Blumenthaler SV und SG Aumund-Vegesack wollen ihre Position in der Bremen-Liga-Spitzengruppe festigen Ewig junges Derby ist reizvoll wie nie

Blumenthal. Spielt die Krise beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen der Amateur-Szene in die Karten? 'Bevor ich mir Werder gegen Frankfurt angucke, würde ich mir lieber BSV gegen SAV ansehen. Werder ist im Moment ja nicht gerade der Bringer', wirbt BSV-Trainer Peter Moussalli für den Gang zum Burgwall. Dort findet nämlich am morgigen Sonnabend um 14.30 Uhr - ob auf dem Hauptplatz oder Kunstrasen steht noch nicht fest - das Bremen-Liga-Spitzenspiel zwischen dem Tabellenvierten Blumenthaler SV und der SG Aumund-Vegesack (Rang zwei) statt.
12.11.2010, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Jens Pillnick

Blumenthal. Spielt die Krise beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen der Amateur-Szene in die Karten? 'Bevor ich mir Werder gegen Frankfurt angucke, würde ich mir lieber BSV gegen SAV ansehen. Werder ist im Moment ja nicht gerade der Bringer', wirbt BSV-Trainer Peter Moussalli für den Gang zum Burgwall. Dort findet nämlich am morgigen Sonnabend um 14.30 Uhr - ob auf dem Hauptplatz oder Kunstrasen steht noch nicht fest - das Bremen-Liga-Spitzenspiel zwischen dem Tabellenvierten Blumenthaler SV und der SG Aumund-Vegesack (Rang zwei) statt.

Dass zwei Nordbremer Mannschaften im Konzert der Großen mitmischen, ist gefühlt eine halbe Ewigkeit her. Wenn, dann waren es Momentaufnahmen, die sich im Laufe der Serie relativierten. Doch in dieser Saison scheint es so, als könnten der Blumenthaler SV und die SG Aumund-Vegesack mit dem zum Spitzenquintett zählenden Bremer SV, Werder Bremen III und OSC Bremerhaven langfristig mithalten. Nach 13 von 30 Partien trennen die ersten fünf Teams - die Wertung der ausgefallen Partie Brinkumer SV gegen Bremer SV zugunsten der Gäste noch nicht berücksichtigt - gerade einmal zwei Punkte.

Ein Derby, das wie gerufen kommt. Der Fußballinteressierte kann sich die beiden Teams im direkten Vergleich anschauen und sich ein Bild machen, welche Mannschaft die Nummer eins in Bremen-Nord werden könnte und ob eine oder gar beide reif für den Titelkampf bis zum Saisonende sind. Dass sich der BSV und die SAV in der Spitzengruppe unabhängig vom Ausgang des Derbys behaupten werden, ist für SAV-Trainer Kristian Arambasic klar. Er geht sogar soweit, von einer Chancengleichheit aller fünf Teams im Titelkampf zu sprechen: 'Alle haben die Möglichkeit, von den ersten Fünf kann es jeder schaffen.'

Blumenthals Trainer Peter Moussalli sieht seinen ursprünglichen Saisonfavoriten Werder Bremen III mit Blick auf den weiteren Verlauf noch vorn: 'Die werden sich noch absetzen.' Seinen mittlerweile seit dem 0:3 beim Brinkumer SV am 9. September ungeschlagenen Blumenthaler SV ('Das war dumm von mir. Ich hätte mich nicht auf den Termin unter der Woche einlassen dürfen, da haben mir einige wichtige Leute gefehlt') will er aber nicht kleiner machen als er ist: 'Wenn wir die SAV auch noch schlagen, dann ist alles möglich.'

Wie Siege und gute Ergebnisse gegen die Schwergewichte der Liga zu erreichen sind, haben die Blumenthaler in dieser Serie schon gezeigt. Das jüngste 4:3 gegen Werder III war keine Eintagsfliege, denn beim OSC Bremerhaven gewannen die Nordbremer mit 1:0 und dem Bremer SV trotzten sie ein Unentschieden ab. Die SAV machte mit den Spitzenteams nur eingeschränkt gute Erfahrungen. Zwar schied sie gegen den Bremer SV im Lotto-Pokal erst im Elfmeterschießen aus und revanchierte sich im Punktspiel mit einem 1:0-Triumph, doch gegen Werder III (0:5) und den OSC (0:2) gab es Punktspielniederlagen.

Klingt nach Vorteil Blumenthal in einem von beiden Trainern als Fifty-Fifty-Spiel eingeschätztem Derby. Gerade nach der jüngsten SAV-Niederlage und dem Blumenthaler Sieg bei Werder sieht SAV-Coach Kristian Arambacic bei Blumenthal 'moralisch einen kleinen Vorteil'. Außerdem käme dem BSV zugute, dass sich die Mannschaft und der Trainer seit Jahren kenne und 'ein eingeschworener Haufen' sei. Die Nachteile glaubt Arambasic aber ausgleichen zu können, denn er schätzt sein Team als spielerisch und fußballerisch besser ein. BSV-Trainer Peter Moussalli stuft die SAV hingegen im individuellen Bereich als besser besetzt ein ('Sie haben fünf, sechs extrem gute Einzelleute'), hält seine Mannschaft aber für 'organisierter und strukturierter'.

