Bremer Rennverein und Galoppbahn

Ende eines Bremer Kulturguts?

„Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“ Mit dieser Aussage hatte Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner im Dezember das Aus für die Bremer Galopprennbahn verkündet.
23.03.2016, 00:00
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Ende eines Bremer Kulturguts?
Von Frank Büter
Ende eines Bremer Kulturguts?

Die Rennbahn in Bremen könnte bald Geshichte sein.

dpa

„Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“ Mit dieser Aussage hatte Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner im Dezember das Aus für die Bremer Galopprennbahn verkündet.

Die Stadt beabsichtige, den Pachtvertrag mit dem Bremer Rennverein zu kündigen und ab 2018 auf dem Gelände den Bau von bis zu 1000 Wohnungen zu ermöglichen, erklärte Günthner gegenüber dem WESER-KURIER. „Wir haben bisher keine Kündigung vorliegen“, betonte Frank Lenk, der Pressesprecher des Bremer Rennvereins, am Dienstag. „Aber weil der Wirtschaftssenator das so deutlich formuliert hat, muss man davon ausgehen, dass wir in diesem Jahr die Kündigung erhalten werden.“

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Wie man im Vorstand des Traditionsklubs mit eben diesem Umstand umgeht, das war das beherrschende Thema bei der Pressekonferenz des Rennvereins zur Saisoneröffnung 2016. „Die Emotionen sind der Realität gewichen. Man kann das zwar nicht komplett ausblenden, wir versuchen aber, uns auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren“, sagte Lenk. Gleichwohl bleibe festzuhalten: „Das schwerste Rennen findet zurzeit außerhalb der Bahn statt.“

Schwer vor allem auch deshalb, weil die Nachricht des Senators für den Verein zur absoluten Unzeit kam, wie Vizepräsident Daniel Krüger erklärte. Denn nach finanziell schwierigen Jahren und dem Wegfall der städtischen Subventionen hatte sich der Klub zuletzt unter neuer Führung und mit neuen Marketingkonzepten spürbar erholt. Die Rennsaison 2012 hatte der Klub noch mit einem dicken Minus von 600.000 Euro abgeschlossen, ein Jahr später wurde diese Summe bereits halbiert. „Und in den letzten beiden Jahren haben wir sogar schon an der schwarzen Null gekratzt“, so Krüger. Die Entwicklung habe also gestimmt, der Jahresumsatz mit 600.000 Euro und die Zahl von 16.000 Besuchern in der Rennsaison 2015 ebenfalls.

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„Seriös informieren, nicht spekulieren“

Für Daniel Krüger war die Mitteilung des Senators deshalb „ein Schlag in den Magen“. Mit ihrem Vorhaben mache die Stadt „eine ganze Sportart platt“. Der Galoppsport in Bremen sei ein Kulturgut – „uns gibt es seit fast 160 Jahren“, erklärte Krüger. „Die Rennbahn in Bremen ist eine der ältesten in Deutschland und gehört mit München zu den beliebtesten.“ Er finde es schade, dass man sich in Bremen so sehr auf den Fußball fokussiere. „Was hat die Stadt sportlich denn sonst noch zu bieten, wenn Werder mal absteigen sollte?“

Bis Ende 2017 ist der Erhalt der Galoppanlage in der Vahr zunächst noch gesichert. Die Stadt besitzt ein Sonderkündigungsrecht mit einer Frist von einem Jahr, vorausgesetzt, das Gelände ist bis dahin offiziell als Bauland ausgewiesen. Erst dann kann eine Kündigung erfolgen. Soll die Bebauung also 2018 beginnen, müsste die Planung in diesem Jahr entsprechend vorangetrieben und der Pachtvertrag noch in 2016 gekündigt werden. Ob es dazu kommt? „Eine Chance will gejagt sein – die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Lenk.

Blick in eine ungewisse Zukunft: Der Bremer Rennverein mit Präsidentin Tonya Rogge und Vorstandssprecher Frank Lenk kämpft um den Erhalt der Galoppbahn in der Vahr.

Blick in eine ungewisse Zukunft: Der Bremer Rennverein mit Präsidentin Tonya Rogge und Vorstandssprecher Frank Lenk kämpft um den Erhalt der Galoppbahn in der Vahr.

Foto: Frank Thomas Koch

Eine Hoffnung, die offenbar auch dadurch genährt wird, dass sich die Beiräte der angrenzenden Stadtteile Vahr und Hemelingen dem Vernehmen nach gegen die Bebauungspläne auf dem Rennbahnareal ausgesprochen haben. Lenk bestätigte auf Anfrage des WESER-KURIER, entsprechende Signale erhalten zu haben. Der Vorstandssprecher setzt nun darauf, dass die Stadtteilparlamente „von ihrem Mitspracherecht Gebrauch machen“. Der Rennverein sei Teil eines Prozesses, man gebe nicht kampflos auf, so Lenk. „Wir schauen, was noch machbar ist. Und wir wollen da sein, wenn sich eine Tür auftut.“

Und wenn die Tür geschlossen bleibt? Frank Lenk und seine Vorstandskollegen mögen diesen Gedanken nicht zu Ende bringen, denn „dann wäre die Bahn weg für Bremen“. Eine Standortalternative und damit einen Plan B, sagte Lenk, gebe es nicht – nur Überlegungen in unterschiedliche Richtungen. Man sei dabei, Dinge auszuloten und Dinge zu bewerten. Mehr möchte der Klubsprecher nicht preisgeben. „Wir wollen seriös informieren und nicht spekulieren“, sagte Lenk. Seine Devise: „Wir jammern nicht.“ Vielmehr wolle man zuversichtlich nach vorne blicken, „denn wir haben ja auch eine Verantwortung für die Galoppfans in der Region“.

Gänzlich ausblenden lässt sich das drohende Aus derweil nicht. Schließlich hatte die Absichtserklärung des Senators bereits Einfluss auf das Tagesgeschäft des Rennvereins. „Die Nachricht hat uns mögliche Sponsoren, mit denen wir in guten Gesprächen waren, vergrault“, schilderte Krüger. Und Lenk ergänzte: „Das hat unsere Position in der Wirtschaft geschwächt – an der Stelle haben wir ein Problem.“

Immerhin sei es dem Klub gelungen, noch einige kleinere Firmen als neue Kooperationspartner zu gewinnen und dadurch Einnahmen zu generieren. Etwa durch einen Flohmarkt, der ab dem 9. April jeweils sonnabends auf der Rennbahn stattfinden wird, wie Präsidentin Tonya Rogge mitteilte. Zudem gebe es weitere Anfragen für Events auf dem Rennbahn-Gelände, darunter die Idee, während der Fußball-Europameisterschaft im Sommer erneut Public Viewing anzubieten.

Eine größere Auslastung des Areals ist indes nur ein Weg, um zusätzliche Erlöse zu erzielen. Auch in der Wettvermarktung geht der Rennverein durch die Zusammenarbeit mit der französischen Wettgesellschaft Pari Mutuel Urbain (PMU) inzwischen neue Wege. So werden beim After-Work-Renntag im Mai wieder sämtliche acht Rennen live nach Frankreich übertragen, wo landesweit Wetten platziert werden können. Der Bremer Rennverein ist an diesem Geschäft mit drei Prozent beteiligt, „bei einem Wettumsatz von zwei Millionen Euro lohnt sich das“, betonte Krüger.

Gewettet werden darf indes auch bei der Saisoneröffnung an Karfreitag in Bremen. Tonya Rogge und ihre Mitstreiter hoffen auf ein reges Zuschauerinteresse. Das Letzte, was man jetzt brauchen könne, wäre eine „Beerdigungsstimmung“, so Lenk. „Ich kann die Leute nur bitten, am Freitag auf die Galopprennbahn zu kommen – und damit ein deutliches Zeichen für den Erhalt der Anlage zu setzen.“

Bremer Renntermine

Der Bremer Rennverein veranstaltet in der Saison 2016 sechs Renntage. Saisoneröffnung ist an Karfreitag um 13.30 Uhr. Weiter geht es mit einem After-Work-Renntag am 17. Mai, das ist der Dienstag nach Pfingsten. Saisonhöhepunkt ist erneut der swb-Renntag am 26. Juni mit dem Derby-Trial. Es folgen ein Sommer-Renntag am 7. August, der Erntedank-Renntag am 23. Oktober und der abschließende Herbst-Renntag am 27. November.

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