die treuen und traurigen Anhänger vom mitgereisten Fanklub „Eisbären-Power“ abgeklatscht hatte, haderte ebenso wie Bleck mit den verpassten Chancen. „Auch hier war heute mehr drin gewesen, der MBC war schlagbar. Aber wir sind nicht ans Leistungsmaximum gekommen.“ Über Spielstände des Konkurrenten Crailsheim sei man nicht informiert gewesen, sagte Breitlauch, doch drei Minuten vor Schluss habe er sich mal umgedreht zum Fanblock – „und extrem ernste Gesichter auf der Tribüne gesehen“. Da habe er sich schon denken können, „dass es nicht nach Plan läuft“, so Breitlauch. Der Abstieg „tut weh“, sagte er auch. „Tut weh für Bremerhaven, tut weh für die Eisbären, tut weh für unseren Standort.“

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Eisbärentrainer Michael Mai, im Saisonverlauf nach Arne Woltmann und Dan Panaggio Coach Nummer drei, war ebenfalls „sehr enttäuscht“. Beinahe hätte er die schwere Mission noch zu einem guten Ende geführt – rein sportlich betrachtet. Mai hatte das Team, das seit Ende Dezember auf einem Abstiegsplatz rangierte, mit fünf Siegen zwischenzeitlich wieder auf einen Nichtabstiegsplatz geführt. Jetzt aber gab es doch kein Happy End. „Ich bin aber trotzdem stolz auf meine Jungs, sie haben an diesem Wochenende wirklich gekämpft. Leider hatten wir in beiden Spielen, in Berlin und hier beim MBC, in den letzten Minuten zu viele defensive Defizite. Das hat den Unterschied gemacht.“ Und den Abstieg letztlich besiegelt.

Sportlich ist damit also belegt, was der ­Lizenzligaausschuss der BBL zuvor bereits verkündet hatte. Die Eisbären sind nicht mehr erstklassig. Aufgrund eines fehlenden positiven Eigenkapitals in Höhe von 250 000 Euro hatte die BBL dem Klub die Lizenz für die kommende Saison verweigert. Gegen diese Entscheidung hatten die Eisbären eigentlich Widerspruch einlegen wollen. Sie hatten Anwälte zu Rate gezogen. Hatten über das Wochenende viel Arbeit in die Ausarbeitung des Berufungsschreibens gelegt – „doch die Berufung ist nun hinfällig“, sagte Eisbären-Geschäftsführer Marc Bergmann. „Die Kosten können wir uns sparen.“

Die BBL ist jetzt Geschichte. Jetzt müssen sich die Verantwortlichen um den geschäftsführenden Gesellschafter Wolfgang Grube mit den Planungen für die Pro A auseinandersetzen. Immerhin hat der Verein am vergangenen Freitag die Lizenz für Liga zwei bekommen, wenn auch nur unter Auflagen. „Wir müssen den Finanzplan einhalten und Sponsorennachweise erbringen“, erläuterte Marc Bergmann vor dem Hintergrund, dass „mehrere Sponsoren ihre Zusage nur für die Bundesliga gegeben haben“.

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Man ahnt: Es kommt einiges an Arbeit auf die Eisbären-Verantwortlichen zu. In den nächsten Tagen, kündigte Bergmann an, womöglich schon ab Dienstag, wolle man mit den Spielern des aktuellen Kaders sprechen. Und natürlich geht es auch um die Frage: Wer trainiert die Eisbären in der neuen Saison? ­Michael Mai habe sich durch seine gute Arbeit sicherlich empfohlen, „wir sind happy, dass wir ihn haben“, sagte Bergmann. Doch ob Mai bleibt?

Eisbären Bremerhaven: Warren (17), Moore (11), Canty (3), Breitlauch (6), Wimberg, Bleck (14), Moten (4), Turner (14), Summers, Benson (18).

+++Dieser Text wurde um 5.59 Uhr aktualisiert+++

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