Wie Bremer Vereine auf die Monate zurückblicken, in denen Flüchtlinge in ihren Sporthallen lebten Es ging irgendwie

Bremen. Für die Sportler des TV Eiche Horn hat das Warten ein Ende: Ein Jahr nachdem Flüchtlinge in die Halle in der Grazer Straße gezogen waren, können sie seit dieser Woche dort wieder trainieren. Damit ist die 17.
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Es ging irgendwie
Von Carolin Henkenberens

Bremen. Für die Sportler des TV Eiche Horn hat das Warten ein Ende: Ein Jahr nachdem Flüchtlinge in die Halle in der Grazer Straße gezogen waren, können sie seit dieser Woche dort wieder trainieren. Damit ist die 17. von 20 Turnhallen, die als Notunterkunft gebraucht wurden, wieder freigegeben. Fast überall kann wieder geturnt, gekickt und gedribbelt werden. Als das Sozialressort von Senatorin Anja Stahmann (Grüne) im Sommer 2015 Sporthallen zu Notunterkünften umfunktionieren ließ, war der Protest der Sportvereine und des Landessportbundes (LSB) groß. Doch wie war der Herbst für die Vereine, aus der Retrospektive betrachtet?

„Wir freuen uns, dass die Flüchtlinge endlich menschenwürdige Unterkünfte erhalten haben“, sagt Björn Jeschke, der erste Vorsitzende des TV Eiche Horn. Der Verein musste auch auf die Halle der Marie-Curie-Schule und auf eine kleinere in Borgfeld verzichten. Die Zeit sei nicht einfach gewesen, berichtet Geschäftsführer Fred Siegert. 27 Gruppen waren betroffen, Trainings fielen aus oder wurden verkürzt. „Rhythmische Sportgymnastik mit Musik und Fußball in einer Halle unterzubringen, geht schlecht“, erzählt Siegert. Doch letztlich habe man sich arrangiert. „Für eine Übergangszeit ging das alles“, sagt Siegert pragmatisch und es klingt versöhnlich. Es habe weder Austritte noch böse Briefe von Mitgliedern gegeben, sagt Jeschke. Mittlerweile trainieren sogar einige Flüchtlinge im Verein mit. „Möglicherweise ist die Halle jetzt sogar in einem besseren Zustand als vorher“, gibt Jeschke zu. Geärgert habe man sich über die schlechte Kommunikation der Sozialbehörde. Letztlich sei sie aber bemüht gewesen, schnell Alternativen zu finden.

Auch beim SC Vahr-Blockdiek, beim TV Walle, beim SV Hemelingen und bei Tura Bremen blickt man mit einer Mischung aus Erleichterung und Gelassenheit auf die vergangenen Monate zurück. „Es hat alles gut funktioniert mit dem Amt für Soziales, und die Flüchtlinge waren alle sehr lieb und nett“, sagt Volker Eisenmenger-Nadler vom TV Walle, der die Halle am Hohweg bewirtschaftet. Dort waren von September bis April etwa 270 Personen untergebracht. Die Handballerinnen der SG Findorff konnten deshalb nicht darin trainieren und mussten nach Gröpelingen fahren.

Die Halle der Betriebssportanlage Blockdiek war acht Monate mit Flüchtlingen belegt, jene in Hemelingen neun Monate. Die Anlagen nutzten vor allem Fußballmannschaften. „Die Kleinsten konnten im Winter in der Halle in der Düsseldorfer Straße trainieren, die Älteren haben draußen gekickt“, sagt der erste Vorsitzende des SC Vahr-Blockdiek, Sven Stollberg. Er berichtet, er habe einen Brief bekommen, dass Eltern ihr Kind abmelden wollten, wenn der Verein Flüchtlinge in die Halle lasse. „So etwas dulde ich nicht“, sagt Stollberg. Er habe den Brief ignoriert, danach sei nichts passiert. Mit den Flüchtlingen habe es keine Probleme gegeben, etwa 30 sind sogar dem Verein beigetreten. „Unter den Umständen sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Gerd Schweizer (Tura Bremen). Die Sportler können die Halle in der Lissaer Straße seit Ende der Sommerferien wieder nutzen. „Die Halle ist wieder hergerichtet, alles ist wieder gut“, sagt auch Fußballtrainer Thomas Schweers (SV Hemelingen).

„Die Normalität ist zurückgekehrt“, sagt LSB-Präsident Andreas Vroom. „Es gibt überhaupt keine Nachwehen.“ War der Aufschrei vor einem Jahr also zu groß? „Nein“, sagt Vroom. „Wir mussten hart argumentieren und haben für die Sporthallen gefochten.“ Zunächst sei nicht absehbar gewesen, ob die Flüchtlingszahlen in absehbarer Zeit wieder sinken. Das sei das Glück der Sportler gewesen. „Länger wäre diese Ausnahmesituation nicht möglich gewesen.“ Vroom beklagt allerdings, dass die Gelder, die nun für die Renovierung der Hallen gebraucht wurden, nun in der Sportförderung fehlten. Noch nicht wieder freigegeben sind die Sporthallen beim Polizeipräsidium Vahr, deren Bodenbelag und Prellschutz noch renoviert werden müssen. Die Halle in der Julius-Brecht-Allee werde nach Auskunft von Immobilien Bremen kurz vor Weihnachten fertig. Länger gesperrt bleibt die Halle in der Alwin-Lonke-Straße in Burglesum, deren Grundsanierung schon vor der Flüchtlingskrise geplant war.

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