40 Jahre nach dem Unfall von Niki Lauda

Flammenhölle Nürburgring

Vor 40 Jahren am 1. August 1976 verunglückt Niki Lauda schwer. Sein Ferrari fängt sofort Feuer. Doch er kämpfte sich zurück. Eine enorme Disziplin sei es auch gewesen, die Lauda damals das Leben gerettet hätte, so Dr. Martin heute.
31.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karin Sturm
Flammenhölle Nürburgring

Schrecksekunde auf dem Nürburgring: Am 1. August 1976 verunglückt Niki Lauda, sein Ferrari fängt sofort Feuer.

ATP Bildagentur, ATP

Vor 40 Jahren am 1. August 1976 verunglückt Niki Lauda schwer. Sein Ferrari fängt sofort Feuer. Doch er kämpfte sich zurück. Eine enorme Disziplin sei es auch gewesen, die Lauda damals das Leben gerettet hätte, so Dr. Martin heute.

Diese Rationalität und eine enorme Disziplin sei es auch gewesen, die Lauda damals das Leben gerettet hätte, sagt Dr. Martin heute: „95 Prozent der Patienten mit derartigen Verletzungen, einem sogenannten Inhalationstrauma, die wir normal künstlich beatmet haben, sind damals gestorben. Wir mussten etwas anderes probieren – und wir konnten das, weil Lauda wach und ansprechbar war. Und unglaublich diszipliniert und zur aktiven Mitarbeit bereit. Obwohl diese Therapie, bei der immer wieder bei vollem Bewusstsein die Lungen abgesaugt werden müssen, unglaublich schmerzhaft ist. Aber er war dazu bereit – er hatte eben auch diesen unglaublichen Kampfgeist und Überlebenswillen.“

Lauda bedeutet Jahrestag nichts

Lauda selbst bedeutet der Jahrestag an sich absolut nichts: „Wenn ich nicht durch die ständigen Fragen permanent daran erinnert würde, dann hätte ich das gar nicht so registriert. Als Rennfahrer ist so ein schwerer Unfall etwas, mit dem man sofort fertig werden muss. Wenn ich nicht 42 Tage danach damit abgeschlossen gehabt hätte, dann hätte ich nicht wieder ins Auto steigen und fahren können. Andere Leute schleppen so etwas das ganze Leben lang mit sich herum. Als Rennfahrer geht das nicht. Entweder du löst das Problem und fährst wieder – oder du hörst auf.“

Niki Lauda vor 40 Jahren.

Niki Lauda vor 40 Jahren.

Foto: imago

Durch den ganzen Stress habe er auch den größten Fehler seines Lebens begangen und vergessen, zu Arturo Merzario, seinem zweiten entscheidenden Lebensretter, zu gehen und sich dafür zu bedanken, dass er ihn aus dem Auto geholt hatte. „Ich stand unter einem solchen Druck, war so mit meinen eigenen Problemen beschäftigt...“ Und wie ging es dann am Ende doch? „Im Hotel habe ich mir dann gesagt: So, stopp jetzt mit dem ganzen Druck. Am Samstag werde ich ganz normal fahren, als ob da gar kein Rennen wäre. Kein Risiko eingehen, mich herantasten, nichts darauf geben, was die anderen Leute sagen. Vertrauen für mich selbst schaffen, dass ich das Auto kontrollieren kann. Und auf einmal ging es – und ich war Viertschnellster. Ich habe auf Reutemann und Regazzoni geschaut und gesagt, yeahhh!“ Den Argentinier Carlos Reutemann hatte Ferrari da ja schon als „Lauda-Ersatz“ verpflichtet – weil man dem Österreicher ein Comeback nicht zutraute. „Und von da an wurde es immer besser.“

Angst, den Job bei Ferrari zu verlieren – auch angesichts des spürbaren Misstrauens, das ihm sein Team in dieser kritischen Situation entgegenbrachte – gab es nie: „Das spielte keine Rolle. Es war nur die Frage: Kann ich wieder fahren – oder nicht?“ Getroffen hat ihn die Haltung seiner Arbeitgebers trotzdem: „Deswegen bin ich dann ja auch ein Jahr später, als ich die Möglichkeit hatte, von Ferrari weggegangen. Weil es mich natürlich geärgert hat, wie man mich dort damals behandelt hat.“ Im Nachhinein, so meint er heute, sei das unter reinen Erfolgsaspekten freilich ein Fehler gewesen: „Ich hätte noch viel mehr gewinnen können, wenn ich geblieben wäre.“

Dass der Unfall an sich aber einen großen Teil zu seiner „Legende“ beigetragen hat, dessen ist sich der heutige Mercedes-F1-Aufsichtsratsvorsitzende schon bewusst: „Ich wäre nicht das, was ich heute bin, wenn er nicht passiert wäre. Und wenn er nicht von einem achtjährigen Buben gefilmt worden wäre, der zufällig dort stand. Dessen Kamera war der Schlüssel, denn seine Aufnahme wird immer in Kombination mit Hospital und Überleben gezeigt. Der gleiche Unfall ohne den Film wäre nur die Hälfte wert gewesen, behaupte ich. Mein ganzes Leben lang sind immer positive und negative Dinge hintereinander eingetreten, zur Ruhe habe ich nie gefunden.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+