Fußball-Kreisliga Frauke Spalkhaver ist die Frau für viele (Not-)Fälle

Syke. Frauke Spalkhaver ist Arzthelferin in einer chirurgischen Praxis in Weyhe, die regelmäßig von Fußballern angesteuert wird. Zum Fußball kam die in Wachendorf aufgewachsene Korbballerin über ihren damaligen Freund und jetzigen Gatten Jörg Spalkhaver.
04.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Bödeker

Syke. Frauke Spalkhaver kennt mehr von den inneren Werten ihres Mannes als Ehefrauen normalerweise kennen. Sie hat auch schon weiter ins Innere von so manchem Hobby-Fußballer des SV Heiligenfelde geblickt als andere. Das Innere, von dem hier die Rede ist, sind aber keine verborgenen Charaktereigenschaften, sondern ganz banal Bänder, Sehnen und Knochen in den Kniegelenken. Denn Frauke Spalkhaver ist Arzthelferin in einer chirurgischen Praxis in Weyhe, die regelmäßig von Fußballern angesteuert wird, die sich bei ihrem Hobby auf Bezirks- oder Kreisebene die Knochen lädiert haben.

Und natürlich war sie auch bei der Kniespiegelung ihres damals noch Fußball spielenden Gatten dabei. Eine besondere Neigung zu Heiligenfelder Fußballerknochen hat die 40-Jährige, weil sie Betreuerin beim Kreisligisten SV Heiligenfelde ist. Seit 19 Jahren verbringt sie die Sonntagnachmittage ehrenamtlich auf den Sportplätzen, um in Notfällen mit Eiswasser, Verbänden und Salben, vor allem aber mit fachkundigen Ratschlägen präsent zu sein. Und so sah sie im Laufe der Jahres so manchen ihrer Spieler ein paar Tage später in der Praxis wieder.

Zum Fußball gekommen ist die in Wachendorf aufgewachsene Korbballerin über ihren damaligen Freund und jetzigen Gatten Jörg Spalkhaver, der nach seiner erfolgreichen Badmintonkarriere beim TuS Syke als Fußballer zum SVH gewechselt war, wo er sich in den 1990er Jahren als kompromissloser Verteidiger eine Namen machte. Dort lernte er Frauke kennen, und weil der damalige SVH-Coach Andreas Schmidt sowie Torwart Karsten Köitsch sie ansprachen, war sie von da an nicht nur als Spielerfreundin, sondern auch als medizinischen Betreuerin vor Ort.

Eine Frage der Selbstverständlichkeit

Selbst als Fraukes Jörg sich später verdientermaßen aufs fußballerische Altenteil zurückgezogen hatte, blieb sie dabei und bildet mit dem unermüdlichen Manfred Hinrichs so etwas wie ein ewiges Heiligenfelder Betreuerteam, das auf den Sportplätzen des Kreises bekannt ist. "Ich habe einfach weitergemacht, als Jörg aufhörte. Es macht mir eben Spaß", kommentiert sie die aus ihrer Sicht Selbstverständlichkeit, die aber beileibe keine ist.

Generationen von Fußballern hat Frauke Spalkhaver im grünweißen Trikot erlebt. "Den Torben kannte ich schon als kleinen Jungen", schmunzelt sie über den gerade in die Erste gekommenen Torben Schmidt. Dessen Vater Andreas "Smiley" spielte einst mit Jörg Spalkhaver zusammen und war danach drei Mal Trainer beim SVH.

Auch andere Trainer kamen und gingen, doch ein besonderes Verhältnis hat die Betreuerin zu Frank Drechsler gehabt. Denn die Familien Spalkhaver und Drechsler sind nicht nur fast Nachbarn, sondern auch schon lange befreundet. Und als "Päckchen" Drechsler vor einem Jahr der Stuhl vor die Tür gesetzt worden war, mochte auch Frauke Spalkhaver nicht mehr. Das wiederum führte zur kuriosen Situation, dass beim Kreispokalfinale zwar Jörg Spalkhaver mit einer großen Trommel unter den Heiligenfelder Fans weilte, die Gattin aber nicht - wie sonst immer - auf der Trainerbank saß.

"Ich gebe für den Korbballverband Kurse im richtigen Tapen"

Vor der aktuellen Spielzeit fragte dann der spielende Spartenleiter Florian Jamer bei Frauke Spalkhaver an. Mit Erfolg. Seitdem sitzt sie wieder am Spielfeldrand. In ihrem Koffer befinden sich übrigens gar nicht so viele andere Dinge als bei anderen Vereinen. "Ich kenne mich aber eben damit aus, allein schon berufsbedingt. Und außerdem gebe ich für den Korbballverband Kurse im richtigen Tapen."

So gehört Verbandsmaterial zum Stützten und für Wunden zur Versorgung, Gewebekleber für Platzwunden ebenfalls. Nur das ominöse Eisspray, mit dem Generationen von Betreuern als Ersthilfe auf den Platz rennen, ist bei der Fachfrau verpönt. Stattdessen schwört sie auf Eiswasser. "Natürlich helfe ich auch schon mal Spielern der gegnerischen Mannschaft", erklärt sie und ergänzt: "Es wäre wünschenswert, dass in jeder Mannschaft ein Ersthelfer dabei ist. Denn das beste Material nützt nichts, wenn niemand damit umgehen kann."

Ihren schwierigsten, ja sogar dramatischsten Moment erlebte sie übrigens nicht auf dem Spielfeld, und es war auch keine Bänderverletzung, Platzwunde oder ein Knochenbruch, der sie an ihre Grenzen stießen ließ. Ein Spieler des SVH erlitt in der Kabine einen Schlaganfall. "Das war auch für mich eine ganz andere Kategorie, aber wir haben sofort den Ernst der Situation erkannt", erinnert sich die Betreuerin.

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