1. Hallenhockey-Bundesliga Emily Schoen beendet Auszeit

Hockeyspielerin Emily Schoen hat ihre freiwillig genommene Auszeit beendet. Jetzt fiebert die 21-Jährige dem Start in die Hallensaison entgegen, wo sie mit dem Bremer HC erstmals in der 1. Bundesliga antritt.
27.11.2018, 17:40
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Emily Schoen beendet Auszeit
Von Frank Büter

Bremen. „Geschäftsprozesse“ lautete das Thema der Abschlussprüfung, die Emily Schoen am Dienstag geschrieben hat. An diesem Mittwoch stehen für die angehende Industriekauffrau noch zwei weitere, kleinere Prüfungsteile rund um den Bereich „Rechnungswesen“ an. „Ich bin gut vorbereitet“, sagt Emily Schoen und klingt dabei überaus fröhlich. Sie freut sich, dass die Lernphase nun vorbei ist. Endlich vorbei ist. Denn zuletzt ist sie täglich von der Arbeit aus direkt zur Klubanlage des Bremer HC gefahren, hat sich ins Vereinsheim gesetzt und vor dem Training noch in die Bücher geschaut. Jetzt kann sich die Hockeyspielerin wieder voll und ganz auf ihr Hobby konzentrieren. Denn auch dort steht für Emily Schoen eine Reifeprüfung auf dem Programm: An diesem Sonnabend startet die 21-Jährige mit dem BHC als Aufsteiger in die Premierensaison der 1. Hallen-Bundesliga Nord.

Sie sei voll motiviert, sagt Emily Schoen. Was auch daher kommt, dass sie zuletzt eine Auszeit vom Hockeysport genommen hat. Freiwillig. Nach einem furiosen ersten Halbjahr 2018 mit dem Doppelaufstieg in Halle und Feld hatte sie das Gefühl, mal eine Pause zu brauchen. „Mit wurde alles zu viel“, sagt Emily Schoen. Sie wollte mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn man nicht nur tagein, tagaus zwischen Arbeitsplatz und Hockeyplatz pendelt. Wenn man auch mal Zeit hat für die Familie, für Freunde. Wenn man an einem Wochenende auch mal spontan etwas unternehmen kann, mal wegfahren kann – ohne auf den Spielplan gucken zu müssen.

Seit ihrem fünften Lebensjahr spielt Emily Schoen bereits Hockey, zunächst beim Club zur Vahr, seit 2014 beim Bremer HC, der seinerzeit noch in der Oberliga angesiedelt war. Sie hat die steile Entwicklung der ersten Damenmannschaft quasi hautnah miterlebt. Sie war Teil des rasanten Aufstiegs bis in Liga eins, den sie selbst als „megakrass“ bezeichnet. Die selbst gewählte Auszeit, sie hat ihr gutgetan. Zumindest in den ersten fünf, sechs Wochen. Sie hat es genossen, sich die Zeit selbst einteilen zu können. „Da habe ich mal gemerkt, wie lang so ein Tag sein kann ohne Training am Abend“, sagt Emily Schoen und lacht. Doch bald war es nicht mehr schön für Emily Schoen. Im Gegenteil: „Es war grausam“, sagt die 21-Jährige. Grausam, nicht mehr Teil des Teams zu sein, das fünfmal, sechsmal pro Woche zusammenkommt. Nicht mehr Teil der Hockeyfamilie zu sein. Und deshalb, sagt Emily Schoen, sei sie froh gewesen, als die Feldrunde in die Pause ging und sie zum Start der Hallenvorbereitung wieder ins Training einsteigen konnte.

Emily Schoen liebt es nämlich, in der Halle zu spielen. Und deshalb hatte sie im Frühsommer dieses Jahres bereits mit Cheftrainer Martin Schultze vereinbart, dass sie nach der Feldrunde ihre Auszeit beenden wird. Nun brennt sie darauf, endlich Bundesligaluft zu schnuppern. So wie ihre Mannschaftskameradinnen es draußen bereits gemacht haben. „Ich habe richtig Bock auf die erste Liga“, sagt Emily Schoen. Hockey unterm Dach, das übt einen ganz besonderen Reiz auf sie aus. Weil das Spiel schneller ist. Weil Technik gefragt ist. Weil es verstärkt auf Zusammenspiel und Abstimmung ankommt. Linke Verteidigerin spielt sie. Sie hat ein gutes Stellungsspiel und ein gutes Auge für Situationen. „Emily kann ein Spiel lesen und tut der Mannschaft gut“, sagt ihr Trainer.

Dass die jüngsten Resultate zum Abschluss der Vorbereitungsphase alles andere als erfreulich waren, schreckt Emily Schoen nicht. Zehn Gegentore gab's im Test gegen Club Raffelberg, zehn Gegentore gab's auch im Test gegen den Rüsselsheimer RK. „Wir haben in den Spielen taktisch noch mal einiges ausprobiert – und jetzt sind wir schlauer“, sagt sie. Man werde hinten gut stehen, sich taktisch diszipliniert verhalten, darauf läge das Hauptaugenmerk. Weil in der Halle, in diesen zweimal 30 Minuten, extrem viel passieren könne und immer alles möglich sei, sagt Emily Schoen, sei sie auch positiv gestimmt. Die Defensivspezialistin setzt dabei vor allem auf die Heimspiele, auf die Fans, die dann ganz nah dran sind am Geschehen. „Die BHC-Halle“, sagt sie, „ist eine Festung“. Dort, so hofft sie, werde man den Grundstein legen zum Klassenerhalt. Die Auftaktpartie am Sonnabend gegen den Club an der Alster findet indes nicht in der „Festung“, sondern in der Unihalle statt. Für Emily Schoen ist das ein zusätzlicher Anreiz, da die Kulisse dort noch größer sein dürfte. Zum Auftakt gleich gegen den Deutschen Meister zu spielen, ist für sie „ein Highlight – wir werden unser Bestes geben“.

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