Die Reihe der Einzelkönner ist letztlich auf beiden Seiten lang. Ex-Profi und Rückkehrer Sören Seidel ist beim BSV ein Schlüsselspieler, der überragende Offensivmann Sven Landwehr auf dem Weg zu alter Stärke und Daniel Gaese so torgefährlich (zehn Treffer) wie nie. Bei der SAV spielt Johannes Metschuck vielleicht die Saison seines Lebens, Matthias Märtens zeigt unwiderstehliche torgefährliche Vorstöße aus dem Mittelfeld und Muhamed Hodzic hat jetzt endlich die richtigen Nebenleute, um seine volle Wirkungskraft und Torgefährlichkeit zu entfalten.

Ganz besonders dürften zwei Akteure im Blickpunkt des Interesses stehen: Ibrahim Aslan (SAV) und Frank Schardelmann (BSV), die im Unfrieden vor nicht so langer Zeit die Lager wechselten und nach längeren Verletzungspausen zuletzt für Schlagzeilen sorgten. Rachegelüste hegt der 32-jährige Frank Schardelmann, der seine Lieblingsposition als Spieleröffner vor der Abwehr zwar Sören Seidel überlassen musste, aber sich auch mit Rolle hinter den Spitzen arrangiert hat ('Das ist ja schließlich kein Wunschkonzert'), im Derby nicht: 'Die Personen sind ja größtenteils nicht mehr da.' Aber ein Sieg - 'egal wie' - ist natürlich das erklärte Ziel. Mit der Person, die jetzt bei der SAV auf der Trainerbank sitzt, verbindet Schardelmann - im Gegensatz zum damaligen Zwist mit Robert Kwiatkowski und Torben Reiß - einiges: 'Vor vielen Jahren habe ich Aramba von Weyhe nach Vegesack geholt.' Aus Schardelmanns damaligem Mitspieler wurde also der heutige Trainer. Was macht Routinier Frank Schardelmann gerade

jetzt für den Blumenthaler SV so wertvoll? 'Er ist im Kommen. Seit Wochen trifft er oder bereitet in jedem Spiel ein Tor vor', erklärt BSV-Trainer Peter Moussalli, warum er auch im Derby auf ihn setzen will.

Ein Treffer ist auch das, was Kristian Arambasic von Ibrahim Aslan erwartet: 'Ich gehe davon aus, dass er ein Tor machen wird. Dieses Spiel ist sein Highlight, er will Peter Moussalli ein bisschen ärgern.' Der damalige Shooting-Start Aslan hatte sich vor seinem Wechsel zur SAV über mangelnde Wertschätzung beklagt und den BSV nach einem Kreuzbandriss verlassen. Ob nun die Künste eines einzelnen oder die bessere Teamleistung über Sieg und Niederlage entscheiden, ist unter dem Strich egal. Peter Moussalli, der mit mindestens 300 Zuschauern und fest mit einem Heimsieg ('Ein schönes 4:3 für uns') rechnet, verspricht einen 'heißen Tanz', der 'hoffentlich auf dem Hauptplatz ausgetragen wird.' Denn dort sieht Moussalli für den daheim unbesiegten Gastgeber einen 'kleinen Heimvorteil' und die für ein Derby so wichtige Atmosphäre. Kristian Arambasic weiß aus seiner Zeit als Spieler um die Besonderheiten eines Nordderbys und bereitet seine Schützlinge darauf vor, dass morgen 'jede Aktion

kommentiert wird und für jedes Foul Rot gefordert wird.' Er hofft, dass aus einem heißen Derby nicht ein hitziges wird: 'Wir dürfen uns gegenseitig nicht schwächen. Verletzungen und rote Karten wären für beide Seiten das Schlimmste.'

Dass Derbys etwas Besonderes sind und es bleiben werden, stellte Peter Moussalli unter der Woche fest: 'Es waren 18 Spieler beim Training.' Für kleinere Verletzungen oder Wehwehchen ist kein Platz, wenn das lokale Gipfeltreffen ansteht - jeder der laufen kann, will auch auflaufen. Zwar fehlen dem BSV mit Innenverteidiger Timo Bors (Leistenzerrung, Paul Barton (Rücken/Knie) und den ohnehin hinter Daniel Anders in der Warteschleife befindlichen Torhütern Sven Johannsen (Rippenprellung) und Marco Gärtner (Kiefer-OP) fünf Spieler, 'aber im Vergleich zu den anderen Wochen ist das ein Traum' (Moussalli).

Etwas besser als in der Vorwoche stellt sich auch die personelle Situation bei der SAV dar: Zwar fehlt mit Nils Göcke auch ein Innenverteidiger, doch Nachverpflichtung Daniel Peters (Bremer SV) ist ab sofort spielberechtigt. Außerdem fehlen Issam El-Madhoun und Daniel Mulert, hinter dem Mitwirken von Johannes Metschuck, Nils Husmann und Daniel Block stehen Fragezeichen. Fragezeichen, wie das ebenfalls mit großer Spannung erwartete 'Nachspiel' verlaufen wird, gibt es übrigens nicht mehr: Der für morgen geplante SAV-Ball in der Strandlust, auf dem sich jahrelang die Nordbremer Sportszene traf und bis in die Morgenstunden über Fußball fachsimpelte, fällt mangels Masse aus.

Sonnabend, 14.30 Uhr Uhr, Burgwall

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