Eishockey Pinguins: Terminhatz und fehlende Tiefe

In der „Leistungsdelle“ der Fischtown Pinguins kommt die Rückkehr von Torjäger Jan Urbas genau richtig. Doch der Terminplan ist eng getaktet. Am Dienstag spielt Bremerhaven in Iserlohn.
22.02.2021, 20:46
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Pinguins: Terminhatz und fehlende Tiefe
Von Frank Büter

Bremerhaven. Jan Urbas ist zurück – und er hat die Fischtown Pinguins gleich wieder in die Erfolgsspur geführt. Vier Partien hatte der Slowene aufgrund eines positiven Coronatests nebst Quarantäne verpasst, alle vier Partien und damit auch die Tabellenführung in der DEL Gruppe Nord hatte das Bremerhavener Eishockeyteam verloren. Gegen Krefeld stand Urbas am Sonnabend wieder auf dem Eis, traf zum 3:3-Ausgleich und erzielte in der Overtime den wichtigen Treffer zum 5:4-Endstand.

„Es ist bemerkenswert, wie Jan nach seiner Pause zurückgekommen ist“, sagt Trainer Thomas Popiesch. „Das zeigt seine Klasse.“ Und es zeigt ein wenig auch die Abhängigkeit der Pinguins von ihrem schussstarken Torjäger, der trotz seiner Zwangspause mit 16 Scorerpunkten (6 Tore/10 Vorlagen) teamintern hinter seinem Landsmann Ziga Jeglic (19) auf Platz zwei liegt. „Jan ist unser Top-Player“, sagt auch Popiesch. Ein Player, der eine Ausnahmestellung einnimmt, ein Spieler, von dem andere Mannschaften drei oder vier in ihren Reihen hätten, so Popiesch über den 32-jährigen Nationalspieler, der im Sommer 2017 vom Villacher SV aus Österreich nach Bremerhaven kam und inzwischen seine vierte Saison im Pinguins-Dress absolviert.

Nun wäre es allerdings nicht richtig, die „Leistungsdelle“ (O-Ton Popiesch) ausschließlich am Fehlen von Jan Urbas festzumachen. Es sind mehrere Faktoren, die da zusammenkommen, sagt auch Thomas Popiesch. Die hohe Belastung aufgrund der engen Spielplangestaltung ist dabei ein wesentlicher Faktor, (verletzungsbedingte) Ausfälle, die der Kader mangels Breite nicht auffangen kann, ein weiterer. So müssen die Pinguins wohl noch bis Mitte März auf Ross Mauermann verzichten. Auch der Ausfall des Deutsch-Amerikaners wiegt schwer, er ist in der dritten Sturmreihe nicht gleichwertig zu ersetzen, betont der Trainer, der zuletzt auch das Fehlen von Mitch Wahl kompensieren musste.

„Wenn Spieler immer wieder in einer höheren Reihe aushelfen müssen, ist es schwer, über einen längeren Zeitraum das Leistungsniveau zu halten“, sagt Thomas Popiesch, der seit Januar 2016 am Wilhelm-Kaisen-Platz arbeitet. Beschweren will sich der Coach allerdings nicht über den im Ligavergleich eher schmalen Kader. Der Etat der Pinguins ist seit dem DEL-Aufstieg im Sommer 2016 bekanntermaßen klein, die personellen Möglichkeiten sind es entsprechend auch. Damit weiß Popiesch in seiner täglichen Arbeit indes gut umzugehen, und er lässt diesen Fakt ebenso in die Analyse einfließen wie auch die hohen Anforderungen an die Spieler selbst.

Vier Partien in neun Tagen, drei Partien in fünf Tagen oder gar zwei Partien binnen nicht einmal 48 Stunden: Der Spielplan ist durch den veränderten Modus und im Verbund mit den täglichen Liveübertragungen der Paarungen bei Magenta Sport mitunter derart eng gestrickt, dass den Eishockeycracks kaum Zeit zum Erholen bleibt. Nach einem späten Auswärtsspiel ist das Team in der Regel erst in den frühen Morgenstunden wieder zurück in Bremerhaven, die Spieler schlafen im Bus wenig oder schlecht und müssen doch zeitnah wieder zum Training aufs Eis.

„Man kann schon sehen, dass der Spielplan ein Faktor ist in unserer Liga“, sagt auch Kölns Trainer Uwe Krupp. Erst an einem Freitag, dann den Dienstag darauf hatte Krupp zuletzt mit seinen Haien gegen die Pinguins gespielt – und beide Male gewonnen. Während Köln zwischen den beiden Partien aber Pause hatte, stand für Bremerhaven sonntags noch ein Spiel gegen Düsseldorf auf dem Programm. Da habe man Bremerhaven angemerkt, dass sie etwas angeschlagen waren, so Krupp.

Thomas Popiesch hält dagegen. Er wolle nicht jammern, „die Belastung durch den Spielplan gleicht sich über die Saison hinweg aus“, sagt er. Und er sagt auch: „Es gibt immer so Phasen in einer Saison, wo es mal nicht läuft und Mannschaften Probleme haben. Da darf man nicht gleich schwarz malen.“ Also versucht der Cheftrainer derzeit alles, um sein Team wieder auf Touren zu bringen. Um die Spieler derart fit zu bekommen, dass sie wieder die nötige Energie und die gewünschte Power aufs Eis bringen können. „Das ist mein Ziel“, sagt Popiesch. Er wolle ein paar Veränderungen vornehmen, auch taktisch, um die Abläufe besser regulieren zu können. Das Spiel einfach halten, auf die Basics konzentrieren, so lautet die Devise. Als Tabellendritter sind die Fischtown Pinguins trotz der zwischenzeitlichen Durststrecke weiter auf Playoff-Kurs. Doch es gilt, diesen Platz zu untermauern. An diesem Dienstag spielt Bremerhaven bei den Iserlohn Roosters, mit Jan Urbas. Es wäre ein guter Zeitpunkt, einen Sieg nachzulegen.

Info

Zur Sache

Start der Playoffs am 20. April

Die Deutsche-Eishockey-Liga (DEL) hat den Spielplan für den zweiten Teil der Saison veröffentlicht. An 14 Spieltagen (Hin- und Rückspiel) spielen die Mannschaften der Gruppe Nord gegen die sieben Mannschaften der Gruppe Süd. Los geht es am 20. März mit der Partie zwischen den Nürnberg Ice Tigers und den Iserlohn Roosters. Die Fischtown Pinguins bestreiten ihr erstes „Süd-Spiel“ tags darauf am 21. März bei den Straubing Tigers. Die Punkte dieser 14 Partien fließen in die jeweilige Tabelle ein. Die ersten vier Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Playoff-Viertelfinale, das im Modus „Best of three“ ausgetragen wird. Das Viertelfinale wird gruppenintern gespielt, das Halbfinale dann über Kreuz. Beginn der Playoffs ist am 20. April.

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