Heidkrugs Fußball-Obmann Christoph Ernst im Interview Ernst: "Der Mannschaft zuliebe mache ich weiter"

Heidkrug. Die Verantwortung für den Wechselfehler im Spiel gegen den SV Ofenerdiek hatte Christoph Ernst übernommen und sein Amt als Fußball-Abteilungsleiter niedergelegt. Warum er nun doch weitermacht, erzählt der 40-Jährige im Interview.
09.07.2013, 05:00
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Von Christoph Bähr

Heidkrug. Seit Sonnabend besteht kein Zweifel mehr daran: Der TuS Heidkrug bleibt in der Fußball-Kreisliga, obwohl er den Bezirksliga-Aufstieg sportlich geschafft hatte. Das Bezirkssportgericht lehnte den Protest des Vereins ab, und der Wechselfehler im ersten Relegationsspiel gegen den SV Ofenerdiek lässt sich somit nicht mehr ausbügeln.

Die Verantwortung für das Missgeschick hatte Christoph Ernst übernommen und sein Amt als Fußball-Abteilungsleiter niedergelegt. Warum er nun doch weitermacht und wie es zu dem fatalen Fehler kommen konnte, erzählte der 40-Jährige im Gespräch mit Christoph Bähr.

Herr Ernst, das Bezirkssportgericht hat den Protest des TuS Heidkrug gegen den Ausgang der Bezirksliga-Relegation in allen Punkten abgewiesen. Das Urteil kam wenig überraschend. Sind Sie trotzdem enttäuscht oder hatten Sie solch einen Ausgang insgeheim erwartet?

Christoph Ernst: Wir wussten, dass es schwierig werden würde, mit dem Protest durchzukommen. Trotzdem hatten wir etwas Hoffnung, auch wenn sie nicht gerade groß war. Das Urteil müssen wir akzeptieren, in Berufung wollen wir nicht gehen. Es ist wichtig, dass jetzt Klarheit herrscht, damit der Staffelleiter den Kreisliga-Spielplan erstellen kann.

Der TuS Heidkrug ist also der 17. Kreisligist. Haben Sie sich damit inzwischen abgefunden oder trauern Sie noch dem verpassten Bezirksliga-Aufstieg hinterher?

Wir hatten ohnehin für die Kreisliga geplant, auch vor der Relegation schon. Die Kreisliga ist sehr interessant. Es wird viele Derbys geben, zu denen mehr Zuschauer kommen als in der Bezirksliga. Ich freue mich, dass unsere Mannschaft größtenteils zusammenbleibt. Mit dem Kader sollten wir oben mitspielen können.

Die Spieler waren auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass Sie nun doch als Fußball-Abteilungsleiter weitermachen. Wegen des folgenschweren Wechselfehlers im Relegationsspiel gegen den SV Ofenerdiek waren Sie zurückgetreten, wie kam es zu der Kehrtwende?

Es gab Gespräche mit der Mannschaft. Die Spieler haben betont, dass sie über den verpassten Aufstieg zwar verärgert sind, aber trotzdem mit mir weitermachen wollen. Fehler passieren, haben sie gesagt. Ich bin ein alter Heidkruger, gehöre dem Verein seit 34 Jahren an und kenne viele aus dem Team gut. Ich wollte wirklich aufhören, aber der Mannschaft zuliebe mache ich weiter, auch wenn einige Leute im Umfeld meinen Abschied gerne gesehen hätten.

Es wäre ohnehin die große Frage gewesen, wer den Posten an Ihrer Stelle übernommen hätte. Im vergangenen Jahr hat der TuS Heidkrug über viele Monate vergeblich einen Fußball-Abteilungsleiter gesucht. Ist die Aufgabe so unangenehm?

Also ich mache das gerne. Jemanden für den Posten zu finden, ist aber in der Tat nicht einfach. Es ist eben eine ehrenamtliche Aufgabe, bei der viel Papierkram zu erledigen ist. Ursprünglich wollte ich das nur vorübergehend machen, aber jetzt bin ich in das Amt reingewachsen.

Sie sind künftig wieder in Doppelfunktion tätig: als 2. Vorsitzender und als Fußball-Abteilungsleiter. Aufgrund der Belastung hält die Vereinsvorsitzende Marion Grotheer diese Konstellation für unglücklich. Teilen Sie die Bedenken?

Sie weiß eben, was das für eine Arbeit ist und wie viel man um die Ohren hat. Ich sehe das aber nicht ganz so dramatisch und kann mir vorstellen, das Amt langfristig zu bekleiden. Wir haben ja auch gar keine andere Wahl.

Der frühere Heidkruger Manager Horst Lenz hatte sich freiwillig für das Amt des Fußball-Abteilungsleiters angeboten...

Ja schon, aber das kam für uns nach seiner Vorgeschichte nicht infrage.

Wird sich trotzdem etwas verändern? Wie kann solch ein Fehler wie vor der Relegationsrunde, als ein wichtiges Formular mit den Spielregeln nicht weitergeleitet wurde, künftig verhindert werden?

In Zukunft werden Schreiben, die reinkommen, von mehreren Personen kontrolliert. Ich bin nicht mehr der Einzige, der sie liest. Guido Schimanski (2. Vorsitzender, Anm. d. Red.) unterstützt mich bei vielen Sachen.

Die entscheidende E-Mail, in der stand, dass bei Relegationsspielen zur Bezirksliga nur drei Mal ausgewechselt werden darf, haben also ausschließlich Sie zu Gesicht bekommen?

Ich habe sie ausgedruckt, nicht richtig gelesen und unterschrieben. Das lässt sich leider nicht mehr ändern.

Sie haben ja auch die Verantwortung dafür übernommen. Hätten Sie nicht sagen können, der damalige Trainer Matthias Trätmar war für das Sportliche zuständig und hätte wissen müssen, wie oft er auswechseln darf?

Nein, die E-Mail kam über das DFB-Postfach rein. Der Trainer hatte keinen Zugang dafür, sondern ich. Deshalb trifft mich die ganze Schuld am geplatzten Aufstieg.

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