Basketball-Bundesliga

Eisbären erhalten die Quittung

Die Eisbären haben im Saisonverlauf in personeller Hinsicht zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Der Abstieg in die Pro A ist die Quittung für eine Spielzeit, die von vielen Turbulenzen geprägt war.
13.05.2019, 17:17
Lesedauer: 4 Min
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Eisbären erhalten die Quittung
Von Frank Büter
Eisbären erhalten die Quittung

Auch seine Zukunft ist ungewiss: Eisbären-Trainer Michael Mai braucht erstmal ein paar Tage Abstand.

ANDREAS BEZ

Erst keine Lizenz und nun auch noch der sportliche Abstieg aus der Basketball-Bundesliga: Die Eisbären Bremerhaven stehen vor einem Scherbenhaufen. „Wir haben die verdiente Quittung bekommen für eine Saison, die von ziemlich vielen Turbulenzen geprägt war“, sagt Eisbären-Spieler Adrian Breitlauch. Eine Saison, in der die Eisbären zweimal den Trainer gewechselt haben.

In der mit Gilbert Brown, Darious Moten, Durrell Summers und Armani Moore vier Spieler nachverpflichtet wurden. In der mit Jordan Brangers, Kris Jenkins und Brown drei Spieler wieder aussortiert wurden. In der das Team zwischenzeitlich 16 Partien in Folge verloren hat – und trotzdem bis zum Ende noch auf den sportlichen Verbleib hoffen durfte. Gereicht hat es nicht, seit Sonntagabend ist klar: Die Eisbären müssen wir für die Pro A planen.

Ein Szenario, das die Klub-Verantwortlichen hart getroffen hat. „Wir haben für die erste Liga geplant“, sagt Geschäftsführer Marc Bergmann. Planungen, die jetzt komplett hinfällig sind. Der Klub benötigt einen Plan B, dringend. Der Abstieg, sagt Adrian Breitlauch auch, „gibt dem Verein die Chance, neu aufzubauen und neue Strukturen zu schaffen, nachdem die vergangenen Jahre bei den Eisbären nicht perfekt gelaufen sind“.

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Neue Strukturen hatten die Eisbären bereits im vergangenen Sommer schaffen wollen. Nach Jahren des Abstiegskampfes und der Stagnation hatte es eine Spielzeit in ruhigem Fahrwasser werden sollen. Die vom geschäftsführenden Gesellschafter Wolfgang Grube in die Wege geleitete und zunächst bundesweit viel beachtete Partnerschaft mit der DME Sports Academy in Daytona Beach/Florida sollte dem Klub neue Möglichkeiten eröffnen. Personell und auch in puncto Ausbildung. Akademie-Betreiber Dan Panaggio wurde als Sportdirektor inthronisiert, er hatte quasi freie Hand bei der Zusammenstellung des Spielerkaders.

Ein Kader, der aber nicht gleich funktionierte. Nicht funktionieren konnte, da die von Panaggio nach Bremerhaven vermittelten Amerikaner nicht fit waren oder zuvor nicht auf diesem Niveau gespielt hatten. Trainer Arne Woltmann schaffte mit diesem Team dennoch einen passablen Start mit drei Siegen in sechs Spielen, weckte damit bei den Verantwortlichen aber offenbar auch Begehrlichkeiten, die in der Folge nicht erfüllt wurden.

Ungeduld machte sich breit – und Headcoach Woltmann wurde durch den NBA-erfahrenen Dan Panaggio ersetzt. Rückblickend betrachtet ein großer Fehler, sagt auch Wolfgang Grube: „Er hat die Liga unterschätzt.“ Es hagelte elf Niederlagen in Folge, ehe Panaggio von sich aus den Fehler korrigierte und als Coach zurücktrat.

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„Man muss das jetzt richtig einordnen und analysieren, vor allem auch diese mittlere Saisonphase“, sagt Fabian Bleck. Grundsätzlich aber sucht der Kapitän die Gründe für den Abstieg nicht bei anderen, sondern sagt mit Blick auf die Mannschaft: „Wir haben es selbst verbockt.“ Denn in der Endphase der Saison habe man mehrere Spiele in den letzten Sekunden abgeschenkt, man habe es in der Hand gehabt, die Klasse sportlich zu halten.

