Ben-Hatira gibt Frankfurt Hoffnung und stürzt 96 beinahe schon in die zweite Liga

Erlöser aus dem Wedding

Frankfurt. Ist das der dringend nötige Akt der Versöhnung, auf den Eintracht Frankfurt so lange gewartet hat? Lange hat es nicht mehr solch einen frenetischen Applaus gegeben, den die Akteure mit dem Adler auf der Brust nach dem Kellerduell gegen Hannover 96 empfangen haben. Dank eines 1:0 (1:0)-Sieges stellten die Hessen wieder den Anschluss an die Mitkonkurrenten her, fielen gleichwohl wegen des Erfolgs der TSG Hoffenheim trotzdem auf einen direkten Abstiegsplatz zurück.
20.03.2016, 00:00
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Von Frank Hellmann

Ist das der dringend nötige Akt der Versöhnung, auf den Eintracht Frankfurt so lange gewartet hat? Lange hat es nicht mehr solch einen frenetischen Applaus gegeben, den die Akteure mit dem Adler auf der Brust nach dem Kellerduell gegen Hannover 96 empfangen haben. Dank eines 1:0 (1:0)-Sieges stellten die Hessen wieder den Anschluss an die Mitkonkurrenten her, fielen gleichwohl wegen des Erfolgs der TSG Hoffenheim trotzdem auf einen direkten Abstiegsplatz zurück. Für Trainer Niko Kovac nach einem erfolgreichen Heimdebüt ein zu vernachlässigendes Detail. „Der Erfolg macht das Arbeiten sehr viel einfacher. Wir haben von der ersten Minute an den nötigen Willen gezeigt, um die Zuschauer hinter uns zu bringen.“

Ein Tor von Winter-Neuzugang Änis Ben-Hatira (33.) entschied eine spielerisch doch weitgehend armselige Bundesliga-Begegnung. Kovac hatte bereits unter der Woche angedeutet, dass er Ben-Hatira, bei Hertha BSC im Unfrieden geschieden und in Frankfurt bislang meist auf der Tribüne, spielen zu lassen. „Er hat im Training Gas gegeben. Und er ist wie ich einer aus dem Wedding“, sagte der in Berlin geborene Kroate Kovac.

Dass das Bauchgefühl im Fall Ben-Hatira nicht ganz falsch war, zeigte sich beim entscheidenden Treffer. Instinktiv ergriff der 27-Jährige nach einem am Torraum abgewehrten Ball die Initiative und schob die Kugel aus sehr spitzem Winkel an dem nicht gut postierten Torwart Ron-Robert Zieler zum 1:0 in die kurze Ecke. „Änis hatte hinterher noch bessere Chancen, aber wenn er die schwierigste nutzt, ist mir das auch recht“, befand Kovac. Der Matchwinner hielt den Ball flach. „Dieser Sieg war für die Mannschaft. Mit dem neuen Trainer hatte ich vom ersten Tag an gute Gespräche.“

Hinterher sprach pure Erleichterung aus den Frankfurter Statements. „Das war ein ganz wichtiger Erfolg für uns. Wir mussten dieses Spiel unbedingt gewinnen“, sagte der kämpferisch starke Rechtsaußen Stefan Aigner, der herausstrich, dass „einer für den anderen marschiert ist“. Ob Kovac nun wirklich in der Mainmetropole die Wende einleiten wird, bleibt abzuwarten. Nach der Länderspielpause steht zunächst einmal die fast unlösbare Auswärtsaufgabe beim FC Bayern an.

Für Hannover scheint dagegen der Abstieg nach der neunten Niederlage im zehnten Spiel unter Thomas Schaaf und nunmehr zehn Punkten Rückstand zum rettenden Ufer kaum mehr abzuwenden. „Wir kriegen wieder ein Tor, dass nicht fallen darf. Wir schaffen es auch nicht, Chancen herauszuspielen, die wir dann mal nutzen“, kritisierte der 96-Coach. Der 54-Jährige wirkte gereizt und genervt – Fragen zur Fortsetzung seiner Tätigkeit in der ausweglosen Situation bügelte er ab. „Dazu gibt es von mir keine Antwort.“

Schaaf scheint zu spüren, dass er an diesem Standort an seine Grenzen stößt. Fakt ist, dass seine Maßnahmen „nicht greifen“, wie Sportvorstand Martin Bader feststellte. Schaaf hatte gleich fünf Spieler aus seinem Kader gestrichen: Salif Sané, Andre Hoffmann, Manuel Schmiedebach, Felix Klaus und Marius Wolf traten die Reise ins Hessenland erst gar nicht an. Kapitän Zieler („Der Trainer probiert viel, wir müssen das akzeptieren“) schien nicht vollumfänglich hinter diesen Maßnahmen zu stehen.

Dagegen hatte Bundesliga-Neueinsteiger Kovac mit seinen umfangreichen Umbaumaßnahmen unter dem Strich mehr richtig als falsch gemacht. Der 44-Jährige hatte mit Bastian Oczipka, Marco Fabian, David Abraham und Makoto Hasebe vier unter Vorgänger Armin Veh fast schon unantastbare Stammspieler auf die Bank beordert, um neue Reize zu setzen. Lange lief jedoch auch in seinem Team nicht viel zusammen: Sobald der Ball in die Spitze gespielt werden sollte, bestimmten Unzulänglichkeiten das Geschehen.

Erst in der zweiten Halbzeit stieg der Unterhaltungswert. Als der Frankfurter Stürmer Haris Seferovic allein aufs 96-Tor zusteuerte, wäre eigentlich der 50. Gegentreffer für den Tabellenletzten fällig gewesen, doch der Schweizer verstolperte fahrlässig (48.). Kurios wie Ben-Hatira noch zwei erstklassige Gelegenheiten zum zweiten Eintracht-Treffer vergab (66. und 71.). Das hätte sich sogar noch rächen können, doch als Hugo Almeida den Ball ins Tor köpfte, entschied Schiedsrichter Wolfgang Stark zurecht auf Abseits (83.). Sein Schlusspfiff sollte dann bereits im Frankfurter Jubelsturm untergehen.

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