Fairness-Cup: Top-Teams der Fußball-Ligen kassieren die wenigsten Karten Es geht auch ohne Foul

Landkreis Oldenburg/Delmenhorst. „Ohne Foul, ohne Foul, ohne Foul.“ So tönt es oftmals von der Seitenlinie, wenn der TuS Heidkrug in der Fußball-Kreisliga spielt.
26.01.2017, 00:00
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Es geht auch ohne Foul
Von Patrick Hilmes

Landkreis Oldenburg/Delmenhorst. „Ohne Foul, ohne Foul, ohne Foul.“ So tönt es oftmals von der Seitenlinie, wenn der TuS Heidkrug in der Fußball-Kreisliga spielt. Gerufen werden diese Anweisungen von Coach Selim Karaca. Und dass seine Mannen zumeist auf Karaca hören, beweist die Halbzeitbilanz des Fairness-Cups des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). In dieser Rangliste, die insgesamt 1005 niedersächsische Mannschaften von den Kreisligen bis zur 1. Bundesliga führt, nimmt der TuS Heidkrug Platz 19 ein und ist damit das fairste Team im Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst.

Dass sich der Kreisligist in 17 Spielen lediglich 20 Gelbe Karten – keine Gelb-Rote oder Rote – einhandelte, kommt nicht von ungefähr. Es ist die Philosophie des Trainers. „Überraschend ist das für mich nicht, das haben wir uns so vorgenommen. Ich sage immer: Wer gut verteidigt, der greift auch gut an. Wenn wir also den Ball ohne Foul erobern, können wir auch schnell umschalten. Standards gegen einen – gerade in der eigenen Hälfte – können dazu führen, dass man das Spiel verliert“, betont Karaca. Der Coach geht sogar so weit, dass er von seinen Spielern nicht einmal taktische Fouls wie am Trikot ziehen sehen will. „Wir spielen in der Kreisliga, das ist alles Hobby und soll Spaß machen. Da kassiere ich lieber drei Tore, als dass ich meinen jungen Spielern sage, sie sollen den festhalten“, sagt Selim Karaca.

Und nicht nur die eigene Bilanz spricht für die Philosophie der Heidkruger. Der TuS belegt in der Kreisliga Position sechs. Unter den besten 20 Teams des Fairness-Cups befinden sich lediglich drei Mannschaften, die einen zweistelligen Tabellenplatz belegen, der Großteil steht auf den ersten vier Rängen der jeweiligen Ligen. Führend ist derzeit der SC Spelle-Venhaus II. Der Vierte der Bezirksliga Weser-Ems 3 kassierte bisher lediglich 15 Gelbe Karten in 18 Spielen und kommt dadurch auf einen Fairness-Quotienten von 0,83. Die Berechnung: Gelbe Karten werden mit einem Strafpunkt geahndet, Gelb-Rote mit drei, Rote mit fünf. Zusätzlich schlagen Sportgerichtsurteile oder auch das Nichtantreten von Teams mit zehn Zählern zu Buche. Die Summe wird durch die Anzahl der Spiele geteilt.

In einer ganz anderen Region der Tabelle des Fairness-Cups ist mal wieder der KSV Hicretspor Delmenhorst zu finden. Der Klassenkonkurrent der Heidkruger findet sich auf Platz 988 der Liste wieder. 42 Gelbe, vier Gelb-Rote und vier glatt Rote Karten in 16 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Auch das sei ein Grund, warum der KSV die Rote Laterne innehat, bestätigte Timur Cakmak. Der Neu-Coach der Delmenhorster fordert von seinen Spielern, dass sie in der Rückrunde auch mal zu elft eine Partie beenden. „Es ist peinlich. Wir müssen den Verein endlich in ein besseres Licht rücken. Bei meinem Antritt habe ich auch deutlich gemacht, dass sich das unbedingt ändern muss. Wenn wir nachher absteigen müssen, dann sollten wir zumindest vernünftig absteigen“, fordert Cakmak. Er gehe dies aber optimistisch an, da er viele neue Akteure im Team habe, die alle vernünftig seien.

Doch Hicretspor ist längst nicht der einzige Verein aus dem Landkreis, der weit unten auf der Liste auftaucht. Der TSV Ippener belegt Platz 991, der FC Hude findet sich auf Position 904 wieder, der TV Jahn rangiert auf Platz 858, Tur Abdin ist auf 802 gelistet, Atlas nimmt Rang 741 ein, Baris hat die 734 vorne stehen, Ganderkesee steht auf 711. Auch der VfL Wildeshausen, oftmals fairstes Team des Landkreises, rutschte auf Platz 217 ab. Und dennoch hat sich der Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst im Vergleich zum Vorjahr um zehn Ränge auf Platz 31 verbessert.

Doch Selim Karaca traut dieser Statistik nicht wirklich: „Ich glaube kaum, dass sich die Spieler und Vereine geändert haben. Ich beobachte immer wieder, dass die Schiedsrichter teilweise – insbesondere die jungen ohne viel Erfahrung – nicht rigoros durchgreifen, weil sie eingeschüchtert sind. Manche Szenen auf dem Fußballplatz sind symbolisch für diese Stadt.“

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