Michael Zetterer hat trotz einer schweren Verletzung bei Werder in Windeseile Karriere gemacht Flottes Kerlchen

Bremen. Der 22. Mai war für Michael Zetterer kein guter Tag.
07.09.2015, 00:00
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Flottes Kerlchen
Von Marc Hagedorn

Der 22. Mai war für Michael Zetterer kein guter Tag. Er hatte sich an diesem Tag im Training mit den Werder-Profis das Kahnbein gebrochen. Und das hieß: keine Teilnahme an der U 20-Weltmeisterschaft. Kein Platz mehr auf der Ersatzbank der Profimannschaft im Bundesliga-Endspurt. Und noch schlimmer: auch keine geregelte Saisonvorbereitung im anstehenden Sommer. Stattdessen Schmerzen, Krankenhaus, Reha.

Michael Zetterer war ein gutes halbes Jahr zuvor mit ganz anderen Zielen nach Bremen gekommen. Er galt und gilt bis heute als eines der größten deutschen Torwarttalente. Mit 17 hatten sie ihm in der ersten Mannschaft der SpVgg. Unterhaching einen Profivertrag gegeben, mit 18 stand er in der Dritten Liga zum ersten Mal im Tor, mit 19 war er Stammtorwart – dann wechselte er im Januar 2015 zu Werder. Um irgendwann einmal Bundesliga-Torwart zu werden.

Seit dem Kahnbeinbruch und der ersten großen Enttäuschung in seiner Laufbahn sind drei Monate vergangen, und inzwischen kann Michael Zetterer über seine Karriere sagen: „Ich bin meinem Plan voraus.“ Tatsächlich ist der gebürtige Münchner, 20 inzwischen, der Bundesliga so nahe wie noch nie. Er ist Werders Nummer zwei hinter Stammtorwart Felix Wiedwald. Und zwar konkurrenzlos im Moment. „Ganz ehrlich, wenn mir das jemand vor ein paar Wochen gesagt hätte, dann hätte ich ihm den Vogel gezeigt“, sagt Zetterer. In drei Monaten kann viel passieren, zumal im Profigeschäft Fußball.

In Bremen ist passiert, dass Michael Zetterer schnell und planmäßig wieder fit geworden ist, Woche für Woche machte er Fortschritte. In dieser Zeit, in der für Zetterer vieles besser wurde, wurde für Raphael Wolf vieles schlimmer. Anstatt nach überstandener Hüft-Operation in der Sommerpause in einen Zweikampf mit Felix Wiedwald um die Nummer 1 einzusteigen, musste Wolf, Werders frühere Nummer 1, wochenlang abseits der Mannschaftskollegen an seiner Fitness arbeiten.

Als Wolf dann wieder soweit hergestellt war, dass er als konkurrenzfähig galt, hatte sich Felix Wiedwald den Platz im Werder-Tor gesichert, und Wolf? Der verletzte sich gleich im ersten Pflichtspiel wieder – bei einem Einsatz für die zweite Mannschaft. Diesmal Muskelfaserriss. Und wieder Pause. Vorteil Zetterer.

„Dass ich die Nummer zwei bin, ist eine Momentaufnahme“, sagt der junge Torwart. Denn auch das ist Zetterer: ruhig, realistisch, kein Spinner. Er hebt jetzt nicht ab. Zwar sagt er, dass er sich die Fußball-Bundesliga natürlich zutraut. „Sonst wäre ich doch fehl hier am Platze.“ Aber wenn die Verletzung vor der Junioren-WM etwas Gutes hatte dann dies: „Sie hat mich weitergebracht, man reift daran.“ An Rückschlägen, meint er damit.

Er sei ein geduldiger Typ, sagt er. Für einen Torwart ist das gut. Wer in sich ruht, strahlt Ruhe aus und darf auch über seine Stärken reden, ohne dass es nach Angeberei klingt. Fußballerisch sei er gut, sagt er, Sprungkraft und Timing seien in Ordnung bei ihm. Mit 1,87 Meter Körpergröße listet ihn Werder auf der Vereinshomepage, von „1,85 oder 1,86“ spricht Zetterer selbst. Für ihn kein Problem, Stichwort Sprungkraft.

Thomas Schaaf hatte einst das ungeschriebene Kriterium ausgegeben, dass ein Bundesliga-Torwart schon 1,90 Meter groß sein solle. „Ich glaube, dass ist nicht mehr so wichtig“, sagt Zetterer, „Yann Sommer von Mönchengladbach ist sogar noch kleiner als ich und ein überragender Torwart.“ Yann Sommer misst 1,83 Meter vom Scheitel bis zur Sohle.

Am Freitag hat Michael Zetterer die nächste neue Erfahrung in seiner noch jungen Karriere gemacht. Zum ersten Mal hat er in einem Spiel mit den Profis im Tor gestanden. Werder gewann 4:2 beim Oberligisten Heeslinger SC. Zetterer hatte erst gar nicht viel zu tun, dann kassierte er zwei Gegentore, und danach hielt er noch ein paar Bälle. „Ich fand Zetterer gut“, sagte Cheftrainer Viktor Skripnik hinterher, „ich bin zufrieden.“ Michael Zetterer wird’s freuen.

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