Nachgefragt: Michael Hidde, sportlicher Leiter des TV Oyten, über die Zukunft der Drittliga-Handballerinnen „Finanziell könnten wir die 2. Liga stemmen“

Der TV Oyten eilt in der in der 3. Liga Nord aktuell von Erfolg zu Erfolg: Die Handballerinnen gewannen am Sonntag zu Hause gegen den Erzrivalen SV Werder Bremen – es war der elfte Sieg in Folge für das Team von Trainer Sebastian Kohls.
28.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Der TV Oyten eilt in der in der 3. Liga Nord aktuell von Erfolg zu Erfolg: Die Handballerinnen gewannen am Sonntag zu Hause gegen den Erzrivalen SV Werder Bremen – es war der elfte Sieg in Folge für das Team von Trainer Sebastian Kohls. Doch die Serie birgt auch eine große Gefahr für die „Vampires“. Bei der Verteidigung des Meistertitels könnte dem TVO der Zwangsabstieg drohen (wir berichteten). Florian Cordes unterhielt sich mit Michael Hidde, sportlicher Leiter des TVO, über diese Problematik und die Zukunft des TV Oyten.

Herr Hidde, erst einmal Glückwunsch zum Sieg gegen den SV Werder Bremen. Warum schmecken die Erfolge gegen den Erzrivalen besonders gut?

Michael Hidde:

Grundsätzlich schmeckt uns jeder Sieg sehr gut. Mit unserem kleinen Kader müssen wir uns jeden Erfolg hart erkämpfen. Wir haben jetzt elf Spiele in Folge gewonnen und da sind wir besonders stolz drauf. Spielerisch haben wir momentan einen tollen Lauf. Da muss der Besiegte nicht unbedingt Werder heißen.

Da der VfL Oldenburg II am Wochenende nur Unentschieden gespielt hat, ist die Titelverteidigung ein Stückchen näher gerückt. Aber ganz ehrlich, aufgrund der DHB-Statuten, nach denen ein Drittliga-Meister, der im Anschluss auf den Aufstieg verzichtet hat, dies in den folgenden vier Spielzeiten als Erstplatzierter nicht noch einmal tun darf, wäre ein erneuter Gewinn der Meisterschaft doch eher ein Horrorszenario? Immerhin müsste der TVO bei einem erneuten Verzicht zwangsabsteigen.

Indirekt wäre das ein Horrorszenario. Nach dem Spiel haben wir uns intern zusammengesetzt. Wir sind uns relativ sicher, dass wir nicht aufsteigen wollen. Genauso sind wir uns aber auch sicher, dass wir nicht Meister werden. Der VfL Oldenburg II ist in dieser Saison eine Nummer für sich. Wir schielen jedenfalls nicht auf den ersten Platz.

Sie haben das Gespräch nach dem Werder-Spiel angesprochen. Was genau ist dabei herausgekommen?

Es ist dabei herausgekommen, dass wir gerne aufsteigen würden – wie es auch schon im Vorfeld der Saison gesagt wurde. Allerdings nur in eine zweigleisige 2. Bundesliga. Eine eingleisige 2. Liga wird es mit dem TV Oyten nicht geben.

Könnte es der TV Oyten denn überhaupt stemmen, wieder in der 2. Bundesliga zu spielen?

Vom finanziellen Aufwand her, könnten wir die zweite Liga sicher stemmen, etwa was die Fahrtkosten angeht. Die große Frage ist aber, ob wir unserem Team solch ein Abenteuer zumuten können. Viele unserer Spielerinnen sind berufstätig oder studieren. Es wäre für diese Spielerinnen nicht einfach, wenn wir in der 2. Liga zum Beispiel in die Nähe von Stuttgart fahren müssen und erst spät in der Nacht nach Hause kommen.

Nicht nur der TV Oyten hat in der vergangenen Saison auf den Aufstieg verzichtet. Auch die TSG Ketsch hat als Meister der 3. Liga West ihr Aufstiegsrecht nicht wahrgenommen. Muss der Deutsche Handballbund (DHB) nicht umdenken und zur zweigleisigen 2. Bundesliga zurückkehren? Es kann schließlich nicht im Sinne des Erfinders sein, dass die Drittliga-Meister nicht aufsteigen wollen.

Es ist auch immer eine Frage, ob es finanziell zu machen ist, in der 2. Liga zu spielen. Wer weiß, ob wir oder Ketsch aufgestiegen wären, wenn es die zweigleisige Liga noch geben würde. Auch da war der Aufwand immer sehr groß.

Hat es denn bereits Gespräche mit dem DHB über eine Wiedereinführung der zweigleisigen 2. Bundesliga gegeben?

Nein noch nicht. Eventuell sieht es in diesem Jahr so aus, dass es aus der 2. Bundesliga überhaupt keinen sportlichen Absteiger gibt, sondern Zwangsabsteiger, weil sich die Klubs den Ligaerhalt nicht mehr leisten können. Es haben sich zwar noch keine Vereine in diese Richtung geäußert, aber es ist theoretisch denkbar. Und solch ein Szenario führt das Sportliche ad absurdum.

Als Vizemeister könnten die „Vampires“ an einer Aufstiegsrelegation teilnehmen. Würde der Verein diese Chance nutzen oder doch lieber verzichten?

Die Planungen für die kommende Saison sind noch nicht komplett abgeschlossen. Aktuell sind sie jedoch ganz klar auf die 3. Liga ausgerichtet.

Wie geht die Mannschaft eigentlich mit der Problematik um, dass sie im Grunde nicht Meister werden darf?

Die Spielerinnen gehen damit sehr gut um. Bei den Vertragsgesprächen mit den Mädels haben viele – auch die, die schon in der 2. Bundesliga gespielt haben – sich in die Richtung geäußert, dass ihnen der Aufwand in der höheren Klasse zu groß wäre.

Gibt es denn keine Befürchtungen, dass einige Spielerinnen den TVO verlassen, um höher zu spielen?

Derzeit sieht es so aus, dass wir keine Abgänge zu höher spielenden Klubs haben werden. Alle Spielerinnen fühlen sich in unserem Umfeld sehr wohl. Und außerdem haben sie mit Sebastian Kohls einen der besten Trainer.

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