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Erster Jockey im Stall

Eduardo Pedroza hielt sich lange zurück. Der erfahrene Jockey ließ sich im Rennen über die 1800-Meter-Distanz zunächst von Good Girl „den Weg zeigen“, wie es im Fachjargon heißt.
15.04.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Erster Jockey im Stall
Von Frank Büter
Erster Jockey im Stall

Gute Erinnerungen an Bremen: Jockey "Eddie" Pedroza kommt immer wieder gerne in die Vahr.

Frank Thomas Koch

Eduardo Pedroza hielt sich lange zurück. Der erfahrene Jockey ließ sich im Rennen über die 1800-Meter-Distanz zunächst von Good Girl „den Weg zeigen“, wie es im Fachjargon heißt. Erst eingangs der langen Schlussgeraden verschärfte Pedroza dann das Tempo. Auf der Außenbahn zog er im Sattel von L'Ange Bleu beinahe spielerisch an der lange führenden Stute Good Girl vorbei und gewann letztlich völlig überlegen.

Es war ein guter Auftakt für Pedroza, der beim Karfreitag-Renntag in der Bremer Vahr in insgesamt vier Rennen an den Start ging. Ein gutes Omen für das mit Spannung erwartete Hauptrennen, den mit 8750 Euro dotierten Acatenango Derby Trial, war es indes nicht. Als klarer Favorit an den Wettschaltern ins Fünfer-Feld gegangen, musste sich Eduardo Pedroza im Sattel von Promise of Peace nach großem Kampf mit Platz zwei zufriedengeben und verließ sichtlich unzufrieden das Geläuf.

Der in zigtausend Rennen erprobte Eduardo Pedroza, Rufname „Eddie“, will eben immer ganz oben auf dem Treppchen stehen. Den Winter hat der in Panama geborene Jockey mit einem mehrmonatigen Engagement im Wüstenstaat Katar überbrückt. „Das war eine sehr positive Erfahrung“, sagt Pedroza über seine Zeit im Emirat. Er habe dort viele gute Kontakte geknüpft. Und sportlich erfolgreich war es obendrein: Bei den zahlreichen Rennen in Katar landete Pedroza gleich 30 Siege.

Seit Sonnabend vergangener Woche ist Eduardo Pedroza nun wieder zurück in Deutschland. Nur einen Tag später startete er bereits in Düsseldorf, wo er sich gleich bei seinem ersten Rennen mit einem Sieg zurückmeldete. Und Karfreitag schließlich führte ihn sein Beruf nach Bremen. Eben dorthin, wo der jetzt 42-Jährige einst den Grundstein für seine so erfolgreiche Jockeykarriere gelegt hat. Mitte der 1990er-Jahre war Pedroza auf Vermittlung seines in Hamburg lebenden Onkels aus Panama nach Deutschland gekommen. Und noch im selben Jahr, exakt am 5. November 1995, landete er als Jockey in Bremen seinen ersten Sieg auf europäischem Boden. „Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Pedroza rückblickend. Und fügt nach einer kurzen Atempause an: „Ich habe danach in Bremen aber ja noch viele weitere gute Momente gehabt.“

Tatsächlich nimmt Bremen einen wichtigen Platz in der Vita von „Eddie“ Pedroza ein. Im April 1997 war er als Stalljockey bei Trainer Andreas Wöhler in der Vahr eingestiegen und bis zum Umzug des Rennstalls auf das Gestüt Ravensberg bei Gütersloh auch in Bremen heimisch. Noch heute hat er hier familiäre und freundschaftliche Verbindungen, die er versucht zu pflegen – und noch heute ist er Werder-Fan. „Ich freue mich immer, wenn ich nach Bremen fahren kann“, sagt Pedroza. „Doch leider habe ich dafür nur sehr wenig Zeit.“ Was auch für Besuche im Weserstadion gilt. Doch er verfolgt sehr intensiv, wie sich seine „Grün-Weißen“ in der Bundesliga schlagen. Er freut sich über den jüngsten Aufwärtstrend und die tolle Serie von acht Spielen ohne Niederlage. Und mit Blick auf das Ostersonntag anstehende Nordderby gegen den Hamburger SV hofft Pedroza, dass „Werder keinen Rückschlag erlebt“.

