Trainer weg, Leistungsträgerinnen weg, Abstieg besiegelt: Hiobsbotschaften reißen nicht ab Für die Falcons kommt es knüppeldick

Falkenberg. Die Euphorie war schier unermesslich. Mit einer atemberaubenden Aufholjagd mit fünf Siegen in Folge hatte der TV Falkenberg das Feld in der 2. Basketball-Regionalliga der Damen von hinten aufgerollt. Doch nun steht der Verein vor einem riesigen Scherbenhaufen: Der Abstieg ist besiegelt, der Trainer ist weg, zwei Leistungsträgerinnen haben ihren Abschied verkündet - in den vorigen Tagen kam es für die Falcons knüppeldick.
14.04.2010, 00:23
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Für die Falcons kommt es knüppeldick
Von Werner Maaß

Falkenberg. Die Euphorie war schier unermesslich. Mit einer atemberaubenden Aufholjagd mit fünf Siegen in Folge hatte der TV Falkenberg das Feld in der 2. Basketball-Regionalliga der Damen von hinten aufgerollt. Doch nun steht der Verein vor einem riesigen Scherbenhaufen: Der Abstieg ist besiegelt, der Trainer ist weg, zwei Leistungsträgerinnen haben ihren Abschied verkündet - in den vorigen Tagen kam es für die Falcons knüppeldick.

Besonders die Nachricht vom Ausscheiden ihres Trainers Robert Vrsek war ein richtiger Tiefschlag für den Verein. Vrsek geht beruflich bedingt für zwei Jahre nach China, dort wird der Lehrer an der Deutschen Schule Shanghai unterrichten. Vrsek war mit dem Team eng verbunden, der A-Lizenz-Inhaber hatte zahlreiche Spielerinnen schon in deren Jugendzeit gecoacht und ihnen das Einmaleins des Basketballs vermittelt.

Doch damit noch längst nicht genug. Wer auch immer die Nachfolge von Robert Vrsek antreten wird, er wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die beiden wohl wichtigsten Spielerinnen im Team verzichten müssen. Olga Fibich, mit 24,2 Punkten beste Werferin der 2. Regionalliga, steht kurz vor einem Wechsel zum Zweitligisten BG Rotenburg/Scheeßel, der sich derzeit sogar noch berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die erste Liga macht. Ebenso hart trifft die Falcons der Weggang von Marina Berger-Karmelic, die über viele Jahre zu den Leistungsträgerinnen im Team gehörte. Berger-Karmelic geht berufsbedingt von August bis Dezember nach Hamburg. Im Anschluss daran zieht es die Aufbauspielerin für zwei Monate nach Brasilien.

Trainer weg, Fibich und Berger-Karmelic weg - für den dritten Punch sorgte schließlich der Verband. Von den elf in die Saison gestarteten Teams steigen gleich sieben Mannschaften definitiv ab, so bleibt die Aufholjagd der Falcons mit dem Sprung auf einen respektablen siebten Rang unbelohnt. Der Verband will die drei Staffeln der 2. Regionalliga zu zwei Staffeln zusammenlegen. Mit bitterem Ende für einen Verein wie den TV Falkenberg.

Abteilungsleiter Christian Kunkemöller hat angesichts der Spielklassenreform einen Hals auf den Verband wie er dicker kaum sein könnte: 'Wir haben in den letzten drei Jahren die Plätze drei, fünf und sieben belegt. Da frage ich mich, was hat unser Verein denn bitteschön falsch gemacht? Da wird mal eben eine solche Spielordnung verabschiedet. Die Mädels haben sich super reingehängt, jetzt steht der Verein aber vor einem Trümmerhaufen.'

Für Kunkemöller ist die ganze Entwicklung ein Abbild der bundesweiten Tendenz im Damenbasketball. Die Aktivenzahlen im Nachwuchsbereich sind stark rückläufig, auch im Leistungsbereich haben es die Vereine immer schwerer, mit ihren zumeist sehr überschaubaren Budgets ein konkurrenzfähiges Team an den Start zu schicken.

Die bange Frage ist, wie geht es weiter bei den Falcons? So niederschmetternd die letzten Meldungen auch waren, Christian Kunkemöller gibt sich kämpferisch und blickt mit gedämpftem Optimismus in die Zukunft. Der Klub leistet bekanntermaßen seit vielen Jahren gute Nachwuchsarbeit, die Aktivenzahl hat sich seit Jahren bei etwa 100 Basketballerinnen eingependelt.

Die Falcons sind nicht der einzige Verein im Umkreis, der ins Schlingern geraten ist. Der TSV Lesum-Burgdamm hat zwar den Klassenerhalt in der 2. Regionalliga geschafft, muss aber in der kommenden Spielzeit auf seine wichtigsten Spielerinnen sowie auf Trainer Eicke Grabener verzichten. Die BTS Neustadt ist aus der Oberliga abgestiegen, der BC VSK Osterholz-Scharmbeck ist in der Bezirksoberliga zwar Meister geworden, darf allerdings nicht aufsteigen. Bei so vielen gebeutelten Teams liegt eine Kooperation, vielleicht ja sogar eine große Bremer Lösung auf der Hand.

Am vorigen Sonnabend hat es bereits intensive Gespräche zwischen den Verantwortlichen des TV Falkenberg und des TSV Lesum-Burgdamm gegeben. Lesum hätte immerhin einen Startplatz in der 2. Regionalliga in die Waagschale zu werfen. Doch nach dem Abgang der wichtigsten Leistungsträgerinnen in beiden Klubs wäre selbst bei einer Fusion beider Mannschaften ein Start in der 2. Regionalliga als mutig zu bezeichnen. Das sieht auch Robert Vrsek so: 'Das würde nach jetzigem Stand wohl kaum für die 2. Regionalliga reichen. Das könnte eine gute Oberligamannschaft werden.' Meldeschluss ist Ende April, bis dahin müssen die Vereine auf einen Nenner gekommen sein.

Es wartet also in den kommenden Wochen eine Menge Arbeit auf Christian Kunkemöller. Und auf Robert Vrsek, der kümmert sich höchstselbst um seine Nachfolge. Doch so ganz einfach dürfte die Suche nach dem neuen Coach nicht werden, der Trainermarkt in Bremen und umzu ist eher überschaubar. Vrsek hat den einen oder anderen Namen im Kopf, in trockenen Tüchern ist aber noch nichts.

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