Vor der Kommunalwahl: Die Sorgen, Anliegen und Hoffnungen der fünf größten Delmenhorster Sportvereine Es warten große Herausforderungen

Delmenhorst. Sportvereine leisten Sozialarbeit, sind wichtig für die Integration und die Gesundheit der Menschen in einer Stadt. Kein Wunder also, dass fast alle Delmenhorster Parteien in ihren Programmen zur Kommunalwahl schreiben, dass die Vereine gefördert und unterstützt werden müssen. Doch welche Unterstützung benötigen die Klubs? Welche Probleme beschäftigen sie? Eine Bestandsaufnahme bei den fünf größten Delmenhorster Sportvereinen vor der Wahl am 11. September.
07.09.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Es warten große Herausforderungen
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Sportvereine leisten Sozialarbeit, sind wichtig für die Integration und die Gesundheit der Menschen in einer Stadt. Kein Wunder also, dass fast alle Delmenhorster Parteien in ihren Programmen zur Kommunalwahl schreiben, dass die Vereine gefördert und unterstützt werden müssen. Doch welche Unterstützung benötigen die Klubs? Welche Probleme beschäftigen sie? Eine Bestandsaufnahme bei den fünf größten Delmenhorster Sportvereinen vor der Wahl am 11. September.

Sportpolitisch wichtigstes Thema ist derzeit zweifelsohne die marode Rollkunstlaufbahn des Delmenhorster TV am Stadion. Sie soll laut Ratsbeschluss durch eine Skateranlage ersetzt werden, weil diese der neuen Grafttherme weichen muss (wir berichteten). Die Rollkunstlaufbahn soll an einen anderen Standort verlegt werden - gegen den Willen des DTV, der eine Sanierung der alten Bahn am Stadion möchte. "Deshalb hoffe ich, dass sich nach der Wahl die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat ändern. Dann könnte unsere Wunschlösung doch noch Realität werden", glaubt DTV-Vorsitzende Renate Bartschat. Dass Geld überall knapp sei, sehe sie ein. Doch eine Sanierung ist laut Bartschat schon für rund 100000 Euro zu realisieren. Die Stadt hatte bisher mit mindestens 162000 Euro kalkuliert. "Das ist mir unverständlich", sagt Bartschat.

Nicht nur in Sachen DTV-Rollkunstlaufbahn ist Geld ein wichtiges Thema. Spricht man mit Vereinsvorsitzenden, kommen die Finanzen zwangsläufig zur Sprache - oft mit einem sorgenvollen Ton in der Stimme. Staatliche Zuschüsse für die Klubs wurden immer weiter gekürzt, die Energiekosten wiederum stiegen konstant an. "Um das irgendwie auffangen zu können, muss man kreativ sein und immer nach Sparmöglichkeiten suchen", sagt Erich Meenken, der Vorsitzende des Delmenhorster TB. Sein Verein ließ etwa auf dem Dach des Vereinsheims Am Kleinen Meer eine Solaranlage installieren, die das Duschwasser der Sportler erwärmt. In Kooperation mit der Stadt und der Bürgersolargemeinschaft kommt noch eine Fotovoltaikanlage hinzu, deren Strom der Verein mitnutzen kann.

Wie der DTB hat auch der TuS Hasbergen eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach seines Vereinsheims angebracht. "Preiserhöhungen wie zuletzt beim Gas treffen uns dennoch ungemein hart", stellt der Vorsitzende Otto Baumgarten fest. "Da kann man nur wachsam sein, und zu den preisgünstigsten Gas- und Stromanbietern wechseln", ergänzt Meenken. In Heidkrug spricht die TuS-Vorsitzende Marion Grotheer mit den Sportlern: "Ich kann nur an sie appellieren, nicht zu lange zu duschen." Zudem ließ sie Bewegungsmelder einbauen, damit das Licht nicht unnötig lange brennt.

Hallenkapazitäten ausgeschöpft

Fast noch knapper als das Geld für Strom und Wasser sind in Delmenhorst die Hallenzeiten. Beim DTV etwa werden speziell Gesundheitskurse immer beliebter. Eine erfreuliche Entwicklung, die den mitgliederstärksten Verein der Stadt jedoch auch vor Probleme stellt. "Die Hallenkapazitäten sind ausgeschöpft. Es ist einfach kein Platz mehr da", berichtet die Vorsitzende Bartschat. Hasbergens Vorsitzender Baumgarten beklagt, dass sein Verein Stunden in der Halle der Käthe-Kollwitz-Schule abgeben muss. Eine neue Halle für Delmenhorst wäre also mehr als wünschenswert - da sind sich alle Vereinsvorsitzenden einig. "Das wäre schön, doch wovon soll die bezahlt werden?", bringt Uwe Raß, der Vorsitzende des TV Jahn, die Bedenken aller auf den Punkt. Bleibt also nur, die vorhandenen Hallen in Schuss zu halten. Doch so erfreulich Sanierungen für die Vereine sind, sie schaffen ebenfalls Schwierigkeiten. "Die Halle am Blücherweg ist bald ein Jahr lang nicht nutzbar. Da kriegen wir massive

Probleme mit der Unterbringung unserer Sportler. Das kann man nur durch Zusammenarbeit unter den Vereinen auffangen", berichtet Raß.

