Langlauf Ende einer Ära: DSV-Langläuferinnen nur Mittelmaß

Prag. Als «Golden Girls» waren sie ein Jahrzehnt lang die Mütter der deutschen Langlauf-Erfolge. Doch der Stern der deutschen Skilangläuferinnen ist verblasst.
04.01.2010, 15:20
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Prag. Als «Golden Girls» waren sie ein Jahrzehnt lang die Mütter der deutschen Langlauf-Erfolge. Doch der Stern der deutschen Skilangläuferinnen ist verblasst.

Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl), Claudia Nystad (Oberwiesenthal) und Manuela Henkel (Oberhof) hatten2002 sensationell Staffel-Gold bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City geholt. An Weltcup-Siege, zumindest auf Distanz-Strecken, ist bei Sachenbacher-Stehle und Nystad zur Zeit nicht zu denken. Henkel tritt als Sprinterin nur noch selten in Erscheinung. Von der Weltspitze sind die Damen weit entfernt, wie die Tour de Ski schonungslos offenbart.

Der Sturz ins Mittelmaß mit Plätzen jenseits der Top-15 hält schon länger an und wurde in der vergangenen Saison offensichtlich. Erst die kurzfristige Verpflichtung von Biathlon-Juniorin Miriam Gössner (Garmisch) verhinderte bei den Weltmeisterschaften in Liberec ein Debakel. An der Unbekümmertheit der damals 18-Jährigen richteten sich die arrivierten Läuferinnen auf, am Ende stand eine kaum für möglich gehaltene Silbermedaille.

Den Machern im Deutschen Skiverband (DSV) hat das Edelmetall aber nicht die Augen getrübt. Der verantwortliche Damen-Trainer Ismo Hämäläinen, bei den Athletinnen überaus beliebt, packte kurz vor dem Saisonende seine Koffer, ging nach Finnland zurück und kam damit seiner Entmachtung zuvor. Janko Neuber, der in Oberwiesenthal René Sommerfeldt zu einem Siegläufer und Weltcup-Gesamtsieger geformt hatte, übernahm den vakanten Posten.

Doch Wunderdinge konnte der Sachse nicht vollbringen. «Die Mädels haben konditionelle Defizite, das ist offensichtlich. Sie können Tempo mitgehen, aber nicht durchhalten. Plätze um die 20 sind derzeit das realistische», sagt Neuber. Er sieht mehrere Ursachen für die unbefriedigenden Leistungen, will sich darüber aber nicht öffentlich auslassen. «Es gibt einige Dinge, die nicht gerade förderlich waren und sind. Das wird aber intern nach der Saison geklärt. In jedem Fall haben die vielen Trainerwechsel in der Vergangenheit nicht zu einer Stabilität beigetragen. In Vancouver müssen wir uns auf den Team- Sprint und die Staffel konzentrieren.» Um dort nicht völlig einzubrechen, verließ am Montagabend auch Evi Sachenbacher-Stehle gemeinsam mit Neuber die Tour de Ski. Stattdessen werden die Olympia-Kandidatinnen in einem Trainingslager in Toblach oder Ramsau neue Kräfte sammeln.

Mit Bundestrainer Jochen Behle liegt er auf einer Linie, was Trainingspläne und -umfänge für die Damen betrifft. Doch offensichtlich erreicht er die Läuferinnen (noch) nicht, zumindest nicht alle. «Wenn man etwas erreichen will, muss man sich auch schinden wollen. Von Nichts wird nichts», schimpft Behle. Von der Kritik nimmt er die erkrankt aus der Tour de Ski ausgestiegenen Steffi Böhler (Ibach) und Nystad aber weitgehend aus.

Und er setzt ein Druckmittel ein, um mehr Leistungen aus den Damen herauszukitzeln. Die mit der Verbandsspitze abgesprochene Ankündigung, bei Olympia in der Staffel auf die Biathletinnen Gössner und Magdalena Neuner zurückgreifen zu wollen, löste nicht gerade Jubel im Lager der Spezialistinnen aus, auch wenn sie sich dafür nach außen offen zeigten.

«Die Besten sollen für Deutschland laufen. Wenn die beiden schneller sind, müssen sie eingesetzt werden. Ich hoffe aber, dass ich mich auch für die Staffel qualifiziere», meinte Sachenbacher- Stehle, die die Stimmung im Team als gut bezeichnet: «An den neuen Trainer und seine Ansprüche mussten wir uns erstmal gewöhnen. Er macht ein anderes, aber interessantes Training als Ismo.» (dpa)

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