1. Kreisklasse: Wie sich Ganderkesee II, Tungeln, Hasbergen, Ippener und Colnrade auf die Restsaison vorbereiten Fünfkampf um den Aufstieg

In kaum einer anderen Liga verspricht der Titelkampf so viel Spannung: Der Tabellenführer TSV Ganderkesee II und der Fünfte SC Colnrade liegen in der 1. Fußball-Kreisklasse nur vier Punkte auseinander. Die beiden genannten Teams, der SV Tungeln, der TuS Hasbergen und der TSV Ippener haben gute Chancen auf einen der zwei Aufstiegsplätze, vertreten ihre Ansprüche aber unterschiedlich offensiv.
20.02.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Fünfkampf um den Aufstieg
Von Christoph Bähr

In kaum einer anderen Liga verspricht der Titelkampf so viel Spannung: Der Tabellenführer TSV Ganderkesee II und der Fünfte SC Colnrade liegen in der 1. Fußball-Kreisklasse nur vier Punkte auseinander. Die beiden genannten Teams, der SV Tungeln, der TuS Hasbergen und der TSV Ippener haben gute Chancen auf einen der zwei Aufstiegsplätze, vertreten ihre Ansprüche aber unterschiedlich offensiv.

Die Winterpause ist fast zu Ende: Am 27. Februar soll die 1. Fußball-Kreisklasse mit zwei Nachholspielen in die Restsaison starten. Besonders im Fokus steht der Titelkampf, denn gleich fünf Mannschaften haben aktuell gute Chancen auf die zwei Aufstiegsränge – und sehen einem kuriosen Wettrennen entgegen, in dem jeder Ausrutscher fatal sein könnte.

1. Platz: TSV Ganderkesee II

(18 Spiele, 43 Punkte, 74:22 Tore)

Andreas Dietrich hat sich während der Winterpause mit Interesse angeschaut, was bei den Konkurrenten im Titelkampf passierte. „Was andere für einen Aufwand betreiben, ist bemerkenswert“, sagt der Trainer des TSV Ganderkesee II. „Bei einigen ist wohl der Zwang da, unbedingt aufzusteigen. Bei uns gibt es dagegen keinen Druck.“ Dabei hat die Ganderkeseer Reserve als Spitzenreiter momentan die beste Ausgangsposition. Insbesondere das Torverhältnis ist beeindruckend: 74 geschossene Treffer erreicht keine andere Mannschaft auch nur annähernd, und weniger als 22 Gegentore haben lediglich zwei Teams kassiert.

Nur: Das Torverhältnis hat in der 1. Kreisklasse keinen Wert, denn am Ende muss bei Punktgleichheit in Auf- oder Abstiegsfragen ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden. So weit will Coach Dietrich allerdings noch gar nicht vorausblicken: „Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen hoch in die Kreisliga.“ Verstärkt haben sich die Ganderkeseer in der Winterpause trotzdem: Mittelfeldspieler Bastian Klöpping (VfL Stenum II) und Torwart Nils Jonasson (SC Dünsen) sind neu im Kader. Abgänge gab es nicht. „Bei der Ersten läuft es gut, die A-Jugend ist Tabellenführer der Bezirksliga. Es gab also keinen Anlass, etwas zu verändern und ein Team möglicherweise zu schwächen“, sagt der Trainer.

In der Tat könnte es für den TSV Ganderkesee eine außerordentlich erfolgreiche Saison werden, wenn die Erste die Bezirksliga hält, die Zweite in die Kreisliga aufsteigt und die A-Jugend es in die Landesliga schafft. „Die Kreisliga würde uns gut zu Gesicht stehen, um jungen Leuten eine Perspektive zu bieten“, weiß Dietrich. Aufsteigen will der Coach, doch er achtet darauf, dass der Druck für sein junges Team nicht zu groß wird. „Wir können hoch, weil wir dürfen“, lautet Dietrichs Motto.

2. Platz: SV Tungeln

(18 Spiele, 43 Punkte, 49:22 Tore)

Zwischen dem SV Tungeln und dem VfR Wardenburg

herrschte in der Winterpause ein reger Austausch. Dennis Kromm und Michel Page verließen Tungeln, um sich dem benachbarten Kreisligisten anzuschließen. Besonders den Abgang von Page hatte SVT-Trainer Michael Leverenz nicht eingeplant: „Das hat mich sehr überrascht, denn er hatte bis Saisonende zugesagt.“ Die zwei Abgänge konnten die Tungelner allerdings auffangen, indem sie im Gegenzug Patrick Janzen und Andre Ehne aus Wardenburg holten. „Das sind zwei exzellente Fußballer“, schwärmt Leverenz.

Der Coach sieht den SV Tungeln nach dem Kreisliga-Abstieg auf dem richtigen Weg. „Viele Zuschauer haben mir schon gesagt, dass es wieder Spaß macht, bei uns zuzugucken“, erzählt Leverenz. Eines seiner vorrangigsten Ziele war, die Zahl der unnötigen Platzverweise zu reduzieren. In der Fairness-Wertung der 1. Kreisklasse liegt Tungeln zwar nur auf Rang 13, doch Leverenz sieht durchaus Fortschritte: „Wir sind keine Rüpelmannschaft mehr. Wir gehen zwar hart in die Zweikämpfe, wollen aber vor allem Fußball spielen.“ Als ersten Anwärter auf den Aufstieg sieht Leverenz sein Team indes nicht, obwohl es gegen den Primus Ganderkesee II schon zweimal gewonnen hat. „Ganderkesee und Hasbergen werden es schaffen“, glaubt er. Und Tungeln? „Wir haben keinen Druck von Vereinsseite“, betont Leverenz. „Klar würden wir den Aufstieg gerne mitnehmen, aber wir halten den Ball flach.“

