Der Hamburger SV schickt Maximilian Beister fort und empört seine Fans Furchtbar unromantisch

Hamburg. Seinen bemerkenswertesten Auftritt in der abgelaufenen Saison hatte Hamburgs Angreifer Maximilian Beister am 7. Dezember, beim 2:1-Erfolg gegen den FSV Mainz 05.
09.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Hendrik Buchheister

Seinen bemerkenswertesten Auftritt in der abgelaufenen Saison hatte Hamburgs Angreifer Maximilian Beister am 7. Dezember, beim 2:1-Erfolg gegen den FSV Mainz 05. Allerdings schoss Beister weder ein Tor noch leistete er eine Vorlage oder fiel mit kunstvollen Dribblings auf. Er spielte gar nicht mit, wie meistens in der vergangenen Saison, die für den Hamburger SV nur knapp mit dem Verbleib in der Fußball-Bundesliga endete. Beister stand am Spielfeldrand und berichtete vor laufender Fernsehkamera von seiner neuesten Erfindung. Mit Freunden hatte er einen Trinkbecher entworfen, der zugleich ein Teller ist und den Ess- und Trinkkomfort für Stadionbesucher erhöhen soll.

Beisters Leistung in der vergangenen Saison war die Antwort auf die Frage: Wie lassen sich Bierbecher und Pommes-Schale zugleich mit nur einer Hand halten? Sportlich erbrachte er keinen Beitrag.

Schuld daran ist sein Körper. Anfang 2014 erlitt Beister einen Totalschaden im linken Knie, Kreuzbandriss, beschädigter Meniskus, Knorpelschaden. Ein Jahr fiel der Angreifer aus, komplett erholt hat er sich bis heute nicht. In der vergangenen Rückrunde kam er zu fünf Bundesliga-Einsätzen, der längste dauerte eine halbe Stunde. Als sich der Abstiegskampf zuspitzte, stand Beister zur Verwunderung des Hamburger Publikums oft nicht im Kader. Trainingsrückstand lautete die Begründung. In der kommenden Saison ist beim HSV kein Platz mehr für den erfinderischen Angreifer. Trotz eines laufenden Vertrags legte ihm der Verein nahe, sich einen neuen Klub zu suchen. „Das macht mich traurig, der HSV ist doch mein Verein“, klagte Beister (24) der „Bild“-Zeitung.

Der Kader soll günstiger werden

Sein Verein, das stimmt. Beister kommt aus dem nahen Lüneburg, ist seit dem zehnten Lebensjahr Fan der Hamburger, wechselte früh in die Jugendabteilung des Klubs. 2009 schaffte er den Aufstieg zu den Profis, die damals wie heute von Bruno Labbadia trainiert wurden. Beister setzte sich nicht durch und wurde nach Düsseldorf verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. In der Saison 2011/2012 schoss er die Fortuna mit elf Toren in 33 Spielen und einem Treffer in der chaotischen Relegation gegen Hertha BSC in die Bundesliga und sich zurück nach Hamburg. Die hohen Erwartungen bei seinem Herzensverein konnte er allerdings erst in der Hinrunde 2013/2014 erfüllen. Fünf Tore gelangen ihm, dann kam die Verletzung. Sie warf aufs Tragischste eine Karriere über den Haufen, die endlich in Schwung zu kommen schien. Dass Beister den HSV jetzt verlassen soll, dass eine romantisch aufgeladene Beziehung kalt endet, empört viele Fans. Sie schätzen Beister als Identifikationsfigur.

Weniger kontrovers gestaltet sich der Abschied von Kapitän Rafael van der Vaart. Sein Ausscheiden steht schon länger fest und wird allgemein begrüßt. Offenbar ist sein Wechsel zu Betis Sevilla nur noch Formsache. Über den Verbleib von Heiko Westermann und Gojko Kacar will der HSV schnell entscheiden, Ivo Ilicevic hat gute Chancen auf einen neuen Vertrag.

Weil die Saison für die Hamburger in die Verlängerung gegangen war und bis zur letzten Sekunde der Relegation gegen den Karlsruher SC nicht feststand, in welcher Liga der HSV in der kommenden Saison spielt, können die Verantwortlichen um Sportchef Peter Knäbel die Personalplanung erst in diesen Tagen konkretisieren. So verpasste der Klub zum Beispiel die Verpflichtung von Bayer Leverkusens Stefan Reinartz, der sich für Eintracht Frankfurt entschied. Kandidaten für einen Wechsel zum Immer-noch-Bundesligisten aus dem Norden sind Freiburgs Angreifer Admir Mehmedi und der Paderborner Süleyman Koc. Der Hamburger Kader soll allerdings deutlich günstiger werden. Um zwölf Millionen Euro sollen die Kosten gesenkt werden, auf 40 Millionen. Unter anderem durch den Verkauf von Maximilian Beister.

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