Spiel meines Lebens

Axel Sammrey feiert mit dem SVV Hülsen einen historischen Aufstieg

Axel Sammrey kann sich noch gut an den Juni 1993 erinnern. Damals gelang ihm mit den Fußballern des SV Vorwärts Hülsen der Sprung in die Bezirksliga.
12.03.2021, 16:30
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Von Florian Kastens
Axel Sammrey feiert mit dem SVV Hülsen einen historischen Aufstieg

Aktuell trainiert Axel Sammrey den Bezirkligisten TV Oyten. Und eben jene Liga war er vor 28 Jahren mit dem SV Vorwärts Hülsen als Spielertrainer aufgestiegen.

Björn Hake

Für seinen Beitrag zu unserer Serie „Spiel meines Lebens“ kramt Axel Sammrey, aktuell Trainer des Fußball-Bezirksligisten vom TV Oyten, ganz tief in seinen Archiven. Da er weiß, wonach er sucht, findet er schnell auch noch einige Zeitungsartikel aus dem Juni 1993. „Sehr gerne erinnere ich mich an meinen Einstieg als Trainer zurück. In meiner ersten Saison als alleinverantwortlicher Spielertrainer des SV Vorwärts Hülsen ist uns direkt der Aufstieg in den Bezirk gelungen. Das war damals für den Verein historisch. Erstmals ging es raus aus der Kreisliga. Wenn ich dann noch daran denke, wie es am Ende alles zustande kam – das war schon Wahnsinn“, sagt der in Verden lebende Fußballtrainer.

Nach einigen Jahren, die er aus beruflichen Gründen in Süddeutschland verbrachte, steht für Axel Sammrey Anfang der 90er-Jahre ein Umzug in den Norden an. Der Hausbau in Langwedel steht vor dem Abschluss, auch die berufliche Perspektive ist so gut wie geklärt. Offen ist noch, wo es für den stets höherklassig aktiven Sammrey fußballerisch weitergeht. Im Rahmen des Abschiedsspiels von Hartmut Konschal in Verden entstehen auf der anschließenden Feier erste Kontakte zum „etwas anderen Verein“ aus dem Südkreis. Hülsens Vorsitzender Klaus Maurischat kommt ins Gespräch mit dem seinerzeit Mittdreißiger. „Anschließend hat Klaus mich nicht mehr von der Leine gelassen. Er hat mich ordentlich bearbeitet, nie nachgelassen und hatte dann irgendwann meine Zusage“, erklärt Sammrey, der sich nach eigener Aussage nie vorstellen konnte, in der 1. Kreisklasse einzusteigen. Doch der Plan ist klar umrissen: Unter Trainer Gerold Pluschkat steigt der Mittelfeldspieler als spielender Co-Trainer ein und beerbt den Cheftrainer nach einem Jahr. „Auf alles andere hätte ich mich auch nicht eingelassen. Ich war nie ein guter Co-Trainer und werde wohl auch nie einer sein. Ich musste mich an der Seite von Gerold wirklich zurücknehmen und habe dennoch immer wieder versucht, meine Ideen einzubringen.“

Alle wollen raus aus der Kreisliga

Nach dem Aufstieg in die Kreisliga steht Sammrey in der Saison 1992/1993 allein in der Verantwortung. Und es gibt ein klares Ziel: direkt in den Bezirk durchmarschieren. „Der Druck war schon spürbar. Aber das passt ja auch zu meinen Ambitionen. Ich wollte hoch, die Jungs wollten unbedingt raus aus der Kreisliga. Daher haben wir uns den Druck auch in Teilen selbst gemacht“, sagt der damalige SVV-Spielertrainer, der dann mit seiner Mannschaft eine beeindruckende Leistung hinlegt: Lediglich eine Niederlage kassiert der Aufsteiger. Zum Titelgewinn reicht es dennoch nicht, da der TSV Fischerhude ebenso stark auftritt und dank des besseren Torverhältnisses aufsteigt. Für den SV Vorwärts Hülsen geht es in die Relegation mit den beiden Teams des MTV Elm und des FC Hambergen. Der Modus: Die drei Mannschaften spielen jeweils einmal gegeneinander. Nur der Punktbeste steigt auf.

„Vor dem ersten Relegationsspiel stand noch unsere lang geplante Mannschaftsfahrt nach Holland auf dem Programm. Das war ein hartes Wochenende und vermutlich alles andere als eine ideale Vorbereitung auf eine Relegation“, sagt Sammrey schmunzelnd. Wie dramatisch die Spiele anschließend verlaufen sollen, ahnt da noch niemand. Im ersten Match geht es zum Rotenburger Vizemeister vom MTV Elm. In einem offenen Schlagabtausch führten die Gäste bis in die Schlusssekunden mit 5:4, ehe dem MTV Elm durch einen zweifelhaften Foulelfmeter in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang. „Das war schon richtig hart. Wir hatten das Pokalfinale verloren, die Meisterschaft hauchdünn verpasst und erlebten dann solch einen bitteren Einstieg in die Relegation“, schüttelt Axel Sammrey noch heute den Kopf.

