Das „Pepsi“-Projekt der Bremer Altersklassen-Ruderer geht in die sechste Saison Erfolgreich über Vereinsgrenzen hinweg

Bremen. Das „Pepsi“-Projekt geht in 2019 in die sechste Saison. „Wir hatten ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen in den Wintermonaten, haben individuelle Fitnesskrisen überwunden und freuen uns jetzt schon auf den Wettkampfauftakt im März.
14.03.2019, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sören Dannhauer

Bremen. Das „Pepsi“-Projekt geht in 2019 in die sechste Saison. „Wir hatten ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen in den Wintermonaten, haben individuelle Fitnesskrisen überwunden und freuen uns jetzt schon auf den Wettkampfauftakt im März.“, berichtet Holger Ilgner über ein Ruderprojekt, das seit 2014 eine spannende Dynamik entwickelt hat. Der Altersklassensportler, bei den Ruderern heißen diese Aktiven „Masters“, des Bremer Rudervereins von 1882 gehörte 2014 zu einer Handvoll Bremer, die sich über Vereinsgrenzen hinweg zum Wettkampfsport zusammenfanden. Gemeinsam mit Uwe Schüßler vom Bremer Ruder-Club Hansa, und Uwe Hollmann vom Verdener Ruderverein, gehört Ilgner zum Kern des Bremer Master-Doppelvierers, der eine erstaunliche sportliche Geschichte geschrieben hat – und auch 2019 weiterschreiben möchte.

Dem Rudersport hatten die drei eigentlich schon den Rücken gekehrt. Nach einigen Jahren im Nachwuchsleistungssport hatten sie sich auf Studium, Berufseinstieg und Familiengründung konzentriert. Hollmann erzählt freimütig, dass er von 1981 bis 1995 eine richtige Sportpause machte. Später war Sport wieder eine bewusste Entscheidung für einen aktiven Lebensstil und er hat sogar Lizenzen als Rudertrainer erworben. Schüßler und Ilgner blieben immerhin aktiv. Beide haben sich viel auf Rennrädern bewegt. Während Schüßler mehr beim Volleyball und der Leitathletik war, spielte Ilgner 20 Jahre Rugby, probierte Triathlon und rannte mehrmals einen Marathon. Bis es alle irgendwie wieder in den Fingern juckte, mal wieder in ein Ruderboot zu steigen – und sie sich 2014 beim Start des Bremer Masters-Projektes trafen.

Seitdem hat sich sportlich einiges bewegt. Dabei blieb es immer im Doppelvierer. Vierter Mann der ersten Jahre war ein weiterer Mitstreiter aus Verden, im vergangenen Jahr dann ein Kieler Ruderer. Für 2019 ist noch nicht ganz klar, wer den vierten Rollsitz übernimmt. Aber da die drei anderen immer mehr zusammenwachsen, wird es leichter, jemanden zu integrieren.

Schritt für Schritt gewachsen

Dabei war der Weg zurück in den Wettkampfsport gar nicht so einfach. Rudern ist wie Radfahren: Man verlernt es eigentlich nicht. Aber die Kraft, Fitness und Ausdauer gehen verloren. Die feine Koordination der einzelnen Teilbewegungen ist ein komplexes Puzzle, dass geübt sein muss. Davon war zu Beginn nichts vorhanden. „Wir sind Schritt für Schritt gemeinsam gewachsen.“, meint Ilgner. 2018 hat das besonders gezeigt. Nicht nur, weil sie im Doppelvierer praktisch ungeschlagen blieben und sogar zwei Siege bei der Euro-Masters-Regatta gegen internationale Konkurrenz holten. Sondern auch, weil die Rudertechnik trotz des Durchschnittsalters über 50 Jahre wieder gut funktioniert. Der Rhythmus, die Schlagstruktur und besonders das Wasserfassen, wenn das Boot mit jeder falschen Bewegung leicht gebremst wird, sind echte Stärken des Teams geworden. Der Anspruch ist hoch, „wobei die altersgerechten Einschränkungen ihren Platz haben dürfen.“, bewertet Hollmann die Möglichkeiten entspannt.

Die Erfolge des Bremer Masters-Vierers sind aufwendig geplant. Beruf und Familie müssen in den Tag passen. Wettkämpfe werden langfristig in den Kalender eingetragen und bis auf wenige Ausnahmen wie die Euro-Masters-Regatta nur in Norddeutschland gefahren, um die Fahrzeiten zu reduzieren. Und das private Umfeld muss ein wenig Toleranz mitbringen. Ilgner, verheiratet, Vater zweier Kinder und ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert, konzentriert sich daher auf die Randzeiten. Es wird auch schon mal morgens um sieben Uhr oder nach 21 Uhr trainiert. Im Winter sitzen sie auch nur am Wochenende im Boot. „Jeden Tag einmal Sport ist das Ziel.“, sagt Schüßler. Was sich eben auch mit Laufen, Krafttraining, Yoga oder auf dem Ruderergometer machen lässt. Im Sommer geht es dann öfter gemeinsam aufs Wasser.

Im Kosmos des Pepsi-Vierers gibt es auch eine Frauenmannschaft. Die Aktiven sind oft gemeinsam unterwegs, wodurch Training und Regatten an Abwechslung gewinnen. „Wir sind oft geschlossen unterwegs. Das unterscheidet uns durchaus von anderen.“, hebt Schüßler hervor. Er meint es ruderisch und menschlich. 2016 haben sich Männer- und Frauen-Mannschaft einen Einteiler designt, der mit blau, weiß und rot die Trikotfarben ihrer Heimatvereine zusammenführt. Das Ergebnis erinnert entfernt an das Pepsi-Logo, wodurch das Erfolgsprojekt seinen Namen erhielt.

Start mit dem Mixed-Achter

Immer mal wieder Neues zu versuchen, sorgte in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig für Schwung. Statt der dreiminütigen Rennen über 1000 Meter wagte sich Ilgner einmal an ein Langstreckenrennen, das über fünf Stunden dauerte. Mit Erfolg. 2018 startete erstmals bei einem Rudervierkampf, der Sprint- und Langstrecke kombiniert. Und so soll es auch 2019 werden: Mitte März ist der Wettkampfauftakt im Amsterdam. Mit den Pepsi-Frauen im ungewohnten Mixed-Achter. Es folgen ein kleines Trainingslager und der erste Saisonhöhepunkt bei der Heimregatta auf dem Werdersee im Mai. Im September krönt dann die World-Masters-Regatta, eine der größten Regatten weltweit, den Saisonverlauf. Dort, in Ungarn, dann wieder in der Paradebootsklasse, dem Doppelvierer.

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