Eishockey

Pinguins bieten gutes, ehrliches Eishockey

Starke Transfers und die viel beachtete Slowenen-Reihe haben die Fischtown Pinguins zu einem Geheimfavoriten in der Deutschen Eishockey-Liga gemacht.
11.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pinguins bieten gutes, ehrliches Eishockey
Von Frank Büter

Bremerhaven. „Bremerhaven hat ein super Team, die spielen in diesem Jahr ganz oben mit.“ Es sind Sätze wie dieser des Krefelder Spielers Phillip Kuhnekath, die den Fokus in diesen Tagen auf die Fischtown Pinguins lenken. Das Eishockeyteam aus dem Norden sorgt mit seinen Auftritten bundesweit für Aufsehen und erntet viel Anerkennung. Bereits im Vorbereitungsturnier um den Magenta-Sport-Cup haben die Pinguins mit starken Leistungen überzeugt und diesen Eindruck nun auch in der ersten Saisonphase bestätigt.

Sechs Spiele, vier Siege (in Folge), zwei Niederlagen (zum Auftakt) – mit einem Punktequotienten von 2,0 führen die Fischtown Pinguins zurzeit die Nordgruppe der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an. Eine Momentaufnahme, klar. Denn das Team aus Bremerhaven hat vorgelegt mit dem 2:0-Erfolg am Sonnabend in Krefeld. Erst an diesem Montag wird der siebte Spieltag abgeschlossen, es ist zugleich Abschluss des ersten Saisonviertels mit den Partien gegen die Nordteams. Ab Mitte März sollen dann bekanntlich noch je zwei Partien gegen die sieben Mannschaften aus der Südgruppe folgen, ehe es in die Playoffs geht.

Die Momentaufnahme macht die Fischtown Pinguins vielerorts sogar zu einem Geheimfavoriten im Titelkampf. Teammanager Alfred Prey gefällt das nicht. Er hält solche Aussagen der Konkurrenz für ein „Ablenkungsmanöver“. Angesichts des kleinen Pinguins-Kaders sei das nicht fair, wenn Klubs, die 35 Spieler unter Vertrag haben, so etwas äußern, so Prey. Man sei eng besetzt auf der Bank, „es kostet Kraft, wenn Spieler verletzt ausfallen“. Die Zielsetzung, das hat Prey zuletzt immer wieder betont, sei identisch mit den Vorjahren. „Wir wollen unseren Fans vor den Fernsehschirmen gutes, ehrliches Eishockey bieten.“

Gutes, ehrliches Eishockey – dafür steht auch Cheftrainer Thomas Popiesch. Seit Januar 2016 zeichnet der 55-Jährige am Wilhelm-Kaisen-Platz verantwortlich, sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2022. Forsche Ziele auszurufen, hat Popiesch seither stets vermieden. Gleichwohl hat er selbst Freude daran, wenn sein Team forsch auftritt und dabei auch erfolgreich spielt. „Wir sind personell nicht so breit aufgestellt, aber wenn alle gesund sind, sind wir konkurrenzfähig. Dann haben wir eine sehr, sehr gute Mannschaft, mit der wir gegen jeden Gegner mithalten können“, sagt Popiesch. „Das bedeutet aber auch, dass wir in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute 100 Prozent Energie aufs Eis bringen müssen, wenn wir uns eine Siegchance erarbeiten wollen.“

So wie zuletzt in Krefeld, wo man in Alex Friesen und Anders Krogsgaard zwei absolute Leistungsträger ersetzen musste und in einem zähen Spiel am Ende doch triumphiert hat. Überbewerten will Thomas Popiesch das bisherige Abschneiden nicht, er ist um eine Einordnung bemüht und sagt: „Alle bisherigen Spiele haben auf einem guten Niveau stattgefunden. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass es sehr eng werden wird in der Nordgruppe.“ Und außerdem, ergänzt der Trainer auch mit Blick auf die Corona-Pandemie, „ist es noch ein langer Weg. Wir wissen nicht, was in sechs, acht Wochen passieren wird.“

Passiert ist in den zurückliegenden Wochen derweil schon eine ganze Menge. Und es lohnt sich, noch einmal einen genaueren Blick darauf zu werfen. Angefangen bei der Personalpolitik und den getätigten Transfers. 23 Aktive umfasst das aktuelle Aufgebot, acht davon sind neu – und einige dieser Neuzugänge haben bereits voll eingeschlagen. Angefangen bei Goalie Brandon Maxwell (29), der bisher mit exzellenten Leistungen aufwartete und nun in Krefeld seinen ersten Shutout, sein erstes Zu-Null-Spiel feierte. In der Verteidigung ragt der dänische Nationalspieler Anders Krogsgaard hervor. Der 24-Jährige, der zuletzt aufgrund einer Fingerverletzung pausieren musste, steht bereits mit fünf Scorerpunkten zu Buche (2 Tore, 3 Vorlagen). In der Offensive sind es derweil gleich drei neue Spieler, die sich als absolute Verstärkungen entpuppt haben: Der Däne Niklas Andersen (23), der Amerikaner Mitch Wahl (30) und der Slowene Ziga Jeglic (32). Wahl beeindruckt nicht nur durch seine kreative Spielweise, sondern ist teamintern auch der beste Scorer (3/4) vor Miha Verlic (2/5). Dahinter folgen bereits Andersen und Jeglic mit je zwei Treffern und vier Vorlagen.

Mit der Verpflichtung von Jeglic ist den Fischtown Pinguins dabei ein absoluter und viel beachteter Coup gelungen. Gemeinsam mit seinen Nationalmannschaftskollegen Verlic und Jan Urbas (3/3) bildet Jeglic in Bremerhaven die erste Sturmreihe, die von der Konkurrenz beinahe schon ehrfurchtsvoll als „Slowenen-Reihe“ tituliert wird. Wie gut diese „Slowenen-Reihe“ harmoniert, wurde bereits beim Magenta-Cup deutlich, wo das Trio in Summe 13 Tore erzielte und vor allem im Überzahlspiel brillierte. Jetzt stehen zusammen schon sieben Treffer und zwölf Assists zu Buche, eine Bilanz, die den Gegnern Respekt einflößt.

Das Team um Kapitän und Dauerbrenner Mike Moore (36), von Prey zusammen mit Urbas und Verteidiger Maxime Fortunus als „Klebstoff der Mannschaft“ bezeichnet, ist somit also gut aufgestellt für diese Saison. Nur eins fehlt: die Zuschauer. „Ich vermisse die Fans immer mehr“, sagt Thomas Popiesch. „Auf Dauer macht es so keinen Spaß. Ich freue mich wahnsinnig darauf, wenn wieder Fans in der Eisarena sein dürfen.“

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