Skifliegen Fluch oder Segen: Weltcup-Premiere der Windregel

Oberstdorf. Fluch oder Segen: Die Windregel erlebt bei der Team-Tour ihre Weltcup-Premiere und sorgt beim letzten Härtetest der Skispringer vor den Olympischen Winterspielen für zusätzliche Brisanz.
28.01.2010, 11:10
Lesedauer: 2 Min
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Oberstdorf. Fluch oder Segen: Die Windregel erlebt bei der Team-Tour ihre Weltcup-Premiere und sorgt beim letzten Härtetest der Skispringer vor den Olympischen Winterspielen für zusätzliche Brisanz.

Begleitet von reichlich Skepsis kommt die neue Windformel beim Skiflug-Weltcup in Oberstdorf sowie auf den weiteren Stationen der mit 500 000 Schweizer Franken dotierten Serie in Klingenthal (3. Februar) und Willingen (6./7. Februar) erstmals auf Schnee zur Anwendung. «Ob es der große Wurf ist, muss man abwarten. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Weisheit letzter Schluss ist», sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Athleten, die bei zu starkem Rückenwind springen müssen, erhalten Bonuspunkte, die für jede Schanze festgelegt sind. Bei günstigem Aufwind gibt es dagegen Punktabzug. Die Jury kann zudem die Anlauflänge innerhalb eines Durchgangs verändern, ohne den Wettbewerb abbrechen zu müssen. Wer aus einer unteren Luke springen muss, erhält als Ausgleich ebenfalls Zusatzpunkte gutgeschrieben.

Das Echo auf diese vom Internationalen Skiverband FIS ersonnene Regel-Revolution fiel nach den Tests beim Sommer-Grand-Prix eher verhalten aus. «Sport ist Emotion und lebt davon. Meine Skepsis ist ein wenig gewachsen. Man muss die Transparenz berücksichtigen, aber vielleicht wachsen die Zuschauer mit», erklärte Schuster.

Die Fans müssen sich darauf einstellen, dass nicht mehr automatisch der Athlet mit den weitesten Sprüngen am Ende ganz oben auf dem Siegertreppchen steht. «Die große Frage ist, wie man das dem Zuschauer vermittelt. Der Fan im Stadion will mitfiebern. Das macht ja die Faszination des Sports aus. Ich hoffe, dass durch die Regel nicht die Spannung genommen wird», sagte Martin Schmitt.

Der Vize-Weltmeister, der nach auskuriertem Erschöpfungssyndrom erst in Klingenthal in den Weltcup zurückkehrt, steht mit seinen Zweifeln nicht allein. «Wenn der Weiteste nicht mehr gewinnt, dann fehlt mir die Transparenz für den Zuschauer. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Regel günstig für den Sport ist. Dafür braucht man einen Doktortitel», unkte Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer aus Österreich.

FIS-Renndirektor Walter Hofer hält der Kritik seines Landsmannes entgegen: «Der Faktor Glück wird kontrollierbarer. Die Jury gewinnt durch das neue Reglement in Extremsituationen größeren Handlungsspielraum und kann mit dem Balken hinauf- oder hinunterwandern.» Auch Dieter Thoma befürwortet den Versuch, die Freiluftsportart weniger anfällig für äußere Einflüsse zu machen. «Ich glaube, das ist die Zukunft des Skispringens. Auf lange Sicht bietet die Regel eine entscheidende Möglichkeit, die Wettbewerbe unter fairen Bedingungen abzuwickeln», sagte der ARD-Fernsehexperte.

Die TV-Stationen, die für die Übertragungsrechte Millionensummen hinblättern, haben ein großes Interesse an der Einführung der Regel. Verzögerungen würden dadurch minimiert und die Wettkämpfe damit planbarer. «Das Diktat des Fernsehens spielt sicher eine Rolle. Man weiß, die Leute schalten ab, wenn sie zum Bier holen in den Keller gehen und immer noch keiner runtergesprungen ist, wenn sie wieder raufkommen. Das ist dann langweilig», sagte Schuster. (dpa)

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