Immerhin ist die Halle am Blücherweg nur temporär gesperrt. Zu dauerhaften Engpässen in Sachen Sporthallen könnte hingegen der Vormarsch der Ganztagsschulen führen. Was dieses Thema angeht, sind viele Vereinsvertreter zwiegespalten. "Persönlich halte ich die Schulform für vernünftig, doch aus Vereinssicht sehe ich auch, dass sich die Hallenzeiten von Schulen und Klubs immer mehr überschneiden werden", schildert Bartschat die Problematik. Auch die Gefahr, dass Schüler durch die Ganztagsschule so eingespannt seien, dass ihnen die Zeit für Aktivitäten im Sportverein fehle, sieht Baumgarten.

Kooperationen mit Ganztagsschulen

Die Politik setzt in diesem Punkt auf Zusammenarbeit. "Sportvereine und Ganztagsschulen sollen zunehmend Kooperationen eingehen", heißt es im Wahlprogramm der Delmenhorster FDP. Auch die Grünen wollen "die Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen unterstützen". Diese gibt es auch vielerorts bereits. Der TuS Hasbergen etwa kümmert sich um Mädchen mit Migrationshintergrund an der Parkschule. Andere Vereine machen es ähnlich. Doch in diesem Bereich stoßen die Klubs langsam an ihre Grenzen. "Unsere Übungsleiter haben alle einen Beruf. Die können vormittags oder am frühen Nachmittag keine Kurse an den Schulen anbieten", berichtet Bartschat. Wie viele Vereine in der Stadt kooperiert der DTV dennoch mit Schulen. Auch beim TuS Heidkrug versucht man, dieser Funktion gerecht zu werden und bietet Mädchenfußball an der Grundschule Iprump an. "Allerdings ist die Übungsleiterin nur vorübergehend verfügbar. Wie es dann weitergehen soll, weiß ich nicht", sagt die TuS-Vorsitzende

Grotheer.

Andere Sorgen hat der Delmenhorster TB: Auch wenn die Turnerbündler mit ihrem neuen Vereinsgelände zufrieden sind, machen ihnen die Sportplätze zu schaffen. "Die sind bei Regen sehr schnell überflutet. Das Wasser läuft nicht richtig ab", schildert Meenken. Ein Spiel der Kreisliga-Fußballer musste deswegen bereits abgesagt werden. Es bestehe die Gefahr, dass unzufriedene Fußballer zu anderen Klubs abwandern, befürchtet der DTB-Vorsitzende. Zwar habe sich die Stadtverwaltung bereits des Problems angenommen, jedoch ohne eine langfristige Lösung zu finden. "Die Ursache liegt wohl tiefer im Boden. Ich hoffe, dass wir bald eine dauerhafte Lösung finden", sagt Meenken.

Bleibt festzuhalten: In Zeiten von Ganztagsschulen und einer alternden Gesellschaft, die vermehrt Gesundheitskurse benötigt, werden die Aufgaben der Sportvereine nicht weniger. Auf der anderen Seite wird es für die Clubs jedoch immer schwerer, Ehrenamtliche zu finden, und die Mitglieder werden auch weniger. Nimmt man etwa die Mitgliederzahl aller Delmenhorster Sportvereine, so ist diese laut Stadtsportbund im Jahr 2010 um fast 700 gesunken. Angesichts der wachsenden Herausforderungen brauchen die Delmenhorster Vereine also politische Vertreter und eine Stadtverwaltung, die ihnen auch in Zeiten knapper Kassen den Rücken stärken.

Schaut man in die Wahlprogramme, so sind sich die Parteien dieser Verpflichtung durchaus bewusst. Die CDU will "den Ausbau und die Modernisierung der Sportmöglichkeiten" fördern. Die SPD schreibt, dass Schul- und Vereinssport städtisch zu fördern seien. Laut den Unabhängigen Delmenhorstern (UAD) darf der Sport "nicht einem zügellosen Sparzwang zum Opfer fallen". Das klingt aus Sicht der Sportvereine gut - was diese Ankündigungen und Versprechen wert sind, werden die Delmenhorster Klubs allerdings erst nach der Wahl beurteilen können.

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