Nicht nur bei seinen Freunden, sondern auch auf der Bremer Rennbahn ist Pedroza immer noch ein gern gesehener Gast. Er ist ein Publikumsliebling und wird stets warmherzig empfangen. Umso mehr betrübt ihn das drohende Aus der Bremer Rennbahn. Ein Ende fürs Gelände? Für Pedroza wäre das „eine große Schande“. Die Anlage habe eine so große Tradition, „und die verantwortlichen Leute dort haben sich viel, viel Mühe gegeben“. Der vierfache Jockey-Champion (2007 bis 2010) liebt die Atmosphäre in der Bremer Vahr, einserseits. Andererseits weiß er als Berufsreiter aber auch das Geläuf selbst zu schätzen. „Mit den akkuraten Bögen und den langen Geraden ist das eine sehr korrekte Bahn. Gerade für junge Pferde ist sie ideal, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Pedroza. Wenn in der Vahr nach dieser Saison tatsächlich Schluss sein sollte, „dann wäre das ganz bitter“.

Für Eduardo Pedroza wiederum ist absehbar keineswegs Schluss. Seit 2003 ist er der erste Stalljockey, er darf also entscheiden, welches der genannten Pferde aus dem Stall Wöhler er beim jeweiligen Renntag reiten möchte. Für den siegverwöhnten Jockey, der bereits Preisgelder in Millionenhöhe eingeritten hat, eine komfortable Ausgangssituation. Erfolge wiederum sind für ihn immer noch der große Anreiz, „ich freue mich über jeden einzelnen Sieg aufs Neue“, sagt Pedroza. Sein Ansporn: „Ich möchte Trainer und Besitzer zufriedenstellen.“ Seit zwei Jahren besitzt er eine künstliche Hüfte, aber das stört oder behindert ihn nicht bei der Ausübung seines Berufs. Wie lange er noch im Rennsattel sitzen wird, lässt er indes offen, das sei abhängig vom Erfolg und nicht zuletzt von der Fitness. Sein größter Wunsch lautet deshalb auch nur: „Ich will gesund bleiben.“

„Eine Puppenstube für die Zuschauer“ „Hände weg von der Galopprennbahn“ – mit diesem Schriftzug auf einem fünf Meter großen Banner warb die Bürgerinitiative Rennbahngelände um Rainer Bieniek und Andreas Sponbiel beim Galopprennen in der Vahr für den Erhalt der Anlage. Die Sprecher der Initiative appellierten dafür, nicht tatenlos zuzusehen, wie ein Kulturgut mit einer langen Tradition zerstört werde und standen interessierten Bürgern an diesem Renntag Rede und Antwort. „Ich hoffe nicht, dass das Aus endgültig besiegelt ist“, sagt auch Galopptrainer Andreas Wöhler. „Das wäre zu schade für diese schöne Bahn.“ Er habe bis 2004, bis zu seinem Umzug nach Gütersloh, "eine tolle Zeit in Bremen“ gehabt. Bemerkenswert sei für ihn vor allem, wie sich die Rennbahn im Verlauf der Jahre mit all ihren Zubauten und Umbauten entwickelt habe. „Das ist eine faire Bahn für die Aktiven und mit ihren kurzen Wegen eine Puppenstube für die Zuschauer – so eine Bahn ist einzigartig in Deutschland“, sagt Andreas Wöhler. Der 55-Jährige kennt sich aus. Er feierte zunächst als Amateurjockey im Stall seines Vaters Adolf Wöhler erste Erfolge im Rennsattel und übernahm nach dessen Tod 1985 als Trainer den in der Bremer Vahr beheimateten Rennstall. Seit Herbst 2004 ist seine Trainingszentrale auf dem Gestüt Ravensberg bei Gütersloh ansässig. Heute gehört Andreas Wöhler zu den erfolgreichsten Galopptrainern in Deutschland, gleich dreimal (2009, 2011 und 2015) gewann er das Trainer-Championat.
„Ich habe in Bremen viele gute Momente gehabt.“ Jockey „Eddie“ Pedroza
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