1:0-Sieg gegen Bremer SV - mit Stimmen

FC Oberneuland qualifiziert sich für den DFB-Pokal

Der FC Oberneuland darf von Bayern München und Borussia Dortmund träumen. Der Bremen-Ligist setzte sich am Samstagvormittag im Endspiel des Lotto-Pokals mit 1:0 gegen den Bremer SV durch.
25.05.2019, 12:07
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Von Stefan Freye
FC Oberneuland qualifiziert sich für den DFB-Pokal

Erzielte das einzige Tor: Ebrima Jobe.

nordphoto / Jaspersen

Man konnte sie durchaus als rücksichtslos bezeichnen, diese Bierdusche. Lautlos, beinahe hinterlistig hatten sich vier, fünf Spieler des FC Oberneuland an ihren Trainer Kristian Arambasic geschlichen – und dann gossen sie ihm den Gerstensaft über den Kopf. Dass gleich mehrere Reporter ebenfalls betroffen waren und etwas abbekamen vom alkoholfreiem Getränk – klebrig, mit einer leichten Lemon-Note – , das war den frisch gebackenen Pokalsiegern schlicht egal. Letztlich setzten die FCO-Kicker mit der Bierdusche fort, was ihnen den 1:0 (1:0)-Erfolg über den Bremer SV gesichert hatte: ihre Kompromisslosigkeit. „Wir haben endlich gemacht, was uns in den Punktspielen gegen den BSV nicht gelungen ist, nämlich zu kämpfen und zu beißen“, kommentierte Kapitän Daniel Block.

Die Freude war natürlich groß aufseiten des neuen Pokalsiegers. Daneben war aber nicht zu übersehen, dass sich auch eine Menge Erleichterung breitmachte. Zweimal hatte der FCO gegen den BSV in der Bremen-Liga verloren und seinen Rivalen damit zum Meister gemacht. Wäre nun noch der Pokal an den Rivalen aus Walle gegangen, hätte die Saison als einziger Misserfolg gegolten. „Das ist so gut für die Moral“, bekannte deshalb Günter Hermann, der Sportliche Leiter der Ostbremer.

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Wie gut ihnen dieser Sieg tat, verdeutlichte auch Ebrima Jobe. Strahlend verkündete der Torschütze des Tages: „Ich bin sehr glücklich, das ist ein großer Moment, den wir uns mit Teamwork erarbeitet haben.“ Nachdem er sich erholt hatte vom „Anschlag“ seiner Spieler, fand Kristian Arambasic zu einem ähnlichen Fazit. „Wir haben diesmal dagegen gehalten und waren präsenter“, so der Trainer.

Fassen wir also zusammen: Der Pokalsieger verdankte den Titel einer geschlossenen Leistung mit viel Einsatzbereitschaft und Kampfgeist. Und der Verlierer? Er war nicht der Bremer SV der vergangenen Monate. Noch am vergangenen Mittwoch, bei der unglücklichen 2:3-Niederlage in der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga gegen Altona 93, hatte das Team von Trainer Ralf Voigt einen ganz anderen Auftritt hingelegt. Diesen Schwung, die Frische und das Selbstbewusstsein legte der BSV am Sonnabend im Stadion Obervieland nur selten an den Tag. „Das war ein bisschen emotionslos, zu emotionslos für ein Finale“, meinte Mittelfeldspieler Malte Tietze.

Die Anzeichen verdichteten sich

Dabei hatte die Partie nicht einmal schlecht begonnen für den Bremer Meister. Gerade zwei Minuten waren absolviert, als Dallas Aminzadeh nur sehr knapp eine Flanke von Jonas Böhning verpasste, und rund zehn Minuten später war Marcel Lück erst im letzten Moment von Denis Nukic am erfolgreichen Abschluss gehindert worden (14.). So sollte es aber nicht weitergehen. Bald schon verdichteten sich die Anzeichen auf einen eher unglücklichen Auftritt des Bremer SV.

Die Auswechslung von Linksverteidiger Jonas Böhning, der nach rund 20 Minuten mit einer Knieverletzung für Tietze Platz gemacht hatte, zählte zu den Vorboten eines misslungenen Tages. Ebenso wie der Fehlschuss von Alexander Arnhold. Im Anschluss an ein schönes Solo von Vafing Jabateh war der BSV-Kapitän aus rund 15 Metern frei zum Abschluss gekommen. Doch der sonst recht treffsichere Arnhold setzte den Ball deutlich über das Gehäuse des FC Oberneuland.

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Also war der Gegner dran. Bereits zur Mitte der ersten Halbzeit erspielte sich das Team von Kristian Arambasic optische Vorteile, und so ließen auch die ersten Chancen nicht lange auf sich warten: Ein Freistoß von Onur Uzun verfehlte das diesmal von Malte Seemann gehütete BSV-Tor nur knapp (26.), und mit einer starken Rettungsaktion verhinderte Aminzadeh auch einen Treffer von Tom Trebin (27.). Wenig später sollte es aber passieren: Ebrima Jobe tanzte zwei, drei Gegenspieler aus, passte kurz zu Daniel Block, der den Kollegen dann in den Strafraum schickte. Dort angekommen, drehte sich Jobe, lief Dominic Krogemann davon und traf aus 14 Metern zum Tor des Tages. Mit anderen Worten: Wenn es noch eines Hinweises bedurfte, dass der Bremer SV gedanklich nicht auf der Höhe war, so wurde er in dieser Szene erbracht.

Durchnässt, aber ziemlich glücklich

Wenig überraschend offenbarte das Team denn auch große Probleme, eine Aufholjagd zu organisieren. Nachdem der eingewechselte Karim Raho per Kopf (47.) und Tim Kreutzträger aus zwölf Metern (49.) die Vorentscheidung für den FCO verpasst hatten, kam der BSV zwar noch einmal besser ins Spiel. Die Möglichkeiten von Moussa Alawie (56., 69.) und Rimal Haxhiu (69.) waren aber keineswegs das Resultat eines Feuerwerks. Und deshalb gehörten die letzten Minuten auch wieder dem FC Oberneuland.

„Wir hatten die größeren und klareren Chancen, und wenn wir eiskalt sind, müssen wir am Ende eigentlich das zweite Tor machen“, fand Kristian Arambasic. Als dann Werders Cotrainer Thomas Horsch zu Gratulation erschien, verriet der FCO-Coach noch, wenn er sich in der ersten Runde des DFB-Pokals wünscht. „Vielen Dank, wir sehen uns dann im August“, meinte Arambasic – durchnässt, aber ziemlich glücklich.

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