Maik Alpert (rechts) spielte anfang der 90er-Jahre in Hülsen unter Axel Sammrey. Zehn Jahre später trafen sie sich in der Bezirksliga wieder: Alpert coachte den SVV, während Sammrey beim TSV Verden als Trainer tätig war.

Maik Alpert (rechts) spielte anfang der 90er-Jahre in Hülsen unter Axel Sammrey. Zehn Jahre später trafen sie sich in der Bezirksliga wieder: Alpert coachte den SVV, während Sammrey beim TSV Verden als Trainer tätig war.

Foto: Ehrhard Müller

Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Schon drei Tage später empfing der SVV auf eigener Anlage den FC Hambergen. Mit großer Spannung wartete der gesamte Verein auf dieses Match. Trotz starkem Dauerregen fanden 630 zahlende Zuschauer den Weg auf den Sportplatz und wurden Zeuge des nächsten Krimis. Bei bestem Fritz-Walter-Wetter waren es vor allem die Gäste, die dem Spiel ihren Stempel aufdrückten. „Hambergen hatte einige Chancen, wir hingegen sind nicht so Recht ins Spiel gekommen. Ich musste dann als Spieltrainer gar noch eine Zehn-Minuten-Zeitstrafe absitzen. Doch die Jungs haben sich durchgebissen“, weiß Axel Sammrey noch genau. Er bejubelt in der 72. Spielminute den Führungstreffer durch Goalgetter Maik Alpert, der bis in die Schlussphase Bestand hat. Dann aber schlägt der FC Hambergen doch noch zu und erzielt in der 90. Minute den Ausgleich.

Das Ende aller Aufstiegsträume für den SV Vorwärts Hülsen? Nein – kurz vor dem Ende der siebenminütigen Nachspielzeit gelingt Christian Thölke nach einem von Ingmar Kappel getretenen Freistoß per Kopf der umjubelte Siegtreffer. „Wir waren natürlich überglücklich, wussten aber nicht so Recht, was dieser Sieg wirklich wert war. Durch die Niederlage war Hambergen raus aus dem Aufstiegsrennen und musste ein paar Tage später in einem für sie bedeutungslosen Match gegen Elm antreten. Klaus Maurischat hat dann direkt an die Sportlerehre des FC Hambergen appelliert und das Ganze noch mit der Aussicht auf ordentlich Freibier garniert“, berichtet Sammrey.

Nach dem Spiel direkt ins Gasthaus

Vier Tage später machen sich Sammrey und Co. dann auf den Weg nach Hambergen und werden tatsächlich Zeuge eines Heimsieges der Zebras, die den Hülsenern dadurch den Weg in den Bezirk freimachen. „Wir sind dann aus Hambergen direkt ins Gasthaus Leipe gefahren. Dort saßen wir dann zu viert: neben mir noch Klaus Maurischat, Maik Alpert und Matze Roth. Wenig später kam der erste glückselige Fan durch die Tür und hat uns mal eben 50 Liter Freibier versprochen. Wir mussten dann erstmal rumtelefonieren und die Mannschaft zusammenbekommen. Da es aber fast alles Hülsener Jungs waren, hatten wir schnell Verstärkung. Ein harter Sonntag war es trotzdem“, fiel an diesem Tag eine Last von den Schultern Sammreys.

Auch der Einstieg auf der Bezirksebene glückte dem Team in der Folge. Trotzdem endete rund ein halbes Jahr später als Tabellenzweiter das Wirken Sammreys in Hülsen. „Ich hatte in Hülsen in fast drei Jahren nur sechs Spiele verloren und hätte mir natürlich definitiv ein anderes Ende gewünscht. Es gab leider einige Querelen, die wohl auch damit zusammenhingen, dass ich meinen Vertrag nicht mehr verlängern wollte. Mir bot sich die Chance, beim TSV Verden wieder höherklassig als Trainer einzusteigen. Natürlich konnte ich die Enttäuschung von Klaus Maurischat verstehen. Rund um die Feierlichkeiten zum Aufstieg hatte er verkündet, dass er mir am Liebsten einen Zehnjahresvertrag geben würde. Vielleicht hätte er das tun sollen“, sagt der Übungsleiter schmunzelnd, der durch seinen damaligen Wechsel aber nochmals seine sportlichen Ambitionen unterstreicht. „Wie schon erwähnt hätte ich mir im Vorfeld niemals vorstellen können, dass ich in der Kreisklasse einsteige. Bis auf das Ende war es aber einfach eine geniale Zeit mit einer tollen Mannschaft und fähigen Leuten im Umfeld. Im Nachhinein betrachtet, war der Schritt damals also genau richtig“, schwärmt Axel Sammrey noch heute vom Sommer 1993.

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