3. Platz: TuS Hasbergen

(17 Spiele, 40 Punkte, 51:17 Tore)

Die Wintervorbereitung ist für alle Mannschaften von Improvisation geprägt, doch Andreas Lersch hat momentan noch ein zusätzliches Problem: Gleich zehn Spieler fallen grippekrank aus. In den bisher zwei Testspielen unterlag sein TuS Hasbergen der SVG Berne aus der 1. Kreisklasse Wesermarsch (3:6) und dem Bremer B-Kreisligisten SV Weser 08 (4:5). „Wir haben dabei aber auch viel ausprobiert“, sagt Lersch.

Trotz der holprigen Vorbereitung schätzt der Coach die Chancen seiner Mannschaft im Aufstiegsrennen als gut ein. Die Langzeitverletzten Hendrik Witte, Steffen Neumann und Leonhard Stamelos sind auf dem Weg zurück ins Team. „Dadurch haben wir mehr Breite im Kader“, unterstreicht Lersch. Verlassen hat Hasbergen nur Imdat Celik, der zum HSC Hannover wechselte. Hasbergens Trumpf ist, dass der Klub ein Spiel weniger hat als die Konkurrenten im Titelkampf. „Das Potenzial für den Aufstieg ist da. Der Verein gehört auch in die Kreisliga“, sagt Lersch, fügt aber hinzu: „Wenn wir es in diesem Jahr noch nicht schaffen, ist das nicht schlimm. Wir haben eine junge Mannschaft.“

4. Platz: TSV Ippener

(18 Spiele, 40 Punkte, 50:29 Tore)

So recht mag Andreas Lorer seinen Trainerkollegen nicht glauben.

Wenn es um das Thema Kreisliga-Aufstieg geht, äußern sich alle anderen Verantwortlichen der Kreisklassen-Topteams zurückhaltend. „Die wollen auch unbedingt aufsteigen, sagen es nur nicht so klar“, glaubt der Spielertrainer des TSV Ippener. Lorer ist anders, er betont: „Unser Ziel ist der Aufstieg.“

Damit das klappt, hat Ippener in der Winterpause zwei kreisligaerfahrene Spieler verpflichtet. Zana Ibrahim (FC Hude) soll die Offensive verstärken. „Er muss noch richtig fit werden, dann ist er für zehn Tore gut“, sagt Lorer. Markus Wloka (KSV Hicretspor) soll als Außenverteidiger für mehr Stabilität in der Abwehr sorgen, die bisher im Vergleich der fünf Topteams die meisten Gegentreffer zuließ (29). „Markus ist genau der schnelle Spieler, den wir hinten gebraucht haben“, findet Lorer. Zudem holte Ippener Mittefeldmann Fabian Mende vom Adelheider TV (2. Kreisklasse). Yakub Pektürk verabschiedete sich dagegen zum KSV Hicretspor.

Lorer sieht gute Voraussetzungen für den Aufstieg. Beim bislang einzigen Testspiel gegen den Kreisligisten TuS Heidkrug (1:2) habe seine Mannschaft sich gut verkauft. Außerdem stimmt das Restprogramm den Spielertrainer optimistisch: Gegen die Konkurrenten Hasbergen, Tungeln und Ganderkesee II spielt Ippener noch zu Hause. „Wir sind sehr heimstark, weil die Gegner mit unserem kleinen Platz nicht klarkommen“, sagt Lorer. Seit Saisonbeginn bildet er mit Alexander Heidt ein Trainerduo. „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, berichtet Lorer. Heidt übernimmt etwa die Auswechslungen und die Trainingsleitung, sodass sich der Spielertrainer auf seine Rolle als Stürmer konzentrieren kann. Mit Erfolg: Lorer ist mit 20 Toren der zweitbeste Schütze der Liga.

5. Platz: SC Colnrade

(18 Spiele, 39 Punkte, 57:18 Tore)

Der SC Colnrade besann sich auch in der Winterpause auf seine größte Stärke: die Kontinuität.

Personelle Veränderungen gibt es bei der Mannschaft, die größtenteils aus Freunden aus Colnrade und Umgebung besteht, nur selten. Auch jetzt kann Trainer Stefan Rohde mit allen Akteuren weiterplanen. Positiv stimmt ihn, dass Eike Westphale nach einer Verletzung wieder fit ist. Der Rückkehrer soll laut Rohde im defensiven Mittelfeld agieren, sodass Kay-Simon Sommerfeld in den Angriff rücken kann. In der Offensive verfügt Colnrade mit André Sommerfeld (24 Treffer) über den Toptorjäger der Liga, allerdings ist der Stürmer momentan beruflich sehr eingespannt. „Fit ist er trotzdem“, betont Rohde.

Dass die ganze Mannschaft gut in Form ist, bewies sie beim 4:0-Testspielsieg über den Kreisligisten SV Fortuna Einen. „Wir wollen oben dabei bleiben und werden bis zum Ende versuchen, den Aufstieg zu schaffen“, sagt Rohde. Er rechnet mit Spannung bis zum Schluss: „Es würde mich nicht wundern, wenn drei oder vier punktgleiche Mannschaften Entscheidungsspiele um den Aufstieg bestreiten müssten. Das wäre doch toll für die Zuschauer.“

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