Der Garant dafür, dass die Eisbären im Abstiegskampf überhaupt nochmal Hoffnung schöpfen durften, war Panaggio-Nachfolger Michael Mai. „Ich habe immer gesagt, dass diese Mannschaft Potenzial hat“, sagt Wolfgang Grube. „Leider konnten die beiden vorherigen Trainer dieses Potenzial nicht wecken – warum auch immer.“ Mai indes schaffte es, das Team in die Erfolgsspur zurückzuführen. Weil er das System komplett veränderte, anpasste. Den Draht zu den Spielern fand. „Da hat man gesehen, was in der Mannschaft gesteckt hat. Hätten wir diesen Basketball früher gespielt, hätten wir mit dem Abstieg nichts zu tun gehabt“, sagt Kapitän Bleck.

Alles neu macht der Mai? Nein! Denn obwohl die Eisbären in den vergangenen Wochen phasenweise wie ein Play-off-Anwärter spielten, obwohl sie eine Serie mit fünf Heimsiegen in Folge hinlegten und ihr Publikum nach langer Durststrecke mal wieder begeisterten, hat es am Ende nach mehreren vergebenen Matchbällen nicht gereicht. „Das ist wirklich hart“, sagt Michael Mai.

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„Schlechter hätte dieses Wochenende für Bremerhaven nicht laufen können.“ Der 44-Jährige hat fraglos einen guten Job gemacht – doch ob ein Verbleib bei den Eisbären für ihn eine Option ist, lässt Mai zu diesem Zeitpunkt offen. Er brauche zunächst ein paar Tage Zeit, um das Ganze sacken zu lassen. Um Abstand zu gewinnen. Dann werde er mit seinem Agenten und den Klub-Verantwortlichen Grube und Panaggio sprechen. Auf jeden Fall, sagt Michael Mai, habe er eine gute Zeit gehabt in Bremerhaven, „ich bin dankbar für das Vertrauen“.

Geschäftsführer Marc Bergmann wiederum macht kein Geheimnis daraus, dass man gerne mit Mai verlängern würde. „Wir werden uns zeitnah mit ihm zusammensetzen“, sagt Bergmann. Die Trainerpersonalie ist indes nur einer von vielen Punkten Auf der To-do-Liste der Eisbären. Sie müssen sich für die Pro A einen neuen Kader basteln. Sie müssen ihren Etat absichern – was schwer genug wird, da mehrere Sponsoren ihre Unterstützung bisher nur für die Bundesliga zugesagt hatten.

Die verweigerte Lizenz war der erste Schock, der sportlich verpasste Klassenerhalt, der auch die geplante Berufung hinfällig gemacht hat, der zweite. Viel Zeit, die Wunden zu lecken, haben die Eisbären aber nicht. Man wolle jetzt alles in Ruhe besprechen, kündigt Wolfgang Grube an. Er setzt dabei weiter auf die Zusammenarbeit mit Dan Panaggio. „Die Partnerschaft ist Liga-unabhängig“, bestätigt Marc Bergmann. Allerdings weiß Grube auch: „Da ist ziemlich viel schief gelaufen. Wir haben zugegebenermaßen Fehler gemacht, die wir künftig vermeiden müssen.“

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"Die Oldenburger lieferten mit einer überraschend hohen 87:99-Niederlage eine blamable sowie wettbewerbsverzerrende Vorstellung ab und gaben somit ein klares Statement gegen den Nachbarn aus dem Norden ab", heißt es in einer Pressemitteilung der Eisbären. Ein Vorwurf, den der Tabellenzweite aus Oldenburg in einer Klubmitteilung aufs Schärfste zurückweist: „Die Bremerhavener tun gut daran, den Finger nicht auf andere zu richten. Den Abstieg aus der BBL haben sie sich selber zuzuschreiben. Sie hatten es selbst in der Hand, beim MBC den sportlichen Klassenerhalt zu regeln", erklärte Hermann Schüller, der geschäftsführende Gesellschafter der EWE Baskets. "Solche Statements sind eines Erstligisten unwürdig und zudem in der Sache bodenlos und unverschämt."

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