Fußball-Bremen-Liga

„Auf dem Feld spielt Corona keine Rolle“

Im Interview spricht der neue BSV-Trainer Benjamin Eta über die Stimmung im Bremer Fußball, seine Aufstiegspläne und äußert Kritik an den geltenden Corona-Auflagen.
03.09.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Freye
„Auf dem Feld spielt Corona keine Rolle“

Vorfreude trotz Pandemie: Benjamin Eta, der neue Trainer des Bremer SV, ist froh, dass die Saison jetzt startet.

Frank Koch
Die Saison startet, aber auch die Bremen-Liga wird noch immer von den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie begleitet. Beschreiben Sie doch mal den Ablauf der Partie gegen Union 60?

Benjamin Eta: Wir können mittlerweile zwar wieder in Mannschaftsstärke trainieren und Testspiele absolvieren. Aber das Spiel gegen Union wird ablaufen wie der letzte Test gegen Heeslingen (2:4; Anm. der Red.). Das bedeutet: Wir müssen die beiden Kabinen am Panzenberg dem Gast zur Verfügung stellen und ziehen uns am Hohweg um. Dort findet dann auch die Besprechung statt, danach geht es mit dem Auto rüber zum Panzenberg. In der Halbzeit hatten wir gegen Heeslingen einen Pavillon zwischen Zuschauern und Würstchenbude. Den werden wir am Freitag woanders platzieren. Eine optimale Vorbereitung sieht sicher anders aus. Man muss aber auch sagen: Auf dem Feld spielt Corona keine Rolle.

Ansonsten offenbar schon. Wie nehmen Sie die Stimmung im Bremer Fußball angesichts der Einschränkungen wahr?

Ich glaube, das Thema ist langsam raus. Mittlerweile interessiert es bei uns auch keinen mehr, dass jede zweite Dusche gesperrt ist. Insofern ist Corona in den Hintergrund gerückt. Die Maßnahmen sind Teil des Alltags geworden.

Sie scheinen aber nicht gerade überzeugt vom Konzept?

Wenn man das Ganze betrachtet, macht es nicht immer Sinn. Wir dürfen uns zwar auf dem Feld sehr nahe kommen, aber nicht alle die gleiche Kabine benutzen. Wenn dann ein Tor fällt, liegen sich doch wieder alle in den Armen. Aber wir müssen die Maßnahmen so hinnehmen und uns so gut wie möglich daran halten.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Saison nicht von einer zweiten Welle betroffen sein wird?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe in jeden Fall kein Verständnis dafür, dass die Leute nicht mal auf Urlaub im Ausland verzichten können. Es kann schon sein, dass es einen zweiten Stopp gibt. Da können wir nur hoffen.

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Macht Ihnen die neue Aufgabe unter diesen Umständen überhaupt Spaß?

Ja klar. Auf dem Platz konzentrieren wir uns ja auf den Fußball. Ich habe Bock und bin froh, dass es nun losgeht. Selbst wenn eine zweite Welle kommen sollte, wollen wir bis dahin möglichst viele Spiele absolvieren.

Hinter Ihrer Mannschaft liegt angesichts von 13 Zugängen und neun Abgängen ein ausgewachsener Umbruch, oder?

Ja, aber das ist oft so, wenn ein neuer Trainer kommt und er andere Vorstellungen hat. Dazu gab es den einen oder anderen BSV-Spieler, der dachte, er muss in die Regionalliga wechseln, und dadurch haben sich allein auch Abgänge ergeben. Ich habe bei uns aber nicht das Gefühl, dass wir eine neue Mannschaft sind. Neue Führungsspieler wie Jannis Niestädt oder Mats Kaiser zeigten sofort Kapitäns-Potenzial. Das passt alles gut zusammen, ob jung oder alt.

Ist der Bremer SV denn stärker als in der letzten Saison?

Definitiv. Wir haben die wichtigsten Spieler gehalten und uns auf allen anderen Positionen verbessert. Der einzige Abgang, der uns weh tun wird, ist Torhüter Jasin Jashari. Er hinterlässt eine Lücke, die Henner Lohmann und Ole Bahr aber mittelfristig sicher schließen werden.

Der BSV verfügt über eine lange Tradition und ist nach seinem Selbstverständnis eigentlich nicht richtig aufgehoben in der Bremen-Liga. Bemerken Sie die Ambitionen im Verein?

Klar. Ich glaube aber schon, dass sie im Verein relativ entspannt damit umgehen und eine positive Stimmung herrscht. Keiner redet hier vom Aufstieg. Das kommt allenfalls mal in den Sozialen Medien vor, die Fans sind eben verwöhnt. Wir müssen Geduld haben, sind aber schon ambitioniert und haben Bock auf den Meisterschaftskampf.

Dann ist der Titel das Ziel?

Wenn ich nur meine Person nehme: Ich bin im letzten Jahr mit dem TuS Schwachhausen Zweiter geworden und will nun auf Platz eins. Sonst hätte ich nicht wechseln müssen. Wir wollen Meister werden. Aber es bricht nichts auseinander oder endet im Chaos, wenn wir es nicht werden.

Aber es gibt schon das Projekt Aufstieg, oder?

Mittelfristig wollen wir in die Regionalliga. Das war auch ein Grund für meinen Wechsel zum BSV. Aber wenn es im ersten Jahr nicht klappt, probieren wir es im zweiten noch einmal. Der BSV gehört in die Regionalliga.

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Wer wird zu den Konkurrenten um den Titel zählen?

Der Brinkumer SV hat stark aufgerüstet. Ich sehe ihn als Hauptkonkurrenten. Daneben werden der OSC und der SFL Bremerhaven oben mitspielen. Sie sind aber ebenso schwer einzuschätzen wie die anderen Kandidaten, etwa Hemelingen und Vatan, das es als Aufsteiger aber vielleicht schwerer haben wird, konstant zu spielen.

Und was ist mit dem TuS Schwachhausen, ihrem alten Verein?

Sie haben fünf Schlüsselspieler verloren, aber auch einige gute Spieler dazubekommen. Ich zähle sie ebenfalls zum erweiterten Kreis. Sie können auf das Niveau von OSC und SFL kommen.

Am Ende gehen Sie aber von einem Zweikampf mit Brinkum aus?

Davon gehe ich angesichts des Potenzials und der Kaderstärke aus. Aber es wird oben noch ein bisschen enger als im letzten Jahr. Und es gibt den spannendsten Abstiegskampf seit Jahren. Vielleicht kommt es in der Mitte der Liga wieder zu einem Cut, und dann spielen zehn Mannschaften um den Klassenerhalt.

Im FC Oberneuland ist nun endlich eine Mannschaft aus der Bremen-Liga in die Regionalliga aufgestiegen. Ein gutes Signal?

Sie waren ja schon mal in der Regionalliga dabei, und jetzt sind sie auch nicht aufgestiegen, indem sie die Qualifikation geschafft haben. Das wäre sicher noch einmal etwas anderes gewesen. Ich freue mich aber, dass es eine Mannschaft geschafft hat und hoffe, dass sie lange um den Klassenerhalt spielen. Es wäre sicher ein gutes Zeichen, wenn der FCO es am Ende schafft.

Info

Zur Person

Benjamin Eta wechselte im Sommer vom TuS Schwachhausen auf die Trainerbank des Bremer SV. Mit seinem neuen Team trifft der 40-Jährige an diesem Freitag (18 Uhr) zur Saisoneröffnung der Bremen-Liga am heimischen Panzenberg auf den FC Union 60.

Info

Zur Sache

Leitlinien zum Hygiene-Konzept

Die aktuelle Corona-Verordnung mit 20 Seiten, ein Muster-Schutz- und Hygienekonzept zur Durchführung von Fußballspielen über drei Seiten und ein Muster-Kontaktformular – der Bremer Fußball-Verband hat seine Klubs in den vergangenen Tagen mit einschlägigen Infor­mationen versorgt. „Aber wir können nur Leitlinien geben, da die infrastrukturellen Voraussetzungen der Vereine unterschiedlich sind“, sagt BFV-Pressereferent Oliver Baumgart. Die Grundsätze – etwa die Einhaltung eines Schutz- und Hygiene-Konzepts, die maximal zulässige Anzahl von 400 Personen sowie deren Erfassung in Meldebögen – gelten allerdings für alle Spiele im Bereich des BFV. Die vielleicht spannendste Frage betrifft den Umgang mit den grundsätzlich möglichen Stehplätzen. Sie hatten zuletzt zu zahlreichen Verstößen beim Pokalhalbfinale zwischen dem FC Huchting und dem Blumenthaler SV geführt – trotz umfangreicher Organisation durch den Gastgeber. „Du gehst 25 Mal hin und bekommst nur blöde Antworten“, beschrieb FCH-Präsident Udo Fecker die Situation. Auch aufgrund dieser Erfahrung will man beim SC Borgfeld beim Verfahren vom zweiten Halbfinale bleiben: Gegen den FC Oberneuland hatten die Borgfelder Stehplätze untersagt und rund 300 Stühle aufgestellt. Darum müssen sich die Besucher nun selbst kümmern. „Bei uns sollen die Zuschauer einen Stuhl mitbringen“, sagt Vizepräsident Dirk Beckmann.

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