Flamur Aradini ist das Aushängeschild des TuS Syke II - Trainer und einiges mehr Engagement ist ganz normal

Syke. Wenn Mesut Özil als Beispiel für gelungene Integration durch den Fußballsport dargestellt wird, dann müssen auch Spieler wie Flamur Aradini erwähnt werden. Aradini kickt zwar viele, viele Ligen tiefer als der himmelsstürmende Jungmillionär, der aus dem Ruhrpott seinen Weg ins Madrider Estadio Santiago Bernabeu gefunden hat. Doch auch deswegen ist Aradinis Integration bemerkenswerter und repräsentativer für Deutschland.
08.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten bödeker

Syke. Wenn Mesut Özil als Beispiel für gelungene Integration durch den Fußballsport dargestellt wird, dann müssen auch Spieler wie Flamur Aradini erwähnt werden. Aradini kickt zwar viele, viele Ligen tiefer als der himmelsstürmende Jungmillionär, der aus dem Ruhrpott seinen Weg ins Madrider Estadio Santiago Bernabeu gefunden hat. Doch auch deswegen ist Aradinis Integration bemerkenswerter und repräsentativer für Deutschland.

Zudem hat der 33-jährige Syker auch einiges an Erfolgen vorzuweisen. Denn die von ihm trainierte Zweitvertretung des TuS Syke hat im ersten Jahr nach dem Aufstieg ernsthafte Ambitionen auf den Durchmarsch in die Kreisliga - doch dazu später mehr. Flamur Aradini lebt seit 20 Jahren in Syke und tritt genauso lange für den TuS gegen den Ball.

Während der Anfänge des Balkankrieges kam er mit seinen Eltern und Geschwistern aus dem Kosovo. Seit vielen Jahr besitzt Aradini die deutsche Staatsbürgerschaft und ist - neben seinem Trainerjob - auch bei den Jugendspielen seiner Jungs als Betreuer dabei und immer wieder Aushilfsspieler in der Syker Dritten.

Höhenflug nach Betriebsunfall

"Fußball ist mein Hobby, und es gehört für mich dazu, dass ich mich engagiere", sagt er. Hauptverantwortlicher Coach war er schon mal während einer Übergangsphase und ist es jetzt fest seit drei Jahren. "Damals kamen einige Spieler aus der A-Jugend und die wollten, dass ich Trainer werde, damit sie in Syke bleiben", erinnert sich Aradini. Selber spielt er kaum noch. "In der Zweiten wechsle ich mich höchstens noch ein, in der Dritten habe ich aber schon einige Tore geschossen."

Unterstützt wird Aradini von Bernd Milkereit, dessen Sohn Manuel bei Syke II spielt, und von Sandra Künzel. "Wir sind ein gutes Team und leben von unserer Kameradschaft", erzählt Aradini über eines der Erfolgsgeheimnisse. Denn der TuS Syke II bügelte den Betriebsunfall Abstieg in der Saison 2008/2009 schnell wieder aus und stieg im Sommer 2010 wieder in seine Stammliga, die Kreisliga A, auf. Platz fünf war das ehrgeizige Ziel. Mittlerweile haben die Syker mit 43 Punkten eine neue Rekordmarke eingefahren. Aktuell rangieren sie auf Rang zwei und haben gegenüber dem Dritten noch eine Nachholpartie in der Hinterhand. "Natürlich traue ich der Mannschaft eine Liga höher zu", schmunzelt Aradini, für den zwischen der unteren Hälfte der Kreisliga und den Top-Teams der Kreisliga A kein allzu großer Unterschied existiert.

So leben die Syker vor allem von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, die am besten in der Offensive deutlich wird. Denn während Spitzenreiter FC Sulingen oder auch der SV Dickel einen Top-Schützen mit 16 oder gar 22 Toren in ihren Reihen haben, hat Sykes Top-Scorer Ken Huntemann nur neun Mal getroffen. Die Torgefahr ist dank Leuten wie Göksan Vurgun, Nic Huntemann und Daniel Krämer auf mehrere Schultern verteilt. Aufsteigen wollen die Syker trotzdem nicht.

Ohnehin könnte ihnen ein Aufstieg verwehrt bleiben - nämlich dann, wenn die TuS-Erste ihrerseits nicht die Rückkehr in den Bezirk schaffen sollte und in der Kreisliga bleibt.

Am Sonntag geht es im Nachbarschaftsduell beim SV Heiligenfelde II zunächst mal vor allem ums Prestige, was umso reizvoller ist, weil gleich danach die beiden Erstvertretungen gegeneinander antreten.

Als Aradini selber noch im besten Fußballeralter war, bekam er übrigens unter den verschiedenen Trainer keine echte Chance, um sich im Bezirk zu bewiesen. Dabei hatte er im zweiten A-Juniorenjahr tolle 20 Tore erzielt. "Ganz nachvollziehen konnte ich das nicht", bekennt er ehrlich. Nachkarten möchte er aber auch nicht, das entspräche nicht seiner Art. Aradini zeigte sich stets loyal und blieb den Sykern, genauer gesagt seiner Zweiten, immer treu.

"Ich habe im Laufe der Zeit aber bewiesen, dass ich Fußball spielen kann und was der TuS Syke an mir hat", resümiert er - und hat damit zweifelsfrei recht.

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