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David Airich: Der Vollblutstürmer tritt kürzer

David Airich legt den Fokus auf seine Familie. Deshalb will der Stürmer, der zuletzt für den TSV Ottersberg auflief und jahrelang das Trikot des TB Uphusen trug, nur noch eine halbe Saison spielen.
03.07.2020, 09:57
Lesedauer: 4 Min
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David Airich: Der Vollblutstürmer tritt kürzer
Von Maurice Reding
David Airich: Der Vollblutstürmer tritt kürzer

Die Zeit beim TB Uphusen war für David Airich die schönste Zeit. Mit seinem Heimatverein stieg er in die Oberliga auf.

Björn Hake

153 Spiele, 90 Tore – wer beim Fußball solch eine Statistik aufweisen kann, der weiß, wo das gegnerische Tor steht. Der Spieler, der sich hinter dieser Statistik verbirgt, ist David Airich. Ein Vollblutstürmer, immer mit vollem Herzen dabei. Von seinen Mitspielern als Mensch und Akteur auf dem Platz geschätzt. In Zukunft wird diese Statistik nur noch langsam ausgebaut. Der Grund: David Airich möchte mit dem Fußball kürzertreten.

Fast sechs Jahre beim TB Uphusen, dann anderthalb Saisons beim Rotenburger SV, die Rückkehr nach Uphusen und seit 2018 beim TSV Ottersberg – der 33-Jährige hat einiges im Herrenbereich erlebt. Wenn Airich an diese Jahre zurückdenkt, ist ihm besonders die Zeit beim TB Uphusen in Erinnerung geblieben. „Das war die beste Zeit. Wir waren eine Einheit und elf Freunde auf dem Platz“, schwärmt er von den Arenkampkickern. Das kommt nicht ohne Grund. Airich wohnt in Uphusen und ist dort in der Gemeinde tätig.

Beim TBU, wo er zunächst von 2011 bis 2017 gespielt hat, war Airich zu Beginn Stammspieler und zeigte gleich mal, dass er weiß, wo das Tor steht. In seiner ersten Saison erzielte er in 27 Spielen in der Landesliga Lüneburg 17 Tore. Doch es sollte noch nicht zum Aufstieg reichen. Eine Saison später kam Airich 16-mal zum Einsatz. Mit 13 Toren wies er eine beeindruckende Quote auf. Airichs Tore halfen mit, den Aufstieg in die Oberliga Niedersachsen perfekt zu machen. Mit seinem Heimatverein aufzusteigen, das ist schon etwas Besonderes. „Uphusen liegt mir einfach am Herzen. Alle Zuschauer sind meine Nachbarn, deshalb kenne ich sie auch“, sagt er. Uphusen und Airich – das ist auch heute noch eine besondere Verbindung.

Klassenerhalt ohne Einsatz

Als die Arenkampkicker die ersten Saisons in der Oberliga absolvierten, kam Airich sukzessive weniger zum Einsatz, war sich aber nicht zu schade, um auch für die zweite Mannschaft in der Kreisliga zu spielen. Als Vollblutstürmer will man ja immer treffen, da ist auch der Gegner egal. 2017 trennten sich dann die Wege von Airich und seinem Heimatverein. Die Frage war nun: Geht der Stürmer noch mal zu einem anderen Verein? „Der Aufwand war groß. Ich war zu dem Zeitpunkt schon selbstständig und Familienvater. Deshalb wollte ich eigentlich aufhören“, erzählt Airich. Aber der Stürmer ließ sich überreden und wechselte zum Rotenburger SV in die Landesliga – allerdings nur für anderthalb Jahre.

David Airich (rechts) trägt in der neuen Saison nicht das Trikot des TSV Ottersberg, sondern das der Schlossparkkicker aus Etelsen.

Beim TSV Ottersberg zeigte sich David Airich (grünes Trikot) besonders treffsicher. Die gegnerischen Verteidiger sahen meistens keinen Stich gegen ihn.

Foto: Tobias Dohr

Auch dort zeigte Airich seine Torjägerqualitäten. Zwölf Spiele, elf Treffer, besser geht es fast nicht. In der zweiten Saison spielte der 33-Jährige noch siebenmal für den RSV, dabei gelangen ihm vier Tore. Zur Rückrunde kehrte er zum TB Uphusen zurück. Mit vier Toren half er mit, das Ziel Klassenerhalt souverän zu erreichen. In der Saison darauf spielte Airich nur noch einmal für den TBU in der Oberliga. In diesem Spiel gelang ihm auch direkt ein Treffer. Zur Rückrunde der Saison 2018/2019 wechselte Airich zum TSV Ottersberg in die Bezirksliga. Hier drehte der Stürmer richtig auf: 17 Tore in 13 Spielen, die gegnerischen Verteidiger sahen keinen Stich. Am Ende stiegen die Wümmekicker in die Landesliga auf.

Seitdem ist es ruhiger geworden um David Airich. In der vergangenen Saison pausierte der 33-Jährige das erste halbe Jahr. Zur Rückrunde wollte er den Ottersbergern im Kampf um den Klassenerhalt in der Landesliga helfen, doch Corona funkte dazwischen, sodass Airich kein Spiel bestritt. „Ich habe ohne ein Spiel mit der Mannschaft bestritten zu haben den Abstieg verhindert. Besser geht es nicht“, nimmt Airich es mit Humor. „Natürlich hätte ich gerne ein bisschen gekickt, das will man immer als Spieler“, sagt er.

Hohe Wertschätzung

Wie hoch die Wertschätzung ist, die Airich erfährt, belegen die Aussagen seines ehemaligen Mitspielers Burak Yigit, der gemeinsam mit dem Stürmer beim TB Uphusen spielte. „Er ist auf jeden Fall ein Teamplayer, der wie ein Abwehrspieler in jeden Zweikampf geht und sich reinschmeißt“, findet der TBU-Spieler ausschließlich lobende Worte für seinen ehemaligen Mannschaftskollegen. „Außerdem ist er vorne eine Waffe, da er vom Körperbau und von der Robustheit in einer guten Verfassung ist. Er ist eiskalt vor dem Tor.“

Auch Ottersbergs Trainer Jan Fitschen schwärmt von seinem Spieler. „Neben der spielerischen Qualität ist er ein unheimlich ehrgeiziger Mensch, der eine Truppe mitreißen kann. Er ist total auf dem Boden geblieben und hat keine Starallüren. Das macht ihn so wertvoll“, sagt er. Fitschen wäre einer weiteren Zusammenarbeit keineswegs abgeneigt. „Am Ende entscheidet er das, es muss für ihn passen. Er weiß, was er an uns hat und umgekehrt. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt“, sieht der TSV-Coach der ganzen Sache gelassen entgegen.

Ob Airich noch mal für die Ottersberger spielt, weiß er noch nicht. Sein Spielerpass liegt zwar noch bei den Wümmekickern, doch bis Dezember will er ohnehin erst mal pausieren. Für ihn gibt es mittlerweile Wichtigeres im Leben. „Die Familie ist Priorität Nummer eins. Dann ist da noch die Arbeit und dann kommt der Fußball als Ausgleich. Eine halbe Saison reicht deshalb“, sagt er. Der Vollblutstürmer ist zum Familienmenschen geworden. Doch vielleicht schnürt Airich die Fußballschuhe im neuen Jahr noch mal. Die 100 Tore sind nicht weit weg. Dass er diese Marke noch knacken kann, daran besteht kein Zweifel. Doch vorher zählt für Airich erst mal nur eins: die